Anonymus
Hinter Carl “Granny” Granville liegt eine von Misserfolgen dominierte Woche: die Mets hatten das dritte Spiel in Folge verloren, das New York Magazine hatte einen ihm zuvor versprochenen Auftrag einem anderen Autor vermacht, sein Vater hatte ihm wieder mal vorgeworfen, er würde sein Leben verplempern, und Betty Slater, eine der wenigen, die noch an seine schriftstellerischen Fähigkeiten glaubte, lag im offenen Sarg vor ihm. Es konnte also nur noch besser werden.
Und – es wurde besser, denn nicht nur Amanda Mays, Carls Ex-Freundin, war gekommen, um von Betty Slater Abschied zu nehmen, sondern auch Maggie Peterson, die erfolgreichste New Yorker Verlegerin. Nur wenige Stunden später hat Carl Granville nicht nicht nur den Auftrag in der Tasche, für sie einen Bestseller als Ghostwriter zu schreiben und über das Projekt “Gideon” absolutes Stillschweigen zu bewahren, sondern auch eine Honoraranzahlung von 50.000 Dollar. Wieder in seinem Appartment angekommen, wird Carl bereits von einem Boten erwartet, der sich ihm als Harry Wagner vorstellt und erste Materialien für das Buch präsentiert: Fotokopien von Dokumenten, handschriftlichen Briefen, alten Zeitungsausschnitten und Tagebuchaufzeichnungen – allesamt mit geschwärzten Namens- und Ortsangaben.
Die Brisanz des Inhalts erschließt sich ihm freilich nicht auf Anhieb, doch als Maggie Peterson ermordet aufgefunden wird, wird seine Ahnung, an einer Geschichte mit immensem Sprengstoff zu arbeiten, zur Gewissheit. Dass die Polizei ihn für den Mörder der Verlegerin hält und er zudem von einem Profi-Killer gejagt wird, macht es ihm wahrlich nicht leichter, eine Antwort auf die alles entscheidende Frage zu finden: Wer ist der Junge, der in den fünfziger Jahren in Arkansas aufwuchs und als Elfjähriger seinen kleinen Bruder mit einem Kissen erstickte?
Mit “Anonymus” gelang Russell Andrews ein meisterhafter Thriller, der keinerlei Schwächen zeigt. Die Spannung des Plots, die er mit einer äußerst sympathischen Darstellung seines Helden und dessen fragiler Liebesgeschichte, bestechenden Charakteren, witzigen Dialogen und Zutaten wie Intrigen, Macht sowie einem explosiven Geheimnis garniert, hält sich bis zur letzten Seite und damit den Leser in Atem.
“Anonymus” entstammt der Feder eines mit zahlreichen Literaturpreisen dekorierten Autors und erfolgreichen Drehbuch-Schreibers, der diesen Thriller unter dem Pseudonym Russell Andrews veröffentlichte. (Ensa Maurer)
Titel: Anonymus
Autor: Russell Andrews
Verlag: Rütten & Loening
Seiten: 450
ISBN: 3352005710
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