Novembernächte



Die Erzählung beginnt mit einem Besuch von Chaim Potok im Jahre 1985 bei Wolodja und Mascha Slepak in Moskau , einem seit Jahren auf die Ausreisegenehmigung aus Russland nach Israel wartenden jüdischen Ehepaar.

Chaim Potok hat sich auf die Suche nach der Geschichte und den Wurzeln der Familie Slepak begeben. Es wird ein spannendes Unterfangen , anhand dieser Familiengeschichte die historischen Ereignisse während der Stalin -und Nachstalinära aufzurollen . Im wesentlichen geht es aber um die Entwicklung jüdischer Geschichte, um Assimilation und Antisemitismus in Russland, in diesem Buch.

Die Geschichte von Solomon Slepak ,des Vaters von Wolodja, beginnt um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Russland. Die Vorläufer der russischen Revolution machen sich bemerkbar .1917, mit der vollendeten Revolution und dem Tod der Zarenfamilie ,beginnt das bolschewistische Regime unter zunächst Lenin und später Stalin.

Solomon Slepak, der Vater von Wolodja, ist ein strammer Bolschewik.R Im Laufe der Familiengeschichte kann man viel darüber erfahren ,wie es zu Stalins Zeiten und noch danach politisch in Russland zuging.R Solomon wird ca. 1927 Presseattaché in Peking und bekommt die politischen Kämpfe um eine Ausweitung des Einflusses der Kommunisten in China mit.
Nach seiner Rückkehr nach Moskau in den dreißiger Jahren ist er stellvertretender Direktor der TASS.
In eben diesen Jahren des vorigen Jahrhunderts ereignen sich in Russland die politischen Verfolgungen,die Legende sind , und die in vielen Berichten von Dichtern und Denkern aus jener Zeit dokumentiert sind.
Der zunehmende Wahnsinn, die scheinbare Paranoia von Stalin ,führen zu den unvorstellbarsten Verfolgungen, Quälereien und Hinrichtungen selbst seiner getreuesten Weggefährten.
Während zeitweise Juden in herausragenden Stellungen zur Festigung des Regimes beitragen , macht sich nach und nach ein sich ausweitender Antisemitismus breit. So fallen auch viele dieser Juden den Säuberungen zum Opfer.
Solomon Slepak entgeht unglaublicherweise allen Verfolgungen und bleibt ein treuer Anhänger des Systems.

Erst der Sohn von Solomon, Wolodja, geb. 1927, der die besten Schulen und Ausbildungen genossen hat, wird in seinen späteren Jahren ein Kritiker des Regimes, wozu der sich immer deutlicher abzeichnende Antisemitismus einen guten Teil beiträgt.
Wolodja und seine Frau Mascha stellen 1967 einen Ausreiseantrag nach Israel.
Er und seine Frau müssen daraufhin unendliche Schikanen und Verurteilungen durchstehen. Sie werden mit bürokratischen Mitteln hingehalten und mit immer neuen Begründungen an der Auswanderung nach Israel gehindert.
Wolodja muss schließlich fünf Jahre Verbannung wegen unsinniger Vergehen im hintersten Sybirien durchstehen. Später soll sich herausstellen, dass diese Verurteilung ungesetzlich war, — auch nach russischem Recht!
Die Entbehrungen während der Fahrt dorthin, der Aufenthalt ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung, Kleidung, gesundheitlicher Versorgung und unter den Bedingungen unzureichender Wohnverhältnisse , ist für Leser, die in einer ruhigen und weitgehend demokratisch-zivilisierten Kultur leben, nur schwer vorstellbar.
Erstaunen löst die Unzahl von Freunden und Hilfswilligen aus, die sich im Umfeld der Familie bewegen. Erst nach einem Kampf von fast zwanzig Jahren ,im Oktober 1987, gelingt Wolodja und Mascha Slepak die Ausreise nach Israel.

Ein erschütterndes und aufrüttelndes Werk ist dieses Buch, das zur Geschichtsaufhellung über den Antisemitismus in Russland einen wichtigen Beitrag leistet. (Claudine Borries)

Titel: Novembernächte
Autor: Chaim Potok
Verlag: rororo
Seiten: 380
ISBN: 3499228009

Abgelegt unter Biographien

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