Amsterdam, Keizersgracht 333



Der Aufbau-Verlag war gut beraten, die schon 1991 in einer gebundenen Ausgabe veröffentlichten Erinnerungen des Verlegers Fritz H.Landshoff (1901-1988)erneut, diesmal als Taschenbuch, herauszugeben. Diese Erinnerungen, denen auch eine Auswahl aufschlussreicher Briefen beigefügt ist, sind eines der wichtigsten Zeugnisse des literarischen Exils. Sie sind klar und verständlich geschrieben, übersichtlich gegliedert und konzentrieren sich in erster Linie auf das schwierige Geschäft des Büchermachens im Exil.

Im Frühjahr 1933 war in Amsterdam auf Initiative des holländischen Verlegers Emanuel Querido der deutsche Exilverlag Querido gegründet worden. Verleger des Exilverlags wurde Fritz H.Landshoff. Die Produktion des holländischen Verlages umfasste etwa dreißig Bücher im Jahr, die des deutschen betrug in der Zeit vom Herbst 1933 bis April 1940 insgesamt 124 Bücher.

Landshoff hatte das Verlagsgeschäft von Grund auf gelernt und war, bevor Hitler an die Macht kam, Mitinhaber im Potsdamer Gustav-Kiepenheuer-Verlag gewesen. Für diesen Verlag hatte er Ende der zwanziger Jahre eine damals unbekannte Autorin entdeckt, die schnell Weltruhm erwarb. Es war Anna Seghers.

Für viele von den Nazis verfolgte Autoren bedeutete der Querido-Verlag eine Rettungsstation, zum Beispiel für Alfred Döblin, Alfred Kerr, Irmgard Keun, Carl Sternheim, Arnold Zweig und viele andere. Landshoff schildert den Verlagsalltag im Exil, die Zusammenarbeit zwischen Autoren und Verleger, seine Begegnung mit Jakob Wassermann kurz vor seinem Tod im Herbst 1933 und erzählt, dass Vicki Baum auch privat „höchst unterhaltend und amüsant“ gewesen sei. Von den Schriftstellern zeichnet Landshoff eindrucksvolle Porträts. Mit manchen war er eng befreundet, wie etwa mit Klaus Mann.

Ab Juni 1933 erschien im Querido-Verlag die Zeitschrift „Die Sammlung“. Daraufhin schrieb in Deutschland Will Vesper, fanatischer Hitler-Anhänger und Herausgeber der nazideutschen Zeitschrift „Neue Literatur“: „Die aus Deutschland entflohenen kommunistischen und jüdischen Literaten versuchen von ihren Schlupfwinkeln aus, das neue Deutschland mit einem Wall von literarischem Stinkgas zu umgeben.“

Als deutsche Truppen in die Niederlande einfielen, weilte Landshoff gerade in London und entging, im Gegensatz zu seinen Kollegen Emanuel Querido und Walter Landauer, der Deportation und Ermordung in einem Konzentrationslager. 1940 gründete er zusammen mit G.Bermann-Fischer einen Verlag in New York. Landshoff konnte sein Erinnerungsbuch selbst nicht mehr vollenden. Dennoch ist es eines der wichtigsten Quellen zur Exil-Literatur geworden und dank seines ausführlichen Anhangs ein wertvolles Nachschlagewerk obendrein. (Ursula Homann)

Titel: Amsterdam, Keizersgracht 333
Autor: Fritz H.Landshoff
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
Seiten: 559
ISBN: 3746616867

Abgelegt unter Biographien

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