Der Jäger
‘Sie lag auf dem etwa zwei mal zwei Meter großen Bett. Bekleidet mit einem schwarzen, von Spaghettiträgern gehaltenen Kleid, das kaum über ihren Po reichte, schwarzen, halterlosen Strümpfen, einem kaum sichtbaren schwarzen Slip und schwarzen Pumps. Der linke Arm mit den schmalen Händen und langen, ebenmäßigen Fingern an den Körper gelegt, der rechte nach oben gestreckt, genau wie der Zeigefinger. Die weit aufgerissenen, matten, blutunterlaufenen Augen starrten an die Decke, am Hals deutliche, inzwischen fast schwarze Strangulierungsmerkmale, Spuren einer Schlinge, die um den Hals gezogen worden war. “Das war’s wohl”, meinte Julia Durant leise.’
Mit dieser Vermutung liegt die Frankfurter Kommissarin goldrichtig - zumindest, was den Zustand der Studentin Judith Kassner betrifft. Doch mit dem Fund ihrer Leiche, die bereits die zweite innerhalb weniger Stunden ist, geht die Arbeit für Durant, ihren Kollegen Hellmer und das gesamte Kripo-Team erst richtig los. Zumal die Handschrift des Mörders eine fatale Verbindung zu zwei ungeklärten Fällen aufweist, die einige Zeit zurückliegen.
Schnell setzt sich bei der Mordkommission die Überzeugung durch, es mit einem Serientäter zu tun zu haben. Und ebenso rasch wird allen Beteiligten klar, dass der seine Opfer nicht nur rituell hinrichtet, sondern dabei nach einem bestimmten Schema vorgeht. Die Befürchtung, dass er bereits weitere im Visier hat, um sein perfides Werk vollenden zu können, wird rasch zur Gewissheit.
Wie schon in früheren Krimis um seine Ermittlerin Julia Durant spart Andreas Franz auch bei “Der Jäger” nicht mit detailfreudigen Beschreibungen und einem Spannungsbogen, der bis zur Auflösung trägt. Die sporadisch eingestreuten, aus Täter-Sicht erzählten Passagen, verraten zwar manches über die Vorgehensweise, jedoch nichts, was auf dessen Identität hindeutet. So führt der Autor seine Leser gemeinsam mit Durant durch einen recht übersichtlichen Kreis Tatverdächtiger, in dem alle mehr oder weniger miteinander vertraut sind.
Andreas Franz wurde in Quedlinburg geboren und war lange als Übersetzer für Englisch und Französisch tätig. Darüber hinaus war er als Schlagzeuger aktiv - bis schließlich seine große Leidenschaft, das Schreiben, zum Hauptberuf wurde. Franz, der verheiratet und Vater von fünf Kindern ist, will seine “Leser fesseln und trotzdem (vielleicht) zum Nachdenken anregen”. Verwirklichen konnte er diese Ambitionen bereits mit den - ebenfalls im Knaur Verlag erschienenen - Titeln “Letale Dosis”, “Die Bankerin”, “Das achte Gebot”, “Jung, blond, tot” und “Der Finger Gottes”. (Ensa Maurer)
Titel: Der Jäger
Autor: Andreas Franz
Verlag: Knaur
Seiten: 589
ISBN: 3426617412
Abgelegt unter Krimi
