Unterwegs nach Cold Mountain
Während des amerikanischen Bürgerkrieges wird der auf Seiten der Südstaaten kämpfende Soldat Inman verwundet.
Als der junge Mann so weit wieder hergestellt ist, dass seine Kräfte für eine Flucht ausreichen, desertiert er und macht sich zu Fuß auf den Weg zurück in seine Heimat in den Bergen North-Carolinas, wo, so hofft er, seine Liebste Ada auf ihn wartet. Der Weg ist voller Gefahren, denn im Lande herrscht Gesetzlosigkeit. Stets muss Inman auf der Hut sein – vor Milizionären, die Deserteure wie ihn jagen, vor Banditen, Plünderern und anderen Desperados. Doch immer wieder trifft der Fahnenflüchtige auf hilfsbereite Menschen – auf ein altes Hutzelweiblein, das seine Wunden pflegt und ihn, der seit Tagen nichts gegessen hat, mit Nahrung versorgt oder auf eine junge Witwe, die selber so arm ist, dass sie kaum weiß, wie sie den kommenden Winter überstehen soll. Während der geflohene Soldat sich mühsam Meile für Meile in Richtung Heimat schleppt, muss seine Braut Ada nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters lernen, eine Farm zu versorgen und von den Produkten, die das Land hergibt zu leben.
Ohne die heimatlose Ruby, die eines Tages wie vom Himmel gesandt hereinschneit, wäre das ihr, der Bürgertochter kaum gelungen. Ruby kann, obwohl sie noch recht jung ist, so ziemlich alles – sie kann den Boden bearbeiten, sie kann pflanzen und säen, kochen und backen, Bäume fällen und Häuser reparieren, sie kann die Zeichen der Natur deuten, à là Monty Roberts Pferden etwas zuflüstern und auch sonst hervorragend mit Tieren umgehen, Wunden und Krankheiten heilen und noch vieles mehr.
Dank ihrer Hilfe ist es möglich, kurz vor Beginn des Herbstes noch genügend Lebensmittel zu erzeugen, so dass den beiden Frauen vor dem nahenden Winter nicht bange zu sein braucht.
Der Autor erzählt durchaus spannend und einfühlsam, zum Teil im Stile eines Märchens, von gefahrvollen Wanderschaften, vom Bösen, das am Wegrand lauert, von kleinen Wundern und großen Überraschungen. Doch allzu oft gerät sein Roman reichlich langatmig und häufig nervt mich seine Idealisierung des ländlichen Lebens. Vor etwa fünfzehn Jahren, während meiner hochalternativen Phase, bekam ich einmal “Das große Buch vom Leben auf dem Lande” geschenkt, das dem zivilisationsmüden Städter mit warmen Worten die Freuden des zwar arbeitsreichen aber durch und durch befriedigenden einfachen Landlebens nahe bringen wollte. Fraziers Roman erscheint mir zeitweise wie die literarische Version dieses Handbuches. Wie leicht und problemlos Ada und vor allem Ruby die Arbeit von der Hand geht – alles gelingt ihnen fast mühelos!
Innerhalb weniger Wochen schaffen es die beiden Frauen aus Adas heruntergekommenen Besitz eine florierende Farm zu machen, zu säen, zu ernten, Schadhaftes zu reparieren, Regale voller Vorräte im Keller aufzuhäufen, Heu zu machen, Äpfel zu pflücken und zu verarbeiten, Saft zu keltern, Bäume zu fällen, Holz zu spalten und ganz nebenbei auch noch zu lesen oder zu malen und selbstverständlich zu kochen, zu backen und das Haus sauber zu halten. Im tiefsten Winter, bei Eis und Schnee genügt den Frauen eine Stunde um im Wald Holz für ein wärmendes Feuer zu sammeln, eine verlassene, heruntergekommene Hütte zu säubern und Tannenäste zu schlagen um damit ein Loch in der Decke dieser Hütte zu flicken – eine Leistung, die der Würdigung im “Buch der Rekorde” bedarf!
Viele Fragen bleiben offen– wo zum Beispiel hat Ruby all’ ihre enormen Fähigkeiten erlernt?
Insgesamt erscheint mir der Roman in weiten Teilen unglaubwürdig, obwohl Frazier sich darauf beruft, einen Teil seiner Familiengeschichte erzählt zu haben.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Unterwegs nach Cold Mountain
Autor: Charles Frazier
Verlag: Heyne
ISBN: 3453152522
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