Yeti



Iona, ein von ihren reichen Eltern vernachlässigtes Mädchen, wird von Alpträumen geplagt. Menschenaffenartige Monster machen ihre Träume unsicher und versetzten sie immer wieder in Panik. Zuneigung bekommt sie hauptsächlich von Bediensteten und einigen, wenigen Verwandten. Als ihre Eltern vor der Scheidung stehen, schicken sie Iona mit ihrem Onkel auf eine Expedition um ihr den Presserummel zu ersparen.

Dieser Onkel ist Biologe und reist in die Berge Nepals um nach einer seltenen Primel zu suchen. In Nepal schlagen sie für einige Zeit mit ihren Scherpas und Träger ein Lager auf einem Plateau auf, um sich langsam zu akklimatisieren und an die Höhe zu gewöhnen. Eines Nachts schreckt Iona in Panik aus einem ihrer Alpträume auf und flieht in einen starken Schneesturm hinaus. Schnell verliert sie die Orientierung und stürzt über den Rand des Plateaus tief in ein Tal hinunter in einen Fluss.

Sie wird bald, wie durch ein Wunder unverletzt, an das Ufer gespült. Als sie erwacht, sieht sie sich einem Wesen gegenüber, dass den Monstern aus ihren Alpträumen gleicht. Sie wir von ihm kurz entschlossen in sein Dorf gebracht, nachdem er gemerkt hat, dass sie noch lebt. Nach dem anfänglichen Schrecken, gewöhnt sie sich langsam an die fremde, primitive Umgebung. Sie lernt sogar ziemlich schnell ihre Sprache und erfährt so, dass es sich um Yetis handelt. Sie erfährt auch von den großen Problemen, denen die Yetis gerade gegenüberstehen. Neben dem Dorf in dem sie sich aufhält, und deren Bewohner sich durch das Sammeln von Samen, Wurzeln und Früchten ernähren, gibt es noch einen Stamm in den Bergen, der aus Jägern besteht. Doch in den Bergen ist das Wild verschwunden und der Bergstamm steht vor einer Hungersnot und bittet die Talbewohner um Hilfe. Im Tal gibt es aber auch nicht genug Nahrung für beide Stämme. Der uralte Weise der Yetis erklärt, dass Iona eine wichtige Änderung zum Positiven oder Negativen bringen wird, und so wird sie in das Leben der Yetis hineingezogen.

Ein moderner, gelungener Abenteuerroman mit einer spannenden Geschichte und einer sympathischen Heldin rund um als eine Art Steinzeitmenschen dargestellten Yetigesellschaft. Manches griff der Autor zwar ein bisschen tief in Kitschkiste, so zum Beispiel beim Hauptcharakter der Yetis, der dann ausgerechnet einen Schneeleoparden als Haustier haben muss. Da aber ohnehin der gesamte Hintergrund weit abseits jeder Realität ist, spielt das auch keine große Rolle mehr. Das Ganze erinnert etwas an einen weiblichen Mogli (Dschungelbuch) mit einem kräftigen Schuss Fantasy. Wer sich aber daran nicht stört, bekommt ein gutes Stück Unterhaltung zum Lesen, das sich auch hervorragend als Lektüre für Jugendliche um die Zwölf herum eignen sollte.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Yeti
Autor: Nicholas Luard
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 530
ISBN: 340414418X

Abgelegt unter Abenteuerromane

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