Das Winterhaus


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In einem verschwenderischen Gesellschaftsepos schildert Judith Lennox die Geschichte dreier Freundinnen in England, beginnend mit dem Jahr 1918 und endend im Jahr 1938. Es ist die Zeit zwischen den zwei großen Weltkriegen mit wirtschaftlichen Nöten und in deren Folge mit größeren politischen, sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen.

1918 sind die Freundinnen sieben Jahre alt. Sie leben in der Nähe von Cambridge. Der Gartenpavillon der Familie Summerhayes, auch Winterhaus genannt, ist Zufluchtsort für die drei Mädchen. Sie beschließen, regelmäßig an diesem Ort zusammenzukommen, um sich hier alle wichtigen Lebensereignisse mitzuteilen. Sie sind sehr unterschiedlicher Herkunft: da ist Robin Summerhayes, deren Eltern Lehrer und sehr liberal gesinnt sind. Bei ihnen herrscht ein freundliches , herzliches Familienklima mit großer Offenheit und Freiheit. Getrübt wird dieses feine Familienklima allerdings durch den Tod des im ersten Weltkrieg gefallenen Sohnes Stevie und des auch durch diesen Krieg an Leib und Seele verletzten Sohnes Hugh. Robin , die einzige Tochter, ist eine zielstrebige Frau mit zeitweise revolutionären Ambitionen, die sich aber nach sozialen und politischen Engagements am Ende dem Medizinstudium widmet.

Maia ist schön und kommt aus gebrochenen Verhältnissen .Sie sucht den reichen Mann, der sie ihre Armut vergessen lässt

. Helen entstammt einem Pfarrhaus. Sie wird tyrannisiert von einem despotischen , heuchlerischen und verlogenen Vater, der sie nie aus den Augen lässt, so dass sie fast an der Enge ihres Lebens zerbricht. Judith Lennox versteht es, fesselnd zu schildern, wie jede einzelne der drei Figuren sich entwickelt. Ausbildung, Charakterentwicklung, erste Lieben, unterschiedlichste Ziele, menschliche Begegnungen, erste Enttäuschungen, nach und nach zu Reife gelangende Persönlichkeitsentwicklungen, aber auch die krankhafte , weil unter eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten leidende Helen, gehören zu dem bilderreichen Erzählstil von Judith Lennox.

Wir bekommen ein einfühlsames und lebendiges Bild aus dem England und London der zwanziger und dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, anschauliche Bilder von den ländlichen Begegnungen und Festen, auch teilweise von sehr morbiden Gesellschaften, wie sie wohl in ihrer Vielfalt charakteristisch für die Zeitläufe jener Jahre sind.

Zuletzt, erwachsen geworden, und nach bitteren Erfahrungen teils in der Ehe, im Pfarrhaus und als Helferin im spanischen Bürgerkrieg, findet das Buch für jede der drei Frauen ein eigenes, von der jeweils anderen sich unterscheidendes Finale.

Es ist eine facettenreiche, vielschichtige Lebens- und Kulturbeschreibung, die uns Judith Lennox bietet, ein spannendes, sehr unterhaltsames und gefühlvolles Buch. Man bleibt bis zur letzten Zeile gefesselt.

Ich empfehle diesen Schmöker für kalte, regnerische Abende, an denen man es sich in der Couchecke gemütlich machen will! (Claudine Borries)

Titel: Das Winterhaus
Autor: Judith Lennox
Verlag: Piper München Zürich
Seiten: 541
ISBN: 349222962X

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