Die Sünderin



Die Mittzwanzigerin Cora Bender hat alles, was auf den ersten Blick zum Glücklichsein entschieden beiträgt – ihren Mann Gereon, ein gemeinsames Kind und einen verantwortungsvollen Job im Familienbetrieb ihrer Schwiegereltern. Erst auf den zweiten Blick und bei genauerem Hinsehen entdeckt man Cora Benders Narben, die auf Begegnungen mit düsteren Rivalen des Glücks hindeuten – eine verunziert ihre Stirn und etliche ihre Armbeugen.

Doch es sind nicht nur die äußerlichen Verletzungen, die sie geschickt kaschiert, sondern auch die Qualen, die ihre Seele erlitten hat. Nur manchmal – wenn Gereon mit unschöner Regelmäßigkeit auf Ausübung seiner ehelichen Pflichten beharrt und Cora sich dem aus Dankbarkeit und Ergebenheit fügt – geben sie ihr Schatten-Dasein auf und werden offensichtlich, schwer bezähmbar. An einem heißen Sommernachmittag, den Cora mit Mann und Kind am Otto-Maigler-See verbringt, rächt sich das dunkle Kapitel ihres Lebens mit aller Macht, bricht aus ihr jäh hervor und treibt sie dazu, mit einem Obstmesser auf einen Mann einzustechen, der den furiosen Angriff nicht überlebt.

Als wenig später die Polizei am Tatort eintrifft und sie festnimmt, legen sich noch nie empfundene Gefühle inneren Friedens balsamisch auf die inneren Wunden der Mörderin. Sie ist geständig. Der Fall ist klar – nicht jedoch für Hauptkommissar Rudolf Grovian, dessen beherzte Ermittlungen den Hintergründen für die Wahnsinnstat immer näher kommen.

Beinahe sachlich und distanziert, jedoch zugleich mit großem Einfühlvermögen schildert Petra Hammesfahr die Geschehnisse in ihrem Roman “Die Sünderin”. Dramaturgisch brillant zeichnet sie zunächst für ihre Leser ein scheinbar schlüssiges, einfach strukturiertes Persönlichkeitsbild der Protagonistin und lässt es im Zuge von Grovians Nachforschungen immer brüchiger und irritierender werden. Zusammen mit dem engagierten Kommissar, der nur auf ungewöhnlichen Wegen an die Wahrheit gelangt, taucht man stetig tiefer in die Psyche der Täterin – immer im Glauben, sich dem Motiv zusehends zu nähern. “Die Sünderin” ist ein ebenso beeindruckender wie bedrückender, intelligenter wie bis zur letzten Seite spannender Kriminalroman.

Petra Hammesfahr, die sich mit ihren Romanen “Der Puppengräber” und “Die Mutter” in die Bestseller-Listen schrieb, wurde 1951 geboren. Sie lebt als Schriftstellerin und Drehbuchautorin (“Der stille Herr Genardy”) in Kerpen bei Köln. (Ensa Maurer)

Titel: Die Sünderin
Autor: Petra Hammesfahr
Verlag: Rowohl Verlag
Seiten: 442
ISBN: 3499227554

Abgelegt unter Krimi

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