Regenbogen überm Jangtse



In diesem Buch wird die Geschichte des Malers Tianyi erzählt. Der Bogen der Erzählung umspannt die Zeit von den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit nach der Kulturrevolution im kommunistischen China mit all’ seinen ungeheuerlichen, unvorstellbar brutalen menschlichen Auswüchsen und politischen Begleiterscheinungen.

Historische Vorkenntnisse über diese Zeit sind sicher von Vorteil zum Verständnis der Geschichte.

In einem breit angelegten Epos wird die Lebensgeschichte des Protagonisten und Icherzählers Tianyi, dem Maler, zum Kern für die Rahmenhandlung der Erzählung. Geboren 1925, beginnt sein bewusstes Leben mit etwa sechs Jahren.

Sehr sensibel erzählt hier einer, wie er die Umwelt, die Gebirge und die Natur , Himmel, Luft, Wolken und seine Mitmenschen, Onkel und Tanten erlebt.

Mit großen, aufmerksamen Augen geht dieser sensible Junge und später erwachsene Mann durch die Welt.

Tianyi benutzt früh schon den Zeichenstift, um seine Welt im Bild festzuhalten. Daß er Maler werden wird, steht fest.

Zwei Personen begleiten Tianyi durch sein ganzes Leben: seine erste große Liebe Yumei und der Freund ,der ihn aus seiner frühen Einsamkeit als Kind und Schüler befreit: Haolang. Auf abenteuerlichen Wegen finden und verlieren sich alle drei immer wieder. Da Haolang am Ende mit Yumei liiert ist, sucht Tianyi erneut die Ferne.

Wir begleiten ihn auf vielen Wanderungen in China in weit entfernte Provinzen, erleben seine Naturbeschreibungen , die Begegnungen mit Menschen und den Künsten. Nach dem Krieg lebt er in Paris, wohin ihn ein Stipendium geführt hat.

Er besichtigt die Renaissancemalerei in Italien, die ihn tief beeindruckt und zu Vergleichen mit chinesischer Malerei der gleichen Epoche beflügelt.

Erst lange Zeit später, als die Wirren der Kulturrevolution in vollem Gange sind, kehrt er nach China zurück, gerufen von Yumei, der er in steter Liebe anhängt.

Er findet sie nicht, und sein Freund Haolang, der Dichter, befindet sich als Verurteilter im Zusammenhang mit den kulturrevolutionären Wirren in einem der härtesten Umerziehungslager weit im Norden der chinesischen Republik.

Fast aufopferungsvoll macht sich auch Tianyi zum Verdächtigen, der der Umerziehung bedarf, immer auf der Suche nach Haolang.

Wir erfahren viel über die Auffassungen östlicher Kulte und Religionen, dem Buddismus, Taoismus und Kofuzianismus . Die Weltbetrachtungen von Tianyi sind mystischer Art, schicksalbehaftet und abgelöst vom irdischen Sein.

Lange Beschreibungen der barbarischen Zustände in den Zwangsarbeitslagern geben uns zuletzt ein Bild davon, zu welchen Untaten Menschen unter gegebenen Bedingungen fähig sind. Es war fast unmöglich, unter diesen Bedingungen zu überleben. So ist das Ende hoffnungsvoll und traurig zugleich.

Es ist ein eindringlicher Schicksalsbericht, den uns der Autor Francios Cheng mit diesem Roman vorgelegt hat.

Ein wenig ausschweifend erzählt und vom Inhalt her überfrachtet erscheint mir die Geschichte allerdings.Sie hätte Stoff für mehr als einen Roman geboten. Die Erzählweise ist aber äußerst poetisch und schlägt den Leser in Bann.

Wer sich für China und seine geschichtliche, kulturgeschichtliche und politische Entwicklung interessiert, wer etwas über die fernöstliche Mentalität der chinesischen Welt erfahren möchte, für denjenigen ist dieses ein gut und spannend geschriebenes Werk und sehr zu empfehlen. (Claudine Borries)

Titel: Regenbogen überm Jangtse
Autor: Francios Cheng
Verlag: Kindler
Seiten: 471
ISBN: 3463404109

Abgelegt unter Erzählungen

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