Die Himmelsleiter
Wie es sich für einen zünftigen Krimi gehört, beginnt die Geschichte gleich mit einem Toten – mit einem Toten in der Badewanne.
Doktor Moulin, therapeutischer Leiter eines kleinen Sanatoriums, in dem der Tote mit Namen Thomas Heilant zuletzt untergebracht war – wegen einer bestimmten Art von Schizophrenie -, erledigt alle Formalitäten und erhält aus dem Nachlass des Toten einen braunen Umschlag, der einen Stoß Aufzeichnungen und Disketten in sich birgt. Mit diesen Aufzeichnungen, in die sich der Arzt alsbald vertieft, beginnt nun die eigentliche Erzählung. Auch sie präsentiert sofort einen Toten, genauer: Heilant, seines Zeichens Journalist und im Nebenberuf “Retter des Universums”, schildert gleich auf der ersten Seite, wie er die Nachricht vom Tode seines früheren Freundes Massimo Altomonte erhielt. Während er selbst sich darum bemüht, zusammen mit Kommissär Montaigne, die näheren Umstände des allem Anschein nach mysteriösen Todes seines Freundes zu klären – immerhin handelt es sich bei dem Toten um einen mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Physiker -, erinnert sich Thomas an einzelne Stationen seiner Freundschaft mit dem Physiker: an turbulente Studienjahre in Heidelberg, als die 68er-Bewegung die Straßen in der Bundesrepublik unsicher machte, und beide, Altomonte und Thomas, dasselbe Mädchen liebten. Doch dann trennten sich ihre Wege, Thomas entwickelte sich zu einem engagierten Umweltschützer, Altomonte hatte sich dagegen in irgendwelche fragwürdigen Experimente vertieft, die für den Erdball nicht ganz ungefährlich waren. Eines seiner Steckenpferde war neben der Hydrodynamik die Chaostheorie, die in dem Roman nicht nur im physikalischen Sinne Pate gestanden hat. Denn die Geschichte wird schließlich noch recht verwirrend, zumal sich am Ende herausstellt, dass Leichen vertauscht wurden und Altomonte gar nicht richtig tot ist, sondern Böses im Schilde führt. Thomas versucht zwar, zu retten, was zu retten ist, doch nicht ihm gelingt das Wunderwerk, sondern Chloé, der gemeinsamen Tochter von Altomonte und Alessandra, die Thomas zum Schluss noch schnell zu seiner Geliebten gemacht hat, damit, wie es sich für einen ordentlichen Krimi ziemt, der Sex nicht zu kurz kommt.
Physikalische Theorien, Entwicklungen, Entwürfe, Visionen werden kurz angerissen und vorgestellt. Bundesrepublikanische Verhältnisse spielen mit hinein, die RAF, der Terrorismus, die Wende und vieles andere. Aber lesen Sie selbst, die Geschichte des 1954 in Italien geborenen und seit 1962 in Deutschland lebenden Marco Lalli gibt viele Rätsel auf und ist so übel nicht. (Ursula Homann)
Titel: Die Himmelsleiter
Autor: Marco Lalli
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 224
ISBN: 3502517436
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