Tod in Havanna
Daniel Ros, der als Journalist für eine Tageszeitung Barcelonas und als Krimi-Schriftsteller tätig ist, hasst Reisen im Sommer, wenn alle Welt unterwegs ist und die Klimaanlagen in den Hotels auf Hochtouren laufen. Als er nach einem zweiwöchigen Urlaub wieder in Barcelona ankommt, sieht zunächst alles danach aus, in Butter zu sein. Dieser Eindruck ändert sich jedoch schlagartig, als Daniel seinen hektisch blinkenden Anrufbeantworter abhört und von seinem Kollegen Luis Costa von einer Beerdigung erfährt. ‘Irgend jemand war gestorben, und Beerdigungen hasse ich auch. Wenn ich könnte, würde ich noch nicht einmal auf meine eigene gehen.’
Sofort ruft er Luis Costa zurück und sieht sich einer echten Hiobsbotschaft gegenüber: Estanis Marimón, Daniels Freund und Kollege, erlag kurz vor Abschluss einer Reportage über den Sex-Tourismus in Kuba in einem Hotelzimmer Havannas einer Überdosis Heroin. Mit seiner Fassungslosigkeit und seiner Skepsis, das steht schnell fest, befindet sich Ros in guter Gesellschaft, denn weder Estanis’ Witwe noch seine ehemaligen Kollegen können glauben, was die Ermittlungen der kubanischen Behörden ergeben haben.
Schon am nächsten Tag ist Daniel Ros auf Geheiß seines Chefs gezwungen, erneut das zu tun, was er so gar nicht mag: Reisen im Sommer. Inmitten vieler allein reisender Männer und etlicher junger Pärchen sitzt er im Flieger nach Havanna, um dort fortzusetzen, was Estanis nicht beenden konnte.
Seine Recherchen auf den Pfaden des so mysteriös verstorbenen Kollegen lassen Ros nicht nur auf die Gelegenheitsprotistuierte AnyelÃn stoßen, sondern mit ihrer Hilfe auch auf die Spur des Mörders.
“Tod in Havanna” hat wahrlich alles, was einen guten Krimi ausmacht: einen spannenden Plot, der keinerlei Schwächen aufweist, einen sympathischen Helden, der als Ich-Erzähler zu seinen Schwächen steht, eine Liebesgeschichte, die so unvermittelt beginnt wie sie endet, und eine Location, deren politische und soziale Brisanz eigentlich keine Krimi-Handlung bräuchte, um das Prädikat “aufregend” zu verdienen. Beeindruckend präzise porträtiert Jordi Sierra i Fabra das Leben und die Leute auf der vom Kommunismus gebeutelten Karibik-Insel, stilsicher treibt er die Handlung und die von Konfusion geprägte Entwicklung seines Protagonisten Daniel Ros voran und lässt die Leser dabei stets auf dessen Augenhöhe.
Jordi Sierra i Fabra wurde 1947 in Barcelona geboren und hat bislang über 200 Romane, Krimis, Biographien sowie Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er erhielt bereits 1975 den Literaturpreis der Stadt Bilbao, 1979 den der Stadt Sevilla, war 1978 Finalist im Rennen um den renommierten “Premio Planeta” und gehört zu den erfolgreichsten Autoren Spaniens. 1989 wurde erstmals einer seiner Kriminalromane mit dem Protagonisten Daniel Ros, der sich längst zu einer der populärsten spanischen Krimifiguren gemausert hat, für das Fernsehen verfilmt. (Ensa Maurer)
Titel: Tod in Havanna
Autor: Jordi Sierra i Fabra
Verlag: Distel Literaturverlag
Seiten: 277
ISBN: 3923208421
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