Elegie für Iris



In einem anrührenden Rückblick über ihr gemeinsames Leben beschreibt der Literaturwissenschaftler und Romanschriftsteller John Baley die Geschichte seines Lebens und seiner Ehe mit der in England zu ihrer Zeit sehr bekannten und angesehenen Philosophiedozentin und Romanschriftstellerin Iris Murdock.

Als sich die beiden kennen lernten , ist er erst 28 , sie dagegen schon 34 Jahre alt. Sie scheint lebenserfahren und reif , mit einiger Menschenkenntnis ausgestattet und nicht ohne die Erfahrungen diverser Liebesbeziehungen.

Er hingegen bezeichnet sich zu jener Zeit als jung und naiv.

Diese gewisse Jugendlichkeit ihr gegenüber und auch, in meinen Augen, naive Bewunderung für sie durchzieht das ganze Buch.

Bemerkenswert ist die innige Lebensgemeinschaft, in die diese beiden Menschen hineinfinden bei offensichtlich gleichzeitig bewahrter Autonomie.

Iris Murdock erkrankt etwa im Alter von 75 Jahren an der Alzheimerschen Krankheit. In einer bewegenden Ehrung für seine Frau berichtet John Balay in diesem Buch über sein Zusammenleben mit ihr, den langsamen Verlust ihres Gedächtnisses, ihrer Handlungsfähigkeit und dem Versinken in das Dunkel der Krankheit.

Sie sind ein humorvolles und liebevolles Paar miteinander, voll spielerischer Vergnügungen, ernsthaft in ihrem Austausch über ihre Arbeit , gesellig, gleichzeitig die Eigenständigkeit des anderen achtend.

Auf der Ebene des Humors, gleicher Lebensgewohnheiten und gewisser häuslicher und intimer Rituale gelingt es John Baley, sich die liebevolle Zuneigung zu seiner Frau trotz ihrer lebenseinschränkenden Erkrankung zu bewahren. Sie bleibt eine fröhliche Frau , auf deren Temperament er sich einlässt, so dass sie weiterhin in einer zärtlichen und bis zu ihrem Tode liebevollen Beziehung zueinander zu verbleiben vermögen.

Zuweilen ist seine fast durchgängige Bewunderung, liebevolle Fürsorge und Rücksichtnahme für sie fast unglaublich. Aber sicher legt das Buch Zeugnis ab von einer ungewöhnlichen Liebe und hingebungsvollen Beziehung zwischen zwei Menschen, wie sie selten zu finden sein wird. John Baley schreibt in einen schönen Stil, lebendig und fesselnd .

Es ist keine Trauerbuch, kein Sterbensbuch, sondern schlicht und einfach eine Liebesgeschichte von ungewöhnlichem Format. (Claudine Borries)

Titel: Elegie für Iris
Autor: John Baley
Verlag: C.H. Beck
Seiten: 260
ISBN: 340646064X

Abgelegt unter Biographien

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