Der Affe und der Tiger
DER MORGEN DES AFFEN
Als eines Morgens Richter Di auf seiner Veranda die im angrenzenden Wald vorbeiziehenden Gibbons beobachtet, bemerkt er, dass einer davon einen Ring mit sich herumträgt. Richter Di gelingt es, den Affen so abzulenken, dass er das Interesse an dem Ring verliert und ihn fallen lässt. Neben seinen üblichen Verpflichtungen versucht er die Herkunft des Ringes herauszufinden. Als er von einer einsam gelegenen Behausung in dem Wald erfährt, begibt er sich mit einigen seiner Untergebenen dorthin und findet den ermordeten Eigentümer des Ringes dort. Sogleich macht er sich mit Hilfe seines gewitzten Gehilfen Tao Gan an die Aufklärung des Falles.
DIE NACHT DES TIGERS
Richter Di ist auf einen hohen Staatsposten befördert worden und befindet sich auf der Reise in die Hauptstadt um diesen anzutreten. Zu dieser Zeit gibt es überall durch heftige Regenfälle verursacht Überschwemmungen. Als er seiner Begleitung weit vorausreitend eine Brücke über einen über die Ufer getretenen Fluß hinüber reitet, bricht diese knapp hinter ihm zusammen. Gezwungenermaßen reitet er allein weiter. Einen ihn bedrohenden Wegelagerer kann er mühelos in die Flucht schlagen und bald trifft er auf ein einsam gelegenes, gut befestigtes Landhaus. Dort erfährt er, dass die Gegend vom Hochwasser komplett abgeschnitten wurde und das Landgut mit seinen Bewohnern und zahlreichen Flüchtlingen von einer großen, sich „Fliegende Tiger“ nennenden Räuberbande bedroht wird.
Zu allem Übel ist auch noch am vorhergehende Tag die Tochter des schwer kranken Besitzers gestorben und Richter Di bekommt ihr ehemaliges Zimmer zur Übernachtung zur Verfügung gestellt. Als er sich dort umsieht, kommen ihm die Umstände ihres Todes seltsam vor und er beschließt in dieser Sache Nachforschungen anzustellen.
Der Autor der Richter Di-Romane ist der mit sämtlichen mittelalterlichen Lebensumständen in China vertraute Sinologe Robert van Gulik. Als er 1949 einige der klassischen Kriminalberichte der historisch realen Figur des Richters Di übersetzt, beschließt er, selbst fiktive Krimis mit dieser Figur zu schreiben. Dadurch entstanden die mittlerweile zu den Klassikern des Genres der Historischen Krimis gehörenden Romane um den legendären Richter Di die er allerdings in der Ming-Ära (1368-1644) spielen lässt. Der historische Richter Di lebte in der Tang-Epoche Chinas (618-905). Dieser kleine Kunstgriff schadet der Authentizität der geschilderten Lebensumstände der Ming-Ära aber in keiner Weise.
Die beiden kurzen Geschichten in „Der Affe und der Tiger“ sind gediegene, unaufdringliche Krimis mit jeweils einer klassischen Mördersuche. Der Autor versucht nirgends dem Leser sein ausführliches Wissen um diese Zeit aufzudrängen sondern konzentriert sich ausschließlich auf das Erzählen der Geschichte. So bleiben zwei kurze, gute Mörderjagdgeschichten, bei denen man sich aber darauf verlassen kann, dass die Kulisse dem Kenntnisstand der Forschung weitgehend entspricht. Diese Spannende Unterhaltung mit einem denkbar unaufdringlichen Geschichtsunterricht entspricht wohl den Idealvorstellungen für einen historischen Krimi.
Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Der Affe und der Tiger
Autor: Robert van Gulik
Verlag: Diogenes
Seiten: 152
ISBN: 3257216246
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