Titel: Pooh’s Corner
“Rascher als erwartet”, schreibt Harry Rowohlt im Vorwort, “ist eine zweite Auflage notwendig geworden” mit neuen Kolumnen, Rezensionen und Filmkritiken aus den Jahren 1993 bis 1997.
Wieder erzählt er von seinen Reiseerlebnissen, diesmal von Paris, wo er am Eingang der Métro-Station Pigalle einen mit Kreide gemalten Satz gesehen habe:”Vive Jésus – à bas Satan”. Daraufhin habe sein Freund gesagt, so etwas Satansverachtendes und Teufelfeindliches habe er noch nie gesehen. Da dieser jedoch stets um political correctness bemüht sei, habe er noch hinzugefügt: “Sag bitte nicht Neger. Meine Frau findet das frauenfeindlich.”
Es folgen Geschichten über Nachbarn, über eine Begegnung mit Jutta Ditfurth im Speisewagen, über Harrys meist vergebliches Bemühen, jeden Tag eine gute Tat zu tun. Seitdem ihm ein türkischer Stehimbiß-Inhaber von St.Pauli morgens um vier den Islam erklärt habe, gibt er kund, sei er in der Lage, verschwenderisch den Islam zu erklären und sich geschickt in die Annemarie-Schimmel-Debatte einzuklinken.
Wenn er, Harry Rowohlt, erläutert er an einer anderen Stelle, Arnold Schwarzenegger wäre, würde er eine Figur verkörpern, die “DER TOLERATOR” hieße. Neben Aufsätzen, Buch- und Filmberichten enthält dieser Band auch Interviews, in denen Rowohlt seine Interviewpartner nicht selten mehr oder weniger sanft auf den Arm nimmt. Besonders spannend und aufschlussreich ist das Spiegel-Interview “über das Erben, das Trinken und die irische Literatur.” In seiner Jugend, berichtet Harry, habe er alles gelesen, was ihm vor die Augen gekommen sei, meistens heimlich, “weil ich ein schlechter Schüler war und eigentlich Schularbeiten machen sollte. Das muss man sich mal vorstellen: In einem Verlegerhaushalt musste man heimlich Weltliteratur lesen!”. Wir erfahren über Harrys Lesetouren, bei denen es schon mal vorkam, dass man ihn wegen seines abenteuerlichen Aussehens zu seiner eigenen Lesung nicht hineinlassen wollte. Dafür durfte er dann einen Penner in der “Lindenstraße” mimen.
Als Dreingabe gibt es am Schluss noch zwei hübsche Kabinettstückchen des Übersetzers Harry Rowohlt: das längere Gedicht “Nedver” von Shel Silverstein ist sogar Zeile für Zeile illustriert übersetzt. Harry Rowohlts Kunst, albern auf hohem Niveau mit Worten zu spielen und scheinbar Unwesentliches und Nebensächliches stilistisch glänzend zu verpacken, zeigt sich auch in diesem Büchlein, das man wie das erste mit steigendem Lustgewinn verschlingt. (Ursula Homann)
Titel: Pooh’s Corner II
Autor: Harry Rowohlt
Verlag: Diana Verlag
Seiten: 222
ISBN: 3453150295
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