Necropolis



Seiner Anfälligkeit für Krankheiten verdanken Dark-Fantasy-Fans einen der besten Erschöpfer düsterer Welten und bizarrer Erzählungen: Im Alter von fünf Jahren erkrankte Clark Ashton Smith und der Schulbesuch wurde für über ein Jahr unmöglich. Während dieser Zeit entwickelte er sich zur Leseratte und verschlang von „Robinson Crusoe“ über „Andersen Märchen“ bis hin zu „Gullivers Reisen“ alles, was ihm als literarisches Futter in die Hände fiel.

Ähnlich wie H.P. Lovecraft, der sich später zu einem großen Bewunderer von Smith entwickelte, der diese Bewunderung in gleichem Maße erwiderte, entwickelte sich Smith zu einem Stubenhocker, der mit anderen Menschen nur wenig anfangen konnte und seine Zuflucht in dem unerschöpflichen Reich der Fantasie fand. Dazu passt auch, dass er den Besuch der Highschool nach wenigen Wochen abbrach, da er der unerschütterlichen Meinung war, dass er autodidaktisch besser lernen könnte und sich so optimal auf sein Berufsziel Dichter vorbereiten könne. Sein Eigenunterricht war von grandiosem Erfolg gekrönt: Er brachte sich selbst Latein, Französisch und Spanien bei und las das komplette amerikanische Wörterbuch und prägte es sich Wort für Wort ein. Dieser Wortschatz wirkte sich äußerst positiv auf seine Erzählungen aus, dessen erste Blüten bereits im Alter von 11 Jahren erschienen. Im Alter von 13 Jahren kam Smith zum ersten Mal mit dem Werk von Edgar Allan Poe in Kontakt, der ihn und seine Arbeiten stark beeinflusste.

Im Laufe der folgenden Jahre konnte Smith einige seiner Werke an die damals relativ populären Pulp-Magazine wie „Weird Tales“ verkaufen, wo auch Lovecraft einige seiner Werke veröffentlichen ließ. Lovecraft war es auch, der Smith dazu überredete, seine Werke an „Weird Tales“ zu verkaufen, da Smith zuvor sein Geld primär mit ihm verhasster körperlicher Arbeit verdienen musste, denn die Zeit war damals noch nicht reif für die hohe literarische Qualität seiner Geschichten.

Im vorliegenden „Necropolis“, welches in „H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ im Festa Verlag erschienen ist, geben 15 Erzählungen einen repräsentativen Querschnitt durch das gesamte schriftstellerische Können von Smith. Spielen einige seiner Erzählungen in Fantasiewelten, so bleiben sie immer noch so realistisch, dass man darin Gleichnisse von immer noch aktueller Bedeutung sehen kann. Sein Schreibstil hinterlässt auch heute noch tiefen Eindruck bei vielen Horrorautoren, so dass man bei der Lektüre seiner Erzählungen unwillkürlich denkt, dass man einiges davon schon bei anderen Autoren gelesen hat. Doch auch die Einflüsse, die andere Autoren auf ihn hatten, sind vorhanden: Manche Passagen oder Vergleiche ähneln Ambrose Pierce, mit dem ihm auch eine starke Abneigung gegen alles Weibliche gemein zu sein scheint.

Das Buch beinhaltet sieben Geschichten aus Zothique, dem letzten Kontinent der Erde in ferner Zukunft. Dieser Erdteil wird von Söldnern, Leichenbeschwörern und Magiern bevölkert, die Technik wurde von der Magie verdrängt. Doch was jetzt wie ein typisches Setting für eine Conan-Erzählung klingt, entwickelt sich unter Smiths Feder zu einem dekadenten Alptraum, der exemplarisch ist für die anderen Zyklen, die Smith im Laufe seiner kreativen Karriere erschuf.

Die andere Hälfte des Buches enthält Geschichten aus dieser und jener Welt, deren Gleichnischarakter stets offensichtlich ist, von ihrer Spannung und hohen sprachlichen Qualität ganz zu schweigen. Abgerundet wird dieser empfehlenswerte Beitrag zu „H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ von einer umfangreichen Biographie und einem Gedicht, welches H.P. Lovecraft höchstpersönlich für Clark Ashton Smith verfasst hat. (Tino Hahn)

Titel: Necropolis
Autor: Clark Ashton Smith
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 254
ISBN: 3935822030

Abgelegt unter Fantasy und Mystery

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