Der Sturm


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In den letzten Oktobertagen des Jahres 1991 tobt vor der Ostküste Amerikas ein gewaltiger Sturm. Zwei riesige Schlechtwettergebiete – die Reste des Hurrikans Grace und ein weiteres Tief, das vom kanadischen Festlandsockel in Richtung Osten zieht – vereinigen sich zu einem Inferno.

Der Kutter Andrea Gail, der sich nach mehreren Wochen Schwerfischfang auf dem Rückweg zu seinem Heimathafen Gloucester in Massachusets befindet, gerät in dieses schreckliche Unwetter und ist seitdem verschwunden – und mit ihm die sechs Fischer, die mit ihm unterwegs waren.

Auch andere Schiffe geraten während des Orkans in Seenot, doch ihre Besatzungsmitglieder haben mehr Glück, als die Leute von der Andrea Gail, sie können aus teilweise aussichtslos anmutenden Situationen gerettet werden.

Der Tatsachenroman erzählt die Geschichte der sechs vom Meer verschlungenen Fischer und von dem, was über ihre letzte Fahrt bekannt ist , von ihren Familien, ihren Träumen. Junger berichtet über das untergegangene Schiff und über die meteorologischen Bedingungen, die zu dem Sturm führten, in dem es sank. Wir erfahren etwas über die geographischen Besonderheiten der Gegend und über die abenteuerlichen Rettungsaktionen, durch die andere Schiffbrüchige befreit werden konnten.

Das Buch hat Licht- und Schattenseiten.

Einerseits gefällt der Roman durch eine sehr glaubwürdige und nachvollziehbare Schilderung der Geschehnisse. Der Autor hält sich an die Fakten und enthält sich erfreulicherweise jeder Wertung oder Schuldzuweisung. Die Berichte über die abenteuerliche Rettung der Mannschaft einer in Seenot geratenen Segelyacht oder von Mitgliedern der Nationalgarde, die durch einen missglückten Rettungsversuch nun selbst in große Gefahr gerieten, ist spannend und bewegend.

Auf der anderen Seite jedoch langweilt der Autor durch bis in die kleinste Einzelheit genaue Beschreibung fischereitechnischer oder seefahrerischer Details. Er benutzt Ausdrücke, die ich, als Landratte noch nie in meinem Leben gehört habe, seitenlang schwelgt er in der Aufzählung von Schiffsgerät.

Die Menschen, die mit der Andrea Gail untergingen, bleiben mir fremd. Natürlich gibt es über ihre letzten Stunden keinerlei Kenntnis, niemand weiß, was mit den Fischern wirklich geschah, wie sie sich fühlten, welche Angst sie empfanden. Doch meiner Meinung nach hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn der Autor hier die Ebene der reinen Tatsachenschilderung verlassen und statt dessen ein wenig fabuliert hätte.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Der Sturm
Autor: Sebastian Junger
Verlag: Heyne
Seiten: 348
ISBN: 3453152549

Abgelegt unter Abenteuerromane

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