Ein Haus in Istrien


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Richard Swartz hat mit diesem Roman eine merkwürdig ruhige , aber insistierenden Geschichte vorgetragen. Ein offensichtlich schon etwas älteres Ehepaar befindet sich im Haus der Frau in Istrien. Sie ist die Icherzählerin, die berichtet, was sich dort zwischen ihr, ihrem Mann , den sie permanent ” mein Schatz” nennt, und ihrer Nachbarschaft abspielt. Der Schatz geht eines nachts bei Vollmond über die Mauer auf das Nachbargrundstück , auf dem ein Haus steht, und kommt mit zerschundenen, blutenden Händen zurück, da die Mauer mit Glasscherben gegen Einsteiger gesichert ist. Er zeigt sich besessen von der Idee, das Haus und das Grundstück an sich zu bringen. Nun dreht sich die ganze Geschichte um den Vorgang, wie das zu bewerkstelligen sei. Die Icherzählerin scheint in einer unbestimmten Angst vor den Launen und Stimmungen ihres Mannes zu leben.

Im weiteren Gang der Dinge erlebt man die Stille und Abgeschiedenheit des Dorfes, Besuche zur Ergründung von Besitzverhältnissen und Kaufmöglichkeiten für das Haus. Der Mann der Icherzählerin ist als Fremder in diese Gegend gekommen, während sie selbst aus diesem Dorf stammt und auch ein kleines Häuschen von ihren Eltern geerbt hat. Die Dazugehörigkeit von ihr, und die Fremdheit von ihm gibt dem Buch eine zusätzliche Spannung.

Wetterbedingte Stimmungen, Hitze und Regen werden beschrieben. Es ist eine ferne Welt , in der dieses merkwürdige Paar lebt. Eine gewisse Stille ist spürbar und gleichzeitig die Spannung der Frau, was ihr Mann als nächstes wieder ausheckt, und ob er womöglich die Nachbarn , denen er mit Ressentiments begegnet, wieder beleidigen wird.

Die subtile Art, mit der die Charaktere beschrieben werden , macht den Reiz des Buches aus. Nichts scheint alltäglich und gleichzeitig ist doch alles alltäglich. Die Nachbarn werden in den immer gleichen Abläufen geschildert. Endlose Gespräche oder Selbstgespräche über die Gesundheit oder die Lebensbetrachtungen einzelner Protagonisten begleiten Besuchsereignisse, bei denen man eigentlich über das “Haus” sprechen möchte. Die langen Monologe einsamer Sonderlinge entbehren zuweilen nicht einer gewissen Komik.

Insgesamt wirkt die Erzählung sehr überzeugend. Man meint die Spannung zu spüren, die Stille, die Hitze, die aufkommenden Stürme und Gewitter, das Knistern in der Luft. Es scheinen vorwiegend alte Menschen zu sein, denen wir begegnen. Nirgendwo ist jugendliche Frische, Lebendigkeit oder gar Fröhlichkeit zu bemerken.

Die Sätze laufen im Gleichmaß dahin. Direkte Rede gibt es nicht. Es ist die Frau, die ihre Erlebnisse in einer Art Gedankenfluss in sich trägt oder wiedergibt.

Richard Swartz versteht es meisterhaft, das Leben im Grenzgebiet zwischen Italien und Istrien zu skizzieren . Ein wenig kafkaesk muten die Begebenheiten an.

Das eigentümliche Ende der Geschichte bietet mancherlei Anlass zu Spekulationen. (Claudine Borries)

Titel: Ein Haus in Istrien
Autor: Richard Swartz
Verlag: Hanser
Seiten: 178
ISBN: 3446199799

Abgelegt unter Erzählungen

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