Aufzeichnungen aus Georgien



Am Anfang der schriftstellerischen Laufbahn des 1954 geborenen Autors Clemens Eich steht Mannheim. Die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Neckar verlieh ihm 1980 einen Förderpreis für seinen Gedichtband “Aufstehn und gehn”, dem 1984 das Theaterstück “So” und 1987 der Prosaband “Zwanzig nach drei” folgten. 1996 erhielt der in Rosenheim am Inn zur Welt gekommene Eich den Mara-Cassens-Preis der Stadt Hamburg für den Roman “Das steinerne Meer”.

Als der Schriftsteller vor etwas mehr als zwei Jahren, am 22. Februar 1998, starb, schrieb Ulrich Greiner in der Wochenzeitung Zeit, dass Eich “auf dem Weg in die erste Reihe der deutschen Autoren” war. “Clemens Eich war eine Figur auf der Grenze und zwischen den Zeiten.” Das trifft sehr genau die Art, was und wie Eich schrieb. Er bewegte sich zwischen den Genres, war auf keine einzelne Gattung festzulegen. Neben Lyrik, Erzählungen und dem genannten Roman verfasste Eich auch eine literarische Reportage, die soeben als Hörbuch veröffentlicht wurde: “Aufzeichnungen aus Georgien” ist zugleich Reisebericht, Innenschau, politisches Feature. Und auch die Themen von Eichs Arbeiten bewegten sich stets “dazwischen”. Hier, in seinem Werk über Georgien, ist es die Suche nach seinem unbekannten Ururgroßvater einerseits und andererseits der Versuch, die frühere Sowjetrepublik und Heimat Stalins sowie Schewardnadses, die Terra inkognita touristisch zu bereisen.

Eich, der als ausgebildeter Schauspieler in Zürich, Landshut, Frankfurt am Main und in Wien tätig war, bewies ein gutes Gespür für emotionale Schwingungen, und als Literat zeigte er ein beneidenswertes Talent, diese Schwingungen in Worte fassen zu können. Seine “Aufzeichnungen aus Georgien” liefern Sachkunde, vermitteln die Kultur des Landes und thematisieren auf eine ungemein subtil-unterhaltsame und selbst-ironische Weise die geradezu anachronistische Position des reisenden Betrachters in Georgien.

Der Schauspieler Matthias Fuchs liest diesen bemerkenswerten Text Eichs in einer Produktion des Südwestrundfunks (SWR). Fuchs’ tiefe und volle Stimme bringt erstaunlich genau zu Gehör, wie sehr ein Text, zumal ein vorgelesener, von der Stimme seines Interpreten lebt. Der Schauspieler Fuchs, der in München, Wien, Hannover, Köln, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg auf der Bühne stand, öffnet die im Text verankerten Türen, die den Zugang zur Psyche der Protagonisten, zur Seele eines Kaukasus-Volkes erlauben, das in ihrer Vielfalt von Eich so hervorragend porträtiert wurde.

Kritik geschrieben von Manfred Loimeier, BÄNG 2000 – Das kritische Magazin für Leute mit Horizont

Titel: Aufzeichnungen aus Georgien
Autor: Clemens Eich; gelesen von Matthias Fuchs
Verlag: Deutsche Grammophon

Abgelegt unter Reisen und Freizeit

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