Faustinas Küsse

Erstellt am: Oktober 31st, 2007

Nach Kai Meyers Die Geisterseher ist das ein weiterer abenteuerlicher Roman um den Geheimrat Goethe, aber ein ungleich besserer. Goethe ist hier 1786 in Rom, auf seiner ersten Italienreise, auf der Flucht vor einer unglücklichen Liebe – aber es könnte auch sein, dass er einen politischen Auftrag hat, nämlich Verbündete gegen den Kaiser zu werben. So dient sich der junge Giovanni Beri, aus dessen Sicht der Roman erzählt wird, dem Heiligen Vater als Spion an, um Goethes geheime Absichten herauszufinden.

Beri ist einer der verabscheuungswürdigsten Protagonisten, denen man in einem Roman begegnen kann. Nach oben hin ein Schleimer und Kriecher, dem keine Verstellung zu schäbig ist, um sich Liebkind zu machen; nach unten hin arrogant und brutal, jederzeit bereit, für seinen Vorteil zu bedrohen und zu erpressen. Mittellos und Tagelöhner, ist für diesen verblendeten Ignoranten seine eigene Lebensweise das Zentrum der Welt; alles, was davon abweicht, wird von ihm mit schnell gefassten Vorurteilen verdammt. – Man kann sich Ortheils wenig schmeichelhafte Version eines Proleten aber leicht als typischen Helfershelfer des Gestapo oder der Stasi vorstellen.

Beris Ablehnung erfährt auch Goethes „Werther“, von dem Beri nicht viel mehr als den Titel und eine vage Inhaltsangabe kennt. Aber die Kunst des Meisters ist so groß, dass selbst Beri bei einem Gedichtvortrag eine ungewollte Träne entflieht. Vom Vatikan mit Geld ausgestattet, um ein vornehmes Haus führen und die Bekanntschaft Goethes machen zu können, wandelt sich Beri langsam aber sicher durch den Einfluss des Dichterfürsten. Am Ende ist er selbst ein unglücklicher Liebender; Faustinas Küsse gelten nun nicht mehr ihm, sondern Goethe. Nach dessen Abreise schlüpft Beri, am Ende seiner Weisheit, selbst in die Rolle eines deutschen Italienbesuchers.

So mag man seine historischen Romane: einerseits abenteuerlich und unterhaltsam, andererseits geistreich und ironisch.

Kritik geschrieben vom Fantasia – Magazin für Phantastik: www.edfc.de, edfc@edfc.de

Titel: Faustinas Küsse
Autor: Hanns-Josef Ortheil
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 350
ISBN: 3442724767

Die steinerne Frau

Erstellt am: Oktober 31st, 2007

Wer sich in den kommenden Wintermonaten mit einem wirklich unterhaltsamen und lebendigen Roman zurückziehen möchte, der wähle den Roman *Die steinerne Frau* von Taliq Ali.

Tariq Ali beschreibt das Leben einer Oberschichtfamilie in Istanbul im Jahr 1899. Die Icherzählerin kehrt nach Jahren in der Fremde in den Schoß der Familie zurück . Nach und nach breitet sich vor uns die Familiengeschichte aus , die weiterverzweigt und kompliziert in ihrer Zusammensetzung ist.

Man verbringt die heißen Sommer im Sommerpalast am Bosporus. Dieser Ort wird in den herrlichsten Farben beschrieben. Zu Füßen der “ steineren Frau“ , einem an eine mysteriöse Frau erinnernden Felsen , erzählen die Familienmitglieder abwechselnd ihre Nöte und Sorgen, um sich von ihren

Kümmernissen zu befreien. Auf diese Weise erfahren auch wir vom Leben der Familie. Viele Personen bevölkern den Palast; Familienmitglieder und Bedienstete, Freunde und Verwandte, fernere und nähere Bekannte.

Es scheint eine aufgeschlossene Familie zu sein, einerseits der Tradition verbunden , andererseits säkular und schon mit aufgeklärten und neuen Sitten vertraut. Die Geschichte handelt von Liebe, Treue , Untreue, Leidenschaft und Tod. Erstaunlich weltoffen und interessiert ist diese Welt , die eingebettet ist in die lauen Lüfte und Düfte der Örtlichkeiten, mit geselligen Gesprächen, gepflegten Speisen und wechselnden Hierarchien zwischen den Familienangehörigen. Bei Familienzusammenkünften wird die politische Weltlage erörtert, so daß wir einen Eindruck über die politischen Zustände im ausgehenden osmanischen Reich bekommen.

Erstaunt stellt der Leser fest, daß diese für uns so unbekannte Welt schon weit fortschrittlicher gewesen sein muß , als sie uns jetzt mit dem bekannt gewordenen Terrorismus erscheint. Über das osmanische Reich wissen wir wenig, so daß die Lektüre des Buches , mag sie auch Erfindung sein, uns immerhin neugierig macht, mehr darüber zu erfahren, wie es denn früher in der Gesellschaft unter osmanischer Herrschaft zugegangen ist. Wer etwas übrig hat für die arabische Welt , wer sich gerne an die Lektüre von Tausend und eine Nacht erinnert, für denjenigen ist das Buch eine wahrer Lesegenuß. (Claudine Borries)

Titel: Die steinerne Frau
Autor: Tariq Ali
Verlag: Diederichs
Seiten: 316
ISBN: 3 89631 416 5

Junge Hunde

Erstellt am: Oktober 31st, 2007

Der Debütroman von Martina Hefter hat eine ganz und gar unspektakuläre Geschichte zum Inhalt.
Eine junge Frau, fast ein Mädchen noch, fährt nach Leipzig , um sich dort umzutun. Sie will versuchen, die Aufnahmeprüfung zum Studium der Choreographie zu bestehen. Es scheint eher ein etwas zielloses und vages Unterfangen.
Sie läßt sich nach der Ankunft am Bahnhof in ein Taxi fallen, um sich einfach nur ein wenig herumfahren zu lassen.Dabei entdeckt sie eine Tätowierung auf dem Arm des jungen Taxifahrers. Nicht nur diese interessiert sie , sondern auch der junge Mann.Später erfahren wir, daß er ein abgebrochenes Physikstudium hinter sich hat.
Nun dreht sich die Erzählung in erster Linie um Begegnungen zwischen den Freunden von Vinz, dem Taxifahrer,ferner den Zimmernachbarn von Helen in ihrer Privatunterkunft, Parties, Landschaften, die durchstreift werden, und kleinen mehr oder weniger unaufgeregten Begegnungen zwischen Studenten und jenen, die es sein wollen. Es ist ein stetes Kommen, sich Begegnen, Auseinandergehen, manchmal von tragischen Ereignissen begleitet. Was den Roman auszeichnet, ist die in kurzen Sätzen skizzierte Entwicklung, die sich der Pubertät anschließt. Einsamkeit, Suche , Begegnung, Trennung, Sehnsucht und Flucht. Dabei beobachtet und beschreibt die Autorin sensibel und aufmerksam, wieviel Ratlosigkeit bei der Sinn-und Orientierungssuche am Beginn des selbständigen Lebensalltags stehen kann. So symbolisiert wohl der Titel“ Junge Hunde“, daß auch diese suchen.Daß bei Hunden allerdings allein das Geschlechtliche die Suche nach dem vorbeistreunenden Artgenossen beflügelt,das unterscheidet ihn vom Homo sapiens . Aber auch beim jungen Menschen spielt die Sexualität, die Sehnsucht danach und die Neugierde darauf eine dringliche und vordergründige Rolle.
Die Erzählung läßt die Hoffnung zu, daß Liebeswünsche sich erfüllen können.

Daß das Studium von Tanz und Choreographie beim Entstehen dieses ersten Romans eine Rolle gespielt habe, konnte man einem Interview mit der jungen Autorin entnehmen. Es gibt dem Roman einen besonderen Reiz, ihn aus dieser Perspektive zu betrachten.
Als Neuentdeckung unter den deutschen Autor/Innen sollte man sich Martina Hefter merken. (Claudine Borries)

Titel: Junge Hunde
Autor: Martina Hefter
Verlag: Alexander Fest Verlag
Seiten: 135
ISBN: 3 8286 0166 9

U-571

Erstellt am: Oktober 31st, 2007

„Das Einzige, was mir im Krieg wirklich Angst eingejagt hat, war die U-Boot-Gefahr“, hat Winston Churchill einmal gesagt.

Wie groß diese Gefahr tatsächlich war, aber wie sehr auch ein U-Boot und seine Besatzung gefährdet waren, wird deutlich in dem Roman U-571. Er schildert den gleichnamigen Film, der wiederum auf dem Drehbuch von Jonathan Mostow, Sam Montgomery und David Ayer nach einer Geschichte von Jonathan Mostow basiert. Der Autor Max Allan Collins – er gilt als einer der vielseitigsten und erfolgreichsten amerikanischen Autoren – hat diesen fiktiven U-Boot-Kriegsroman, der nur zum Teil auf tatsächliche historische Begebenheiten zurückgeht, niedergeschrieben und mit vielen Einzelheiten ausgeschmückt.

Doch worum geht es? Es ist Krieg, Frühjahr 1942. Im Nordatlantik sind die Auseinandersetzungen zwischen den Deutschen und den Alliierten voll entbrannt. Als das deutsche U-Boot 571 von einem gegnerischen Zerstörer getroffen wird, versuchen die Amerikaner, es in Besitz zu nehmen. Ihr Interesse gilt der Enigma-Kodiermaschine, mit der die deutsche Besatzung ihre Nachrichten verschlüsseln. Dock kaum haben sie das deutsche U-Boot geentert, wird ihr eigenes von einem Torpedo getroffen. Nun sitzen sie auf dem beschädigten deutschen U-Boot fest wie in einer Mausefalle. Das Nazi U-Boot wird für eine kurze Zeit ihr Zuhause. Wie sie aus diesem Dilemma heraus kommen, das sei hier nicht verraten, um all jenen, die gerne Kriegsbücher lesen, die Spannung nicht zu verderben. (Ursula Homann)

Titel: U-571
Autor: Max Allan Collins
Verlag: Heyne
Seiten: 255
ISBN: 3453178742

Fest der Liebe

Erstellt am: Oktober 31st, 2007

Dem amerikanischen Autor Charles Baxter gelang mit „Fest der Liebe“, laut Klappentext, in Amerika der große literarische Durchbruch. Die „Chicago Tribune“ habe ihn sogar als „einen der talentiertesten Autoren Amerikas“ gefeiert, heißt es weiter. Ob deutsche Rezensenten Baxters Roman auch so enthusiastisch feiern, bleibt abzuwarten. Wie dem auch sei, gut lesbar und spannend ist er allemal.

Der Icherzähler – angeblich ist er niemand anders als Baxter selbst – wacht eines Nachts im August auf, weil ihn wieder einmal Halluzinationen heimgesucht hatten. Um ihnen zu entfliehen, steht er auf, zieht sich an und wandert durch die kleine verschlafene Stadt Ann Arbour in Michigan. Im Stadion entdeckt er seinen alten Freund Bradley W.Smith mit seinem gleichnamigen Hund Bradley. Der Freund ist in trüber Stimmung, denn er hat sich gerade von seiner zweiten Frau Diana getrennt, und „das nimmt einen ganz schön mit.“ Bradley schüttet Baxter sein Herz aus und erzählt ihm von seinen beiden ehemaligen Ehefrauen, von Kathryn, die plötzlich erkannte, dass sie sich mehr zu Frauen als zu Männern hingezogen fühlt, und von Diana, die in ihm nur die Vorzüge ihres ehemaligen Geliebten David suchte und nun im Begriff ist, zu diesem wieder zurückzukehren.

Im nächsten Kapitel erfahren wir die Geschichte aus Kathryns Sicht, auch Diana meldet sich wiederholt zu Wort. Bald tauchen noch andere Personen auf, wie Oscar und Chloé, dann der Nachbar von Bradley, Harry Ginsberg, der den verlassenen Ehemann mit Kierkegaard zu trösten versucht, Esther, seine Frau, „ein zähes Luder und die Liebe meines Daseins“, wie Harry bekennt. Alle ihre Wege kreuzen sich auf die eine oder andere Weise. Welche Schicksale den einzelnen zugedacht sind, erfährt der Leser nach und nach aus den Berichten der verschiedenen, hier aufkreuzenden und zu Worte kommenden Personen. Es fehlt nicht an dramatischen Szenen. Die Menschen erleben nicht nur Glück oder Unglück mit der Liebe, sondern werden auch mit Krankheit und plötzlichem Tod konfrontiert.

Der Autor Charles Baxter hat sie alle festgehalten, die Glücks- und Wechselfälle des Lebens und daraus einen fesselnden Roman kreiert. (Ursula Homann)

Titel: Fest der Liebe
Autor: Charles Baxter
Verlag: Goldmann
Seiten: 351
ISBN: 3442309298

Unter Nachbarn

Erstellt am: Oktober 30th, 2007

‚Berlin wird es sein. Hier gehst du hin.‘, beschließt die Ich-Erzählerin während einer Klassenfahrt in den Westen der damals noch geteilten Stadt. Jahre später setzt sie ihren Entschluss in die Tat um und wird zur Berlinerin.

In dreizehn Kapiteln lässt Unda Hörner die Leser an Erfahrungen und Gedanken teilhaben, die Hauptstädtern nur zu vertraut sind und allen anderen einen ebenso unterhaltsamen wie authentischen Eindruck vom gegenwärtigen und retrospektiven Leben in der Spree-Metropole vermitteln. Dreh- und Angelpunkt der Geschichten sind die Umzüge einer Frau, die sie unter neue Dächer führen, mit neuen Nachbarn konfrontieren und sie erleben lassen, was all jenen verborgen bleibt, die sich nicht in mehr oder minder regelmäßigen Abständen wieder auf die Suche nach der wieder besseren Wohnung machen.

Sie erzählt von Stuck verzierten, sanierten Altbauten, in denen alle wohnen wollen, vom Kohlen schleppen, vom Mobiliar potenzieller Vormieter, in dem ‚die tödliche Leere lückenlos ausgefüllt ist mit Häkeldeckchen und Zinntellern‘ und von ihrer eigenen Vorliebe für fragile, transportable Möbel. Sie beschreibt Nachbarn, die Angst machen, weil ihnen der Respekt vor der Türschwelle ihrer Mitmenschen fehlt, und solche, die die Neugier oder Erinnerungen wecken. Von sporadischen Liebhabern ist die Rede, und von der flüchtigen Kontaktanzeigen-Lektüre, die als einzig Konstantes den Eindruck auslöst, eigentlich am Single-Status nichts ändern zu wollen. Doch ‚In Berlin‘, lässt Unda Hörner ihre Protagonistin denken, ‚ordnet sich ständig alles um, und in einer Stadt, die beständig im Wandel ist, lässt sich gut bleiben!‘

„Unter Nachbarn“ ist der erste Roman von Unda Hörner, die 1961 geboren wurde und seit 1982 in Berlin lebt. Als Biographin schrieb sie bislang u.a. über „Die realen Frauen der Surrealisten“ und ist Herausgeberin der „Im Dreieck. Liebesbeziehungen von Nietzsche bis Duras“-Essays. (Ensa Maurer)

Titel: Unter Nachbarn
Autor: Unda Hörner
Verlag: Suhrkamp
Seiten: 199
ISBN: 3518396714

Wie viele Züge

Erstellt am: Oktober 30th, 2007

Eigentlich hatte die Studentin Jula sich darauf gefreut, ein verlängertes Wochenende in Odessa zu verbringen. Doch kaum, dass sie angekommen ist, macht sie sich schon wieder auf den Rückweg ins provinzielle S., wo sie in einem Studentenwohnheim lebt.

Im Zug teilt sie das Abteil mit einem Mann, der sie nicht nur durch seine grauen Augen beeindruckt, die denen ihres verstorbenen Vaters ähneln. Ihres Vaters, der ihr oft Geschichten wie die von der kleinen Füchsin erzählt und ‚Sei mutig, aber nicht übermütig‘ ins Poesiealbum geschrieben hatte. Ihres Vaters, der nicht müde wurde, vom Verlust der Villa und des Weinberg in der slowakischen Stadt L. zu reden. Ihres Vaters, dessen persönliche Korrespondenz samt der ‚lächerlichen Israelbewerbung‘ sie auf dem Speicher entdeckt hatte und nun wie einen Schatz mit sich trägt. Ihres Vaters, von dem sie nicht weiß, wie er gestorben war.

‚Ich will zwei Sachen.‘, gesteht sie sich ein, ‚Meinen Vater von zu Hause abholen, und das andere sag‘ ich selbst mir nicht.‘

Kurz darauf lernt sie Venja, den Enkel eines befreundeten Malers, kennen und bittet ihn, ihr bei der Suche nach der blauen Villla mit dem Weinberg zu helfen.

In ihrem Debüt-Roman „Wie viele Züge“ erzählt Lena Kugler von Julas Reise durch die eigene Vergangenheit und durch die ihrer Familie. An deren Ziel wird sie schließlich von einer anderen Wirklichkeit als der zuvor vermuteten und erhofften empfangen. Lena Kugler schildert diese Reise in einer ausgeprägt bilderreichen Sprache, die die Atmosphäre der winterlichen Krim ebenso deutlich spürbar macht wie die Gratwanderung ihrer Protagonistin zwischen Hoffen und Bangen.

Der Roman „Wie viele Züge“ ist das erste Buch der 26-jährigen Lena Kugler. Sie studierte in Heidelberg, Köln, Konstanz und Berlin und veröffentlichte ihre Erzählungen bislang u.a. in den „Berliner Seiten“ der FAZ. Gegenwärtig lebt und arbeitet sie in Berlin. (Ensa Maurer)

Titel: Wie viele Züge
Autor: Lena Kugler
Verlag: S. Fischer
Seiten: 122
ISBN: 3596149924

Der Verehrer

Erstellt am: Oktober 30th, 2007

In einem Waldstück bei Augsburg, ganz in der Nähe ihres Elternhauses, wird eine junge Frau, die vor sechs Jahren ihre Familie verließ und seitdem verschwunden war, ermordet aufgefunden.

Fast zur gleichen Zeit springt in Frankfurt eine andere Frau aus dem Fenster. Für Leona Dorn, die als zufällige Passantin zur Zeugin des Selbstmordes wird, ist seitdem nichts mehr so, wie es einmal war. Nachdem sie nur wenige Tage nach diesem tragischen Ereignis auch noch von ihrem Ehepartner wegen einer Jüngeren verlassen wird, gerät ihr Leben mehr und mehr aus dem Gleis. Es entwickelt sich langsam zu einem Alptraum aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Die beiden Todesfälle haben auf den ersten Blick eigentlich nichts miteinander zu tun und doch gibt es einen Zusammenhang, der sich für Leona und deren Familie zu einer massiven Bedrohung auswächst.

„Der Verehrer“ ist ein spannender, kurzweiliger Krimi. Obwohl das Buch mehr als 500 Seiten umfasst, habe ich es an zwei verregneten Urlaubstagen fast in einem Rutsch verschlungen.

Die Geschichte ist geschickt konstruiert und dem Leser enthüllen sich die Zusammenhänge nur Schritt für Schritt.

Trotzdem erreicht der Roman meines Erachtens nicht die Qualität von „Das Haus der Schwestern“, denn es fehlen ihm die über das „normale“ Kriminiveau hinausweisenden gesellschaftlichen, historischen oder politischen Komponenten, die dieses andere Werk von Charlotte Link auszeichnen.

Er enthält außerdem einige Ungereimtheiten bzw., es geschehen Dinge, die ich für äußerst unwahrscheinlich halte. So kann ich es mir z.B. beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand wochenlang ein Haus belagern, ausspionieren, unbemerkt darin herumwandeln und die Bewohner bespitzeln kann, ohne dass diese auch nur das Geringste davon merken – es sei denn man heißt James Bond oder ist IM bei der Stasi! Unwahrscheinlich vor allem dann, wenn die Ausgehorchten sich ohnehin schon bedroht fühlen und daher ganz besonders hellhörig sind.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Der Verehrer
Autor: Charlotte Link
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 510
ISBN: 3442442540

Die Eisheilige

Erstellt am: Oktober 30th, 2007

„Träume sind Wahrheit“, da ist sich Sophie ganz sicher. Zusammen mit ihrem Mann, dem Oberstudienrat Rudolf Kamprath, den sie bei der Jagd kennen lernte, lebt die 32-Jährige in einem gepflegten Haus inmitten eines gediegenen Stadtviertels. Schüchtern und wortkarg wirkt sie auf ihre Nachbarinnen, sanft, still und unterwürfig wie eine Hirschkuh auf ihren Gatten. Entsprechend groß ist Sophies Unsicherheit, als sie von Frau Weinzierl, die vis-à-vis wohnt, für die Kunststücke, die sie mit der Nähnadel vollbringt, und den selbst gebackenen Apfelkuchen gelobt wird. Doch es ist nicht nur die Verlegenheit, die sie davon abhält, das Rezept für die Nachbarin zu notieren. Kaum sind die Scham bezwungen und die Lobeshymnen verklungen, da gerät der Maler, der gerade noch damit beschäftigt war, der Weinzierlschen Hausfassade einen neuen Anstrich zu verpassen, auf dem Gerüst ins Wanken und plumpst im nächsten Moment ins sorgsam gehätschelte Rosenbeet, wo er liegen bleibt – tot.

Dass Sophie ihn kurz vor seinem Ableben im Beisein von Dotti Weinzierl mit der Äußerung „Der Teufel soll ihn holen“ bedacht hatte, macht sie flugs zum Thema Nummer 1 in den nachbarschaftlichen Tratsch-Charts. Als es wenig später einen Todesfall in der Familie von Sieglinde Fabian gibt, der Sophie gerade ein Ensemble aus schwarzem Brokat empfohlen und genäht hatte, wird das Gerücht um die übersinnliche Gabe der Oberstudienratsgattin zum Verdacht. Der gefällt Rudolf Kamprath verständlicherweise schon wegen des Geredes ganz und gar nicht, doch noch weniger behagt ihm die „neue“ Sophie an seiner Seite…

Mit „Die Eisheilige“ ist ein ungemein packender Kriminalroman gelungen, dessen ausgetüftelter Spannungsbogen an „Das Schweigen der Lämmer“ erinnert. Zugleich ist er jedoch eine bissig-böse, spritzig erzählte Gesellschaftssatire.

Die multikreative Autorin Susanne Mischke, die außerdem als freie Journalistin und als Schauspielerin tätig ist, wurde 1960 in Kempten geboren und lebt derzeit in Darmstadt. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane in der „Serie Piper“; ihr jüngstes Werk trägt den Titel: „Wer nicht hören will, muss fühlen“. (Ensa Maurer)

Titel: Die Eisheilige
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 294
ISBN: 3492230539

Der Zwillingsmann

Erstellt am: Oktober 30th, 2007

Der Debütroman einer deutschen Liebesromanautorin!

Kylie Monroe lernt auf einer Party den gut aussehenden Anwalt Zachary Madigan kennen. Zwischen beiden ist es Liebe auf den ersten Blick. Zach stellt sich als verständnisvoller und einfühlsamer Mann heraus, und jedes Mal wenn er sich mit Kylie trifft, erobert er ein weiteres Stück von ihrem Herzen. Was er ihr jedoch verschweigt ist, dass er einen eineiigen Zwillingsbruder hat. Deswegen lernt Kylie auch nicht seine Familie kennen, denn Zach weiß wenn er seine Freundin seinem Bruder vorstellt, dann gibt es garantiert wieder Ärger. Damien Madigan hat ihm nämlich schon einmal eine Frau ausgespannt, und das auf nicht sehr nette Art und Weise.

Kylie ahnt nicht einmal, welchen düsteren Gedanken Zach manchmal nachhängt. Die Beziehung zwischen ihnen entwickelt sich wirklich fantastisch und sie ist sich schon bald sicher, denn Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Dann eines Tages jedoch lernt Kylie das Ebenbild ihres Geliebten kennen, und sie erkennt das Damien Madigan zwar aussieht wie Zach, aber vom Charakter her ganz anders gestrickt ist. Er scheint eine geradezu düstere Seele zu haben. Eines Tages dann muss Zach auf Geschäftsreise und obwohl er Kylie warnt sich von seinem Bruder fern zu halten, scheint sich ein Unglück anzubahnen.

Viola Meißner ist eine deutsche Liebesromanautorin die sich traut ihre Bücher selbst zu verlegen. „Der Zwillingsmann“ ist ein unterhaltsamer Roman der beweißt, wie viel Schreibtalent auch in deutschen Autorinnen versteckt sein kann. Ein kleines Problem hatte ich mit dem Buch. Die Handlung spielt in Amerika, jedoch werden viele kleine Details wie Straßen- oder Restaurantnamen etc. nicht erwähnt. Auch die Verhaltensweisen der Hauptpersonen sind manchmal einfach „typisch deutsch“. In so einem Fall könnte die ganze Geschichte auch ganz einfach in einer deutschen Stadt gespielt haben.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Der Zwillingsmann
Autor: Viola Meißner
Verlag: Viola Meißner Verlag
Seiten: 306
ISBN: 3000082468

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff:

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