Die russische Spende
‘Für die Rettungssanitäter war der Fall abgehakt, sie tranken Kaffee mit den Aufnahmeschwestern und guckten sich das Ende der zweiten Halbzeit Deutschland-Rumänien an. … Also füllte ich den Leichenschauschein aus und unterschrieb ihn. Als Todeszeit trug ich 19 Uhr 10 ein, fünf Minuten nach Einlieferung in die Klinik. Daß ich damit fast meinen eigenen Leichenschauschein unterschrieben hatte, jedenfalls ein Freilos für eine Menge Ärger, davon ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nichts. Und, wie das so mit Ärger ist, hat man ihn sich meistens selbst zuzuschreiben.’
Das gilt für Fußballer ebenso wie für Ärzte, wie Dr. Felix Hoffmann, Stationsarzt an einer Berliner Klinik, mit wachsender Besorgnis feststellt. Denn bei dem Toten handelt es sich nicht nur um einen ehemaligen, als genesen entlassenen Patienten, sondern zugleich um einen ehemaligen Mitarbeiter der Krankenhaus-Putzkolonne. Als am nächsten Morgen der Totenschein unauffindbar ist, steigert sich Hoffmanns Argwohn, und er stürzt sich ambitioniert in seinen Plan, der Kette an Merkwürdigkeiten auf den Grund zu gehen.
Schon wenige Tage später erreicht die Brisanz der Ereignisse ihren Höhepunkt: Dr. Hoffmann und seine Freundin Celine entdecken bei der nächtlichen Recherche im Computersystem des Krankenhauses wegweisende Dubiositäten und stoßen im Nachbarzimmer auf die Leiche des Verwaltungsdirektors.
Zwar weist Christoph Spielberg in seiner Danksagung ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei “Die russische Spende” um eine erfundene Geschichte handelt, doch gleichzeitig macht er keinen Hehl aus seiner Vermutung, die Wirklichkeit sei viel schlimmer. Krankenhausprivatisierungen, Bettenabbau und Klinik-Finanzierungsgesetze sind nicht nur in Berlin allgegenwärtig und geben den Hintergrund dieser spannend-bedenklichen Skandalchronik. Sie beeindruckt vor allem durch einen schlüssigen Plot, selbst für Laien verständlich erklärtes medizinisches Vokabular und den sympathischen Protagonisten, der vom Autor mit einer gehörigen Portion Selbstironie ausgestattet wurde.
Christoph Spielberg wurde 1947 in Berlin geboren und ist Facharzt für Innere Medizin sowie Herzspezialist. Nach einer langjährigen Tätigkeit als Oberarzt in einem Berliner Klinikum ließ er sich in Potsdam als Kardiologe nieder. Heute arbeitet er freiberuflich als Arzt und ist darüber hinaus ein gefragter Privatdozent. Spielberg lebt gleichermaßen in Berlin wie in den USA und hat, nachdem er für TV-Drehbücher verantwortlich zeichnete, mit “Die russische Spende” seinen ersten Roman veröffentlicht. (Ensa Maurer)
Titel: Die russische Spende
Autor: Christoph Spielberg
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 316
ISBN: 34992234380
Abgelegt unter Krimi
