Das Rubinhalsband



Kann man sich etwas Unwirtlicheres vorstellen, als Schottland zur Jahreswende? Regen, Schnee, Sturm, Nebel und Kälte führen nicht gerade zu herzerwärmender Gemütlichkeit. Trotz des zu erwartenden scheußlichen Wetters ist der niederländische Polizeiinspektor Piet Hieronymus hocherfreut, als ihm sein Vorgesetzter den Auftrag erteilt, den mysteriösen Tod mehrerer Niederländer zu untersuchen, die bei einer Tauchaktion im Loch Ness ums Leben kamen. Hieronymus beabsichtigt, einen Abstecher zu Christine zu machen, einer jungen Schottin, in die er sich vor einigen Jahren Hals über Kopf verliebte und die bis heute eine magische Anziehungskraft auf ihn ausübt. Noch immer besitzt er ein kostbar wirkendes Rubinhalsband, das ihm Christine damals, mit dem Auftrag es reparieren zu lassen, anvertraute. Nun möchte er es der Frau zurück bringen und vielleicht doch noch ihre Liebe gewinnen.

Schon während der Schiffspassage nach Schottland fühlt sich der Inspektor von zwielichtigen Gestalten beobachtet. Nachdem er mit seiner Traumfrau Kontakt aufgenommen hat, wird für ihn die Situation immer bedrohlicher. Gemeinsam mit Christine und ihrem Freund Frank reist er unter abenteuerlichen Umständen gen Norden zur Insel Rousay, wo Frank ein kleines Haus besitzt und wo man Silvester feiern möchte. Doch egal, wo das Trio hinkommt, überall lauern Gefahren – unerklärliche Ereignisse, Überfälle und Mordanschläge häufen sich. Am Ende, nach dem blutigen und gewalttätigen Höhepunkt des Romans, wird Piet Hieronymus mit der Lösung des Falles und mehreren für ihn überraschenden Erkenntnissen konfrontiert.

Die Romanhandlung ist, um es milde zu formulieren, etwas eigentümlich. Es wimmelt von merkwürdigen Wesen und Gestalten. Fomóri (Meeresgeister) haben in der Geschichte ebenso selbstverständlich ihren Platz wie Nessie oder die längst verblichene Maria Stuart, es gibt seltsame Begegnungen, vorherbestimmte Schicksale, düstere Prophezeiungen, geheimnisvolle Orte und kultische Gegenstände. Doch trotz all dieser Unwahrscheinlichkeiten liegt dem Roman eine ganz normaler Kriminalfall zu Grunde, den es für Piet Hieronymus aufzuklären gilt.

Boëtius gelingt es, die Spannung nicht abreißen zu lassen und ganz nebenbei den Leser für den rauen Reiz der schottischen Landschaft zu interessieren. Er macht uns vertraut mit den in großer Zahl vorhandenen Sagen und Mythen dieses Landes und erweckt Sympathie für seine oft abweisenden, manchmal kauzigen, meist jedoch liebenswerten Bewohner. Der Text ist eine Mischung aus Krimi, Liebesroman und Märchen.

Auch wenn mir die Handlung insgesamt ein wenig zu sehr konstruiert war, so hat mich die Geschichte doch stark in ihren Bann gezogen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Das Rubinhalsband
Autor: Henning Boetius
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 286
ISBN: 3442726395

Abgelegt unter Krimi

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