Pooh’s Corner



Harry Rowohlt, Jahrgang 1945 – sein Vater ist der legendäre Verleger Ernst Rowohlt -, hat sich als Übersetzer, “Poohrist” und Flaneur in Hamburg einen Namen gemacht. Zudem genießt er den Ruf eines knuffigen Originals, das an keiner Whiskeyflasche vorübergehen kann. Seine, unter der Bezeichnung “Pooh’s Corner” in der “Zeit” veröffentlichten Kolumnen in den Jahren 1989 bis 1993 sowie Berichte und Filmkritiken liegen jetzt auch gesammelt in einer handlichen Taschenbuchausgabe vor. Sein Witz ist gewöhnungsbedürftig, aber kaum hat man sich eingelesen, kann man nicht genug davon bekommen.

Seine bunt gemischten Texte wirken, wie er selbst, ein wenig bärbeißig und knurrig. Listig spielt er mit Worten und bringt respektlos vieles, was ihm auffällt und was ihn stört, auf den Punkt.

Unter “Pooh’s Corner 1989″ erläutert er seine Thesen, warum Soldaten Feiglinge sind und warum die zehn Gebote auf zwei Gesetzestafeln stehen, wobei er sich gängiger Vorurteile bedient, weil diese, so Harry Rowohlts Begründung leider stimmen. Er überlegt(wir sind immer noch im Jahr 1989), ob und unter welchen Bedingungen er sich wiedervereinigen möchte. Als er nach einer ausgedehnten Reise zurückkommt, merkt er sofort, dass er wieder zu Hause ist. Woran? “Sie lassen einen nicht ausreden.”

Als der Autor Zeuge wird, wie sehr Kohl in Dresden umjubelt wird, kommt er zu folgendem Schluss: “Was muss dieses Volk gelitten haben, dass es einem solchen Unsouverän so zujubelt. Was für ein unsouveränes Volk muss das sein, dass es so jubeln kann?”

Dann wieder fragt er: “Ist das eigentlich justitiabel? Erworbene Rechtschreibschwäche? Durch sechs Jahre ‘taz’Abo?”

Einige Seiten weiter erzählt er, wie sein Lieblingskommunist seinen Zeigefinger verlor und wie er in Salzburg Lenin ins Auge geblickt hat.

Die Frankfurter Buchmesse wird für ihn zum Anlass, über den Wertewandel in unserer Zeit nachzudenken. Er schildert Impressionen von einem Filmfestival in Kuba und versichert uns wiederholt: “Übersetzen ist Kunst”. Die mit Harry Rowohlt befreundete Elke Heidenreich, die ihn in ihrem kurzen Nachwort einen “stattlichen, selbstbewussten und griesgrämig auftretenden Bären” nennt, bekennt, dass sie jedes Mal, wenn sie in der “Zeit” “Pooh’s Corner” las, neuen Lebensmut geschöpft habe. (Ursula Homann)

Titel: Pooh’s Corner
Autor: Harry Rowohlt
Verlag: Diana Verlag
Seiten: 272
ISBN: 3445315584X

Abgelegt unter Erzählungen

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