Lebensfalten



Charles Simmons hat als Roman deklariert, was er uns über sein Leben erzählen will. Das Buch ist als ein leicht melancholisches, freundlich beschriebenes Lebensbild aufzufassen.

In der Form der Gegenwart, Rückblende und zuweilen Vorschau auf das gelebte Leben, berichtet Simmons in wechselnden Bildern, flüchtigen Erinnerungen, ja, vorübergehenden Schatten von seinem Leben und Treiben als Kind, heranwachsendem Jugendlichen , Ehemann, Liebhaber und Autor. Er beschreibt, was ihm begegnet ist, wie er es erlebt hat, was ihn beglückt und betrübt hat. Im Stil bewegt er sich zurückhaltend und ein wenig lakonisch.

Simmons ist 1924 geboren. Er führte das Leben eines typischen, amerikanischen Mittelstandskindes. Sein Vater und die Mutter sind keine ausgeprägten Charaktere , die ihn sehr beeindruckt hätten. Der Bruder spielt da schon eine gewichtigere Rolle. Mit Freunden treibt er seinen Unfug wie alle Jungen. Frühe Liebeleien beleben die Zeit des Heranwachsens,– auch das ist so wie überall zu allen Zeiten im bürgerlichen Lager. Er absolviert das Militär ohne besondere Begeisterung. Seine Ehe, die Geburt der Töchter,– alles folgt zu seiner Zeit und ebenso die Trennung und Scheidung von seiner Frau. Keine Frau ist so, dass sein Herz unwiederbringlich daran hängen bleibt. Einzig die Ähnlichkeit seiner Frau mit einem Kindermädchen aus frühester Kindheit, nur angedeutet, lässt ahnen, dass es da schmerzliche Trennungen im Leben gab. Er wischt darüber hinweg, als wären Gefühle im Übermaß nur peinlich.Seine Begegnungen mit Frauen enden wohl alle in Unzufriedenheit, Überdruss und Langeweile. Sexualität ist wichtig für ihn. Er schreibt ausführlich darüber. Nur scheint er sie abgespalten von seinen weiblichen Partnerinnen zu erleben, da sich die Frauen aus seinem Alltag kaum als besonders bemerkenswert hervorheben .

Im Alter schließlich bemerkt er , dass seine Zeitgenossen ihresgleichen suchen und Außenseiter meiden. Das wird schwierig für ihn, da er sich selbst als Außenseiter fühlt. Dennoch such er ihre Gesellschaft, “ denn er spricht gerne über Kindheit und Jugend und möchte dann von seinem Gegenüber verstanden werden. „Das ist einer dieser anrührender und zugleich überaus bescheidenen Sätze in diesem Buch.

Es scheint keine Begeisterung herüber aus irgendeiner Zeit, keine überwältigenden Ereignisse haben das Leben bereichert. Ist es erst die Sicht aus der Perspektive des alten Mannes, die diesen Monolog bestimmt? Wenn es Höhen und Tiefen gegeben hat in diesem Leben , so bleiben sie hinter einer Verhaltenheit versteckt. Er spricht zwar in der dritten Person über sich, man weiß aber: es ist sein Leben, mit dem er sich thematisch beschäftigt.

Im Gegensatz zu den wortgewaltigen und sprachlich intensiven Erinnerungen anderer Autoren, ist dieser Lebensbericht eher unspektakulär und still. Das aber gibt dem Buch den besonderen Eindruck, dass das Leben , auch das eines Schriftstellers, ganz alltäglich verlaufen kann.

Eine schönes , stilles und ruhiges Buch, das dennoch keine Langeweile aufkommen lässt. (Claudine Borries)

Titel: Lebensfalten
Autor: Charles Simmons
Verlag: Beck
Seiten: 161
ISBN: 3406471242

Abgelegt unter Biographien

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