Die Erfinder des Todes
‘Wer hätte wohl geglaubt, dass hinter Fionas kühler Fassade eine sinnliche Frau steckte, die den schonungslosesten Autor der britischen Krimiszene in einen romantischen Narren verwandelte? Sie war immer am leidenschaftlichsten, wenn sie sich mit einem brutalen Mord hatte befassen müssen. Es war, als müsse sie dann ihre Verbindung zum Leben neu bestätigen und ihre eigene Vitalität im Trotz gegen einen Killer ausleben. Kit mochte wohl diese Triebfeder mit Missbilligung betrachten, aber er hatte nichts dagegen die Vorteile zu genießen.’
Als im spanischen Toledo innerhalb von nur drei Wochen zwei ausländische Touristen brutalen Morden zum Opfer fallen, wird die angesehene britische Psychologin Fiona Cameron, die als Expertin für Deliktverknüpfung und das Erstellen geografischer Täterprofile gilt, vom Leiter der Ermittlungen zu Rate gezogen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Kit Martin, einem erfolgreichen Krimi-Autor, macht sie sich auf den Weg nach Spanien. Die Hinweise auf den Täter lassen sich wahrlich nicht als üppig bezeichnen, doch Cameron ist schon bald davon überzeugt, dass ein tendenziell ungewöhnliches Motiv ihn antreibt.
Von einer sexuell motivierten Tat geht jedoch die schottische Polizei aus, als sie Drew Shand, der sich mit seinem Thriller “Copycat” in die Bestsellerlisten schrieb, bestialisch verstümmelt auffindet. Fiona schließt allerdings auch die Möglichkeit, dass ein Stalker Shands Mörder ist, nicht aus. Weitere Nahrung bekommt diese Intuition, als Kit und andere Starautoren der Krimi-Szene Morddrohungen erhalten – einerseits. Andererseits aber hat die Erfahrung Fiona gelehrt, dass Mörder ihre zukünftigen Opfer sehr selten vorwarnen. Doch weitaus dominanter als rationale Überlegungen ist bei Cameron, der brillanten Analytikerin, in diesem Fall ein Gefühl: das der Angst, Kit Martin könne in Gefahr sein.
“Die Erfinder des Todes” ist ein weiteres exzellentes Machwerk von Val McDermid, die ihre Protagonistin Dr. Fiona Cameron in diesem Thriller mitten in einen Alptraum katapultiert, bei dem auch die Leser nicht auf Schonung hoffen dürfen. Mehr noch: Von der ersten Seite an stecken sie tiefer im Geschehen als Kit und Fiona, als die Ermittler und als die potenziellen Opfer. Denn der Krimi ist mit Schlüsselszenen, die Mordvorlagen sind, und Tagebuchaufzeichnungen, die Genugtuung, Aversionen und Emotionen dokumentieren, gespickt. So erfährt man allerhand über die krude Gedankenwelt des Mörders und weiß von seinem Plan – der Spannung tut das freilich keinen Abbruch. Mit einem messerscharfen Sinn für Details, die Spuren zeichnen und auf Irrwege führen, klar umrissenen Charakterisierungen der Haupt- und Nebenfiguren, die keine Fragen über deren Agieren offen lassen, psychologischem Tiefgang, raffiniert verwobenen Handlungsebenen und atemberaubender Rasanz treibt die Autorin den Plot von einem Schreckensszenario zum nächsten – bevor sie es in den schottischen Highlands zum wahrlich überraschenden Showdown kommen lässt.
Val McDermid wurde 1955 in Schottland geboren und war langjährig als Literatur-Dozentin und Journalistin tätig. Ihre Erfolgsstory als Autorin begann 1995, als sie für “Das Lied der Sirenen” mit dem Gold Dagger Award ausgezeichnet wurde. Abgesehen von diesem prämierten Titel, dem zuletzt erschienenen “Ein Ort für die Ewigkeit” und dem hier rezensierten sind ihre Thriller “Schlussblende”, “Abgeblasen” und “Das Gesetz der Serie” bei Droemer Knaur erhältlich. Val Mc Dermid lebt in Manchester. (Ensa Maurer)
Titel: Die Erfinder des Todes
Autor: Val McDermid
Verlag: Droemer
Seiten: 540
ISBN: 3426195674
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