Ultima Ratio



‘Am Morgen des siebzehnten November 1997 beschloß Professor Penelope Kura die Auslöschung des Philosophischen Instituts der Freien Universität Berlin. Der Gedanke war einfach, plausibel und konsistent, war unmißverständlich und sparsam formuliert, kurz: Er besaß alle Merkmale eines guten philosophischen Gedankens. Darüber hinaus besaß er eine Eigenschaft, an der es guten philosophischen Gedanken im allgemeinen mangelte: motivierende Kraft. Penelope Kura spürte, wie ihr Körper unter dem plötzlich ausgeschütteten Adrenalin zu vibrieren begann. Ihr Herz stampfte. Ihre Hände scharrten auf dem Federbett. Wie lange war es her, daß sie eine solche Erregung verspürt hatte. Eine Erregung durch den Gedanken. Die Königin aller Erregungen.’

Selbstverständlich begnügt sich Penelope Kura, Protagonistin der Titelgeschichte “Ultima Ratio”, nicht mit dem Beschluss oder der Erregung, die allein der Gedanke an die Tat auslöst, sondern – sie lässt es zum großen Showdown kommen. Vorher jedoch erfahren die Leser auf 51 Seiten so manches, teilweise in Schwyzerdütsch, über die nicht gerade unkomplizierten Vorbereitungen und den ganz normalen Uni-Alltag.

Auch in den anderen sechs Geschichten, denen jeweils eine Kolumne folgt, geht es in bester Thea Dorn-Manier zur Sache: mit einem exorbitanten Sinn für Gerechtigkeit erwischt es stets die, die es – zumindest aus Sicht der Täterinnen – verdient haben. In “Verstrickt” sitzt ein allzu devoter Mann plötzlich, mit seitlich aus dem Mund hängender Zunge, reglos im Sessel. In “Vorsicht Steinschlag!” endet das Treffen zwischen einem Medien-Mogul und einer Bildhauerin tödlich. Und in “Die Welt als Wille und Ausstellung” hinterlässt eine Frau, die mit dem Nachtzug aus Prag in Hannover angekommen war, eine letale Spur auf dem Areal der Expo.

Der Erzählungen- und Kolumnenband “Ultima Ratio” ist ein idealer Appetizer für Leser, die noch keinen Thea Dorn-Krimi in den Händen hatten. Er versammelt Geschichten, die zwischen 1996 und 2000 in verschiedensten Publikationen erschienen sind, und Kolumnen der Autorin, die in der jüngst eingestellten Rubrik “Montags links oben” im Tagesspiegel/Berlin abgedruckt waren.

Thea Dorn wurde 1971 in Offenbach geboren und studierte in Frankfurt, Wien und Berlin Philosophie sowie Theaterwissenschaften. Sie war in Berlin als Dozentin für Philosophie tätig und arbeitete als Dramaturgin am Staatstheater Hannover. Derzeit schreibt sie, die Pinguine sammelt und Buster Keaton liebt, an einem “Tatort”-Drehbuch. Dieser Tage hat ihr neues Theaterstück “Nike” in Hannover Premiere; zudem entstand jüngst bei einem New York-Aufenthalt das Stück “Bombsong”. Im Rotbuch-Verlag erschienen bislang ihre Krimis “Berliner Aufklärung” (1994), für den sie 1995 mit dem Raymond-Chandler-Preis ausgezeichnet wurde, “Ringkampf” (1996) und “Die Hirnkönigin” (1999), die ihr im letzten Jahr den Deutschen Krimipreis einbrachte. Thea Dorn lebt in Berlin. (Ensa Maurer)

Titel: Ultima Ratio
Autor: Thea Dorn
Verlag: Rotbuch Verlag
Seiten: 127
ISBN: 3434530924

Abgelegt unter Erzählungen

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