Falltür ins Paradies
Von „Blood Simple“ über „Fargo“ und „The Big Lebowski“ bis zu ihrem neuesten Werk „O Brother, where art thou?“ lieferte Ethan Coen die Drehbücher zu jenen Werken, die ihm mitsamt seinem Bruder Joel einen Platz weit oben im Film-Olymp einbrachten.
Bei ihren filmischen Werken übernahm Joel Coen immer die Regie-Arbeit, während sich Ethan um Produktion und Drehbuch kümmerte. Die überbordende Kreativität von Ethan Coen hat jetzt dazu geführt, dass mit „Falltür ins Paradies“ eine Story-Sammlung vorliegt, in der man ein Wiedersehen mit den skurrilen Charakteren feiern kann, die ihre Filme schon seit langem bevölkern.
Dabei bewahrte sich der Autor nicht nur sein Gespür für skurrile und abstruse Charaktere und Situationen, sondern garnierte die Stories mit seinem gewohnt abgründigen Tiefsinn, der auch die Filme der Coen-Brüder zu cineastischen und intellektuellen Höhepunkten macht.
Natürlich kommt auch der schwarze Humor und die grausame Ironie, der schon Werke wie „Fargo“ auszeichnete, auf keinen Fall zu kurz, bestes Beispiel dafür dürfte die titelgebende Story „Falltür ins Paradies“ sein, in deren Handlung sich Bienen, Drogen, eine nackte Frau und eindeutige Fotos in einen Strudel verwandeln, der den Eichmeister Joe Gendreau immer tiefer zieht.
Dabei ist fast allen Geschichten ein gemeinsames Ziel nicht abzusprechen: Sie zeigen Menschen, die nicht ganz verstehen können, was das Schicksal ihnen alles in den Weg stellt und die nur die Sehnsucht nach ein wenig Würde und Glück antreibt. Dabei balanciert der Autor in seinen Filmen wie auch in seinen Stories auf dem schmalen Grat zwischen Spott und Anteilnahme, kommt dabei allerdings ab und an ins Stolpern und gibt seine Protagonisten dem Spott preis. Inwieweit der Spott absichtlich oder unabsichtlich ist, lässt sich nur sehr schwer feststellen, denn nur die Unsicherheit ist bei den Werken der Coen-Brüder sicher.
Dieses Motiv ist auch in ihren Filmen stets omnipräsent, doch wären die Coen-Brüder nicht Meister ihres Fachs, wenn sie aus diesem relativ einfachen Motiven nicht wahre Feuerwerke an surrealen Bildern zaubern würden, die von Ethan Coen mit seinem literarischen Erstlingswerk fortgesetzt und zum Teil auf die Spitze getrieben werden.
Ethan Coen gelingt es auf vortreffliche Weise, seine Beobachtungen aufs Papier zu bringen und zieht den Leser in eine Welt, in der vom Glück verlassene Privatdetektive jede Nacht vom Papst träumen, nachdem ihm ein Gangster ein Ohr abgebissen wurde und er daraufhin vor Schreck sein Gehör verliert.
Oder in der wir teilhaben dürfen an der Geschichte des Mannes, der Phil Shapiro tötete und dafür sorgte, dass sein Gehirn wie Tschulent durch die Luft spritzte. Wer wissen möchte, was Tschulent ist, findet vielleicht in „Falltür zum Paradies“ eine Antwort…
Für Fans der Coen-Brüder und Liebhaber von surrealen, abstrusen und humorvollen Geschichten dürfte ein Tritt auf die „Falltür ins Paradies“ auf jeden Fall ein literarischer Genuss sein. (Tino Hahn)
Titel: Falltür ins Paradies
Autor: Ethan Coen
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 253
ISBN: 3442449871
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