Lesertreff

Eine Billion Dollar

Was wäre, wenn einer unserer Urahnen vor 500 Jahren ein paar Florin angelegt hätte, die dank Zins und Zinseszins in der Gegenwart zu einem unvorstellbar großen Vermögen angewachsen wären? Für einen armen Schustersohn aus New York namens John Fontanelli wird dieses nette Gedankenspiel Realität: Am 23. April 1995 erfährt er, dass ihm sein Vorfahre als derzeit jüngstem Sprössling in der Fontanelli-Ära die unglaubliche Summe von einer Billion Dollar vererbt hat. Dadurch ändert sich sein Leben radikaler, als er sich jemals hätte träumen lassen: Gestern fuhr er noch Pizza aus, heute hat er mehr Geld als die reichsten 200 Menschen der Welt zusammen.

Doch ohne Haken läuft auch diese Sache nicht ab: Im Testament wird von einer Vision berichtet, die besagt, dass John Fontanelli mit all dem Geld der Menschheit ihre verlorene Zukunft zurückgeben soll. Doch kann John mit der ihm aufgebürdeten Verantwortung überhaupt umgehen? Da erscheint ein mysteriöser Fremder und behauptet zu wissen, wie die Vision zu erfüllen ist…

Drei Jahre arbeitete Andreas Eschbach an seinem 734 Seiten umfassenden Mammutwerk und recherchierte dafür ausgiebig in allen Standardwerken zum Thema VWL, Bevölkerungspolitik, Ökologie und allen artverwandten Wissenschaften. Dabei hat er es mit der Detailtreue gelegentlich übertrieben, denn ausführliche Beschreibungen des Wetters an besagten Tagen und der allgemeinen politischen und popkulturellen Umstände drängen unwillkürlich Erinnerungen an „American Psycho“ auf, obwohl die Bücher unterschiedlicher kaum sein könnten, lediglich in punkto Details nehmen sich beide nicht viel. Doch bei „Eine Billion Dollar“ wirken sie oft fehl am Platz und hemmen den Lesefluss, sind also kein besonders geeignetes Stilmittel, sondern unterstreichen in erster Linie die Eitelkeit des Autors, sich als allwissend zu präsentieren. Doch egal, wie man darüber denkt, sein Schreibstil ist eine gelungene Mischung aus Fiktion und Wirtschaft, der stets spannend und unterhaltsam rüberkommt, von kleineren Hängern mal abgesehen. Die Story entwickelt sich dabei immer weiter und wird im Laufe immer komplexer und beschäftigt sich meistens mit ökologischen Fragen und Thesen, die Eschbach meisterhaft mit einbezieht. Und gegen Ende des Buches kristallisiert sich dann heraus, dass hier eines der Bücher entstanden ist, dass man zu Recht mit der Bezeichnung Lebenswerk versehen kann. Zumindest solange, bis Eschbach seinen nächsten Roman schreibt…

Fazit: „Eine Billion Dollar“ ist ein sehr spannender und unterhaltsamer Roman geworden, dessen Detailbesessenheit jedoch manchmal kontraproduktiv ist. Doch die genial aufgebaute Handlung, die zahlreichen Ideen und wirtschaftlichen Thesen machen das Buch zu einem wirklich lesenswertem Exemplar! (Tino Hahn)

Titel: Eine Billion Dollar
Autor: Andreas Eschbach
Verlag: Lübbe Verlag
Seiten: 734
ISBN: 3785720491

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