Colette Salmand



Der Autor ist als Kind russisch-jüdischer Eltern 1898 in Paris geboren und 1945 dort gestorben. Er lebte in ärmlichen Verhältnissen .Zeitlebens plagten ihn Geldsorgen. Er ist jetzt erst wiederentdeckt worden.

In einer scheinbar entrückten Welt in Paris Anfang des letzten Jahrhunderts begegnen sich zwei junge Menschen, die Kunst studieren.

Colette kommt aus einer geschiedenen Ehe, lebt bei ihrem Vater, einem Arzt mit bescheidenem Auskommen. Jaques’ Vater ist Jurist, Vorsitzender einer Berufungskammer. Der erste Weltkrieg geht zuende; Jaques’ Bruder ist gefallen, er selber meldet sich zuletzt ebenfalls zum Militär, erleidet während der Kämpfe eine Kopverletzung und ist seither psychisch labil.

Im Verlauf der Erzählung erleben wir eine enge Verklammerung zwischen ihm und Colette. Beide entfliehen nach einem tragischen Geschehen aus ihren Elternhäusern und leben fortan von der Hand in den Mund.

Die Verstrickungen, Geldsorgen, psychischen Nöte des jungen Mannes bestimmen den Fortgang der Geschiche. Nähe zwischen den beiden scheint nicht aufzukommen. Colette ist sehr bemüht, das nötige Geld zum Lebensunterhalt zu organisieren und nimmt dafür Demütigungen auf sich , da sie die abgerissene Verbindung zu ihrem Vater wieder aufnimmt, um ihn um finanzielle Unterstützung zu bitten.Sie hatte ihn vor längerer Zeit im Alter von 21 Jahren ohne Angabe von Gründen und ohne weitere Nachricht verlassen. Die ganze Erzählung wird von den selbstquälerischen, grüblerischen und selbstanklagenden Gedanken von Jaques bestimmt, während wir gleichzeitig eine um den Erhalt ihrer Liebe und Beziehung ringende Colette erleben.

Oberflächliche Beziehungen zu den Verwandten, eine verwirrende Lebenskatastrophe im Leben von Jaques machen die ganze Erzählung zum Spiegelbild einer vergeblichen, traurigen und ausweglosen Lebensvorgabe.Fragen und Antworten gehen ins Leere. Es gibt recht eigentlich keinen Ausweg und keine Hoffnung. Eine verhaltene Spannung hält den Leser/In gefangen.

Es handelt sich in dieser Erzählung um eine Liebesgeschichte voller innerer und äußerer Verstrickungen.Man findet hier alles: menschliche Paranoia, Grübelsucht, Schuld, Sühnegedanken und Verzweiflung, Verklammerung,–alles ist in einer einfachen ,aber Aufmerksamkeit fordernden Sprache geschrieben, zeitlos.

Mißverständnisse, Vorurteile und einengende kleinbürgerliche Lebensverhältnisse , wie sie hier beschrieben werden, machen das Leben und Überleben in einer solchen Gesellschaft unverständlich und schwer erträglich.

Ich vermute aufgrund der Biographie von Bove , daß seine Beobachtungen der menschlichen Schwäche und Känklichkeit aus seinem Leben stammen .

Im Nachwort wird der Autor mit Proust und Dostojewski verglichen. Ich würde ihn eher noch in die Nähe von Dostojewski rücken. Ein schönes, lesenswertes und fesselndes Buch. Aufmachung und Gestaltung aus dem Verlag der Friedenauer Presse geben dem Werk einen gediegenen Anstrich. (Claudine Borries)

Titel: Colette Salmand
Autor: Emmanuel Bove
Verlag: Friedenauer Presse
Seiten: 182
ISBN: 3 932109 23 6

Abgelegt unter Erzählungen

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