Diabolische Verse



„Altnazis stehn auf schwarzen Listen,
doch ehrt man alte Kommunisten.
Die einen liquidierten Rassen,
die andern unerwünschte Klassen.
Ich hab gegrübelt früh bis spät,
worin der Unterschied besteht.
Bis sie da neulich einen guten
Und alten Kummerl interviewten.
Der sprach zum einen kategorisch,
von der Notwendigkeit, historisch,
dass man Revolution gemacht,
die leider viele umgebracht.
Die Nazis aber, fuhr er fort,
war’n stolz auf ihre Massenmord,
doch Kommunisten sehn den ihren
als Fehler, und der kann passieren.
Leicht will mich nun die Antwort dünken
: Die bessern Heuchler sind die Linken.“

Wolf Martin genießt es förmlich, Öl ins Feuer zu gießen und für Aufregung zu sorgen. Seit mehr als zehn Jahren erscheinen seine zumeist politisch orientierten Gedichte unter dem Titel „In den Wind gereimt“ in Österreichs auflagenstärkster Zeitung „Neue Kronen Zeitung“. Martin entstammt der politischen Linken, schreckt jedoch niemals davor zurück, auch Linke anzugreifen und zu provozieren, wie oben zitiertes Gedicht aus seinem Werk „Diabolische Verse“ sehr schön zeigt. Vom Titel her deutlich bei Salman Rushdies kontroversem Werk abgekupfert, wird Martin wohl keine ähnlich drakonischen Drohungen und Verfolgungen befürchten müssen wie Rushdie, doch provoziert und angegriffen dürfte sich doch so mancher fühlen. Dabei ist die Ablehnung, auf die er allenthalben stößt aufgrund seiner Gedichte, schon fast zum Stereotyp geworden, den Martin und die „Neue Kronen Zeitung“ beinah leidenschaftlich pflegen. Insbesondere Martin muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass jemand, der alles attackiert, selber angreifbar wird. Deshalb sollte man bei der Lektüre seiner Gedichte objektive Distanz wahren und erst überprüfen, ob man mit seinen Ansichten wirklich übereinstimmt oder ob er nur attackiert um der Attacke willen. Zu seiner Ehrenrettung muss man allerdings zugeben, dass Martin oftmals vollkommen recht hat mit seinen Gedichten und über das Ziel sind schon ganz andere hinausgeschossen.

Fazit: „Diabolische Verse“ entstammen der Feder des Linken Wolf Martin und attackieren alles, was ihm querkommt. Deshalb sollte man bei der Lektüre Obacht walten lassen und seine Ansichten nicht zwangsläufig unreflektiert teilen. Prinzipiell lohnt sich der Kauf der Gedichtsammlung, wenn man keiner anderen politischen Gesinnung anhängt und keine berechtigte Kritik vertragen kann. (Tino Hahn)

Titel: Diabolische Verse
Autor: Wolf Martin
Verlag: Leopold Stocker Verlag
Seiten: 188
ISBN: 370200937X

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