Die Mütze oder Der Preis des Lebens



Roman Frister, der mit diesem Roman seine Autobiographie veröffentlicht, wurde 1928 in Polen als Sohn gutbürgerlicher jüdischer Eltern geboren. Von den Nazis wird die Familie aus ihrer Heimat vertrieben und ins KZ verschleppt, wo der Junge die Ermordung seiner Mutter durch den SS-Schergen Kunde und den Hungertod seines Vaters miterleben muss.

Im Vernichtungslager ganz auf sich allein gestellt, muss Frister Tag für Tag aufs Neue um sein Überleben kämpfen. Es gilt der Selektion zu entkommen, Hunger und Krankheiten zu überleben, er muss Quälereien durch die KZ-Aufseher und sadistische Mitgefangene erdulden und jederzeit darauf gefasst sein, durch irgendeinen dummen Zufall sein Leben zu verlieren. Er wagt einen Fluchtversuch, entgeht dabei nur knapp dem Tode und weiß am Ende keinen anderen Ausweg, als ins Lager zurückzukehren.

Als die Nazis 1945 die besetzten Gebiete in Polen räumen müssen, wird Frister, gemeinsam mit anderen Insassen eines Außenlagers von Auschwitz, nach Mauthausen transportiert. Dieses Lager ist die absolute Hölle!

“Ich ahnte nicht einen Moment, daß ich an der Schwelle zu einem Ort stand, der mich dazu bringen würde, Auschwitz zu vermissen.” schreibt Frister.

Unbeschreibliche Qualen müssen die Insassen erdulden, bevor man sie im Frühjahr, auf den Marsch in Richtung Wien schickt. Die ausgemergelten Gefangenen haben auf ihrem fünftägigen Marsch kaum etwas zu essen und viele überleben die Strapaze nicht. Doch im Chaos der letzten Kriegstage werden die Elendsgestalten noch einmal zurückgeschickt. Als endlich die Befreier kommen, ist der Autor mehr tot als lebendig.

Nur langsam erholt er sich, er hat Tbc, Darminfektionen und Hungerödeme.

Doch nach seiner Genesung taucht er in Polen ein ins volle Leben. Er wird ein erfolgreicher Journalist, vielfacher Herzensbrecher, heimlicher Schmuggler und ist immer obenauf. Doch dann fällt er bei den Kommunisten in Ungnade und wird vorübergehend inhaftiert. 1957 entschließt er sich zur Emigration nach Israel.

Die gesamte Geschichte ist nicht streng chronologisch erzählt, sondern der Roman besetzt immer wieder mehrere Zeitebenen. Frister berichtet über seine Kindheit und Jugend, dann wendet er sich ab und erzählt von den Nachkriegsjahren in Polen, von seiner Zeit im Vernichtungslager, und gelegentlich auch von seinem Leben in Israel.

Das Hauptthema des Romans ist aber das Leben unter den grausamen Bedingungen im KZ. Hier erzählt Frister mit einer schonungslosen Eindringlichkeit, die wirklich unter die Haut geht. Er beschönigt nichts, auch nicht sein eigenes Verhalten.

In der Schlüsselszene, die den Namen für das Buch liefert, erzählt Frister, wie ihm von seinem Feind, einem sadistischen Funktionshäftling, die Gefangenenmütze gestohlen wird, ohne die ein Häftling den morgendlichen Appell nicht überlebt. Frister weiß nur einen Ausweg: Er selber muß sich bei einem Mitgefangenen schadlos halten. Heimlich entwendet der junge Mann einem schlafenden Unbekannten die Kopfbedeckung, was dessen Ende besiegelt.

Die Schilderungen des Autors über sein späteres Leben, sind jedoch meist weniger bedeutend. Sein zahllosen Frauengeschichten und die Händel mit polnischen Behörden, israelischen Zeitungen und weltweit bekannten Pressetycoonen sind für mich ohne großes Interesse.

Trotzdem ist das Buch insgesamt ein wichtiges Stück Literatur, das ich gerne weiterempfehlen möchte.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Die Mütze oder Der Preis des Lebens
Autor: Roman Frister
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 3442755360

Abgelegt unter Biographien

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