Die fünfte Frau
Herbst 1994.
Eine schreckliche Mordserie hält das südschwedische Schonen in Atem. Drei Männer sind auf bestialische und äußerst schmerzvolle Weise ermordet worden. Kommissar Wallander und seine Kollegen und Kolleginnen von der Polizei in Ystad tappen lange Zeit im Dunkeln. So sehr sie auch versuchen, Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern zu finden, sie können keine entdecken . Ihre Berufe waren unterschiedlich, ihre familiären Verhältnisse und ihre Hobbys weisen keinerlei Übereinstimmungen auf. Nur die Tatsache, dass es sich bei allen drei Männern um relativ unauffällige und durchaus angesehene Mitglieder der Gesellschaft handelte und dass sie jetzt tot sind scheint sie zu verbinden. Nach langen frustrierenden und erfolglosen Ermittlungen stellt sich heraus, dass sämtliche Opfer gelegentlich zur Brutalität neigten und ihre Partnerinnen misshandelten und quälten. Zwei der Toten geraten gar in Verdacht, vor Jahren selber gemordet zu haben.
Nachdem die Polizei zunächst einen männlichen Täter vermutet, kristallisiert sich im Laufe der Zeit heraus, dass die Männer vermutlich von einer Frau, einem selbsternannten Racheengel, ins Jenseits befördert wurden. Langsam wird ein Muster, nach dem die Täterin vorgeht erkennbar und so kommt man ihr schließlich auf die Spur.
Dieser Krimi wurde von den verschiedensten Kritikern und Feuilletonisten in den höchsten Tönen gelobt. Ich kann jedoch diese Preisungen nicht so ganz nachvollziehen. OK, das Buch ist durchweg spannend und die Idee, einmal altbewährte Klischees zu durchbrechen und eine Frau statt als Opfer, als Täterin zu präsentieren, hat ohne Frage einen gewissen Reiz. Meiner Meinung nach hat es Mankell jedoch mit seiner Gesellschaftskritik etwas zu gut gemeint und reichlich dick aufgetragen.
Dass beispielsweise der Mann, der von einer Bürgerwehr als Dieb abgestempelt und halbtot geprügelt wird, ein völlig unbescholtener Bürger ist, der sich nur verirrt hat, mag ja noch angehen; aber muss dieser Mensch nun auch noch Mitglied bei Amnesty-International sein???
Dass Bürger über die Untätigkeit, oder auch - je nach politischer Einstellung - über die Brutalität der Polizei meckern, ist nichts Neues, aber dass die Tochter eines Beamten auf dem Schulhof misshandelt wird, nur weil ältere Mitschüler ihrem Unmut über die Polizei Luft machen wollen, ist bei aller Brutalität, die heutzutage auf Schulhöfen herrscht, doch wohl etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Inhaltlich erscheint mir der Roman gelegentlich reichlich wirr und unlogisch. An einigen Stellen kommt es mir so vor, als habe sich der Autor in seinem eigenen Netz verstrickt und finde nur noch unter Mühen wieder hinaus. Hanebüchene Zufälle werden konstruiert, Cousinen in Entbindungskliniken erschaffen, mehrere Jahre alte Fahrpläne mit kryptischen Anmerkungen in Geheimfächern entdeckt.
Auch was das Stilistische angeht, habe ich etwas zu mäkeln : Zu viele Handlungsstränge bleiben in der Luft hängen und enden im Nichts. Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass Polizeiarbeit häufig tatsächlich ähnlich aussieht - Irrwege werden eingeschlagen, falsche Spuren werden aufgegriffen und später verworfen oder einfach nicht mehr weiter verfolgt. Doch muss man jede noch so aberwitzige Nebenhandlung in aller Länge und Breite auswalzen? Und was sollen die ständig wiederkehrenden Hinweise auf intuitive Empfindungen des Kommissars? - Er hatte ein unbestimmtes Gefühl, wusste aber nicht wieso - die Situation erinnerte ihn an etwas, doch er kam nicht mehr darauf woran - etwas erschien ihm wichtig, aber er hatte keine Ahnung, was es war - usw.
Trotz aller Kritik habe ich bei der Lektüre des Romans jedoch durchaus gelegentlich Vergnügen empfunden. Er ist unterhaltsam und liest sich flott. Ein passabler Krimi. Nicht weniger, aber für meine Begriffe eben auch nicht mehr!
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die fünfte Frau
Autor: Henning Mankell
Verlag: dtv
ISBN: 3423203668
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