Das Streichquartett
Eines Tages präsentiert Berghoff, erster Geiger des gleichnamigen Quartetts, seinen Kollegen eine Aufnahme aus dem Jahre 1937. Es handelt sich um das Streichquartett Nr.4 op.37 von Arnold Schönberg, gespielt vom Kolisch-Quartett. Man hört sich das Stück an und beschließt, es ins Konzertprogramm mitaufzunehmen. Von jenem Tag an nimmt das Unheil seinen Lauf. Plötzlich traut Berghoff seiner Frau Elisabeth, nicht mehr über den Weg und glaubt sogar, dass seine zwei Kinder mit ihr gemeinsame Sache machen. Immerhin ist Elisabeth schön und schlagfertig. Manchmal fühlt sich Berghoff ihr nicht gewachsen. Mehr und mehr quält ihn der schreckliche Verdacht, dass ihn Elisabeth mit Manfred Stern, dem zweiten Violinisten aus dem Quartett, betrügt. Ihm erscheint alles verdächtig, dass beispielsweise Stern zu einer Probe verspätet erscheint, ebenso die Plastikfiguren, mit denen seine Kinder spielen und deren Herkunft ihm unbekannt ist. Stammen sie von Stern? Zudem hat er den Eindruck, dass Elisabeth sich immer weniger um die Kinder kümmert. Sein Misstrauen wächst, als ihm Elisabeth eröffnet, dass sie mit den Kindern in die Berge fahren wolle. Zum Tourneebeginn seien sie wieder zurück. Aber die drei kommen nicht wieder und geben auch kein Lebenszeichen von sich. Berghoff wird unruhig, nervös und ergeht sich in allerlei Vermutungen, vor allem als er plötzlich nach einer Musikprobe bei sich zu Hause die kostbare Geige Mittenwalder Schule entdeckt, die ihm Elisabeth vor kurzem noch verweigert hatte, weil sie glaubte, dass sie sich diese teure Anschaffung – immerhin sollte die Geige achtzehntausend Mark kosten – nicht leisten könne. Es geschehen noch weitere mysteriöse, unerklärliche Vorfälle. Während der Orchestertournee kommt es zu einem Eklat zwischen Berghoff und Stern. Aber Elisabeth und die Kinder sind und bleiben verschwunden. So gerät die Welt des Friedhelm Berghoff mehr und mehr aus den Fugen. Das dunkle Geheimnis wird erst gegen Ende des Buches aufgelöst, eigentlich mehr angedeutet, denn langwierige psychologische und soziologische Begründungen und Erklärungen sind Hartmut Langes Sache nicht. Um so stärker gerät der Leser in den Sog des unheimlichen Geschehens, das ihm in einer nüchternen, klaren, fast spröden Sprache mitgeteilt wird. Wer allerdings alles haargenau erklärt haben will, kommt hier nicht auf seine Kosten.
Titel: Das Streichquartett,
Autor: Hartmut Lange
Verlag: Diogenes Verlag
Seiten: 137
ISBN: 3257062818
Abgelegt unter Erzählungen
