Schwarz ist die Nacht



‘Ein junger Mann mit Schnauzer und Lederjacke stellt sich als Kommissar Bauch vom Ersten Revier vor und führt Antonie und Romero mit einladender Geste hinter die Container. Die Tote liegt mit gespreizten Beinen auf dem Rücken und ist unterhalb der Taille nackt, bis auf eine völlig zerfetzte Strumpfhose, die sich um den Knöchel des linken Beins ringelt. T-Shirt und BH sind bis über die Brüste hochgeschoben. Wo die Haut noch intakt ist, zeigt sie Verfärbungen in allen Nuancen von Blau und Braun. Der Fotograf der Spurensicherung ist dabei, die Tote Zentimeter für Zentimeter abzulichten, und obwohl Romero keinerlei Zweifel an der Notwendigkeit seines Tuns hat, ist ihm, als würde damit der Toten der letzte Rest ihrer Würde genommen.’

Als Vincent Romero die Tage bis zu seiner Pensionierung quasi an einer Hand abzählen kann, wird in einem Müllcontainer mitten in der Frankfurter Innenstadt die Leiche der Architektin Stefanie Greven gefunden. Ihre Luftröhre ist mit Montageschaum versiegelt, das brünette Haar mit stumpfer Klinge abgeschnitten und überdies fehlt der Toten der Finger, an dem ein Bernstein-Ring steckte.

Während Vincent und Antonie noch damit beschäftigt sind, einem Motiv und dem brutalen Täter auf die Schliche zu kommen, wird eine weitere Frauenleiche gefunden: Einem grotesken Engel gleich liegt die Blondine Sylvia Bohl im blütenweißen Hemd auf ihrem Bett – ebenfalls mit Montageschaum zum Schweigen gebracht. Aus der Vermutung, es mit einem Serienmörder zu tun zu haben, wird Gewissheit, und Hinweise darauf, dass er seine Opfer im Internet sucht, lassen Hoffnungen, weitere Morde verhindern zu können, nicht gerade aufkeimen.

Mit ihrem Krimi “Schwarz ist die Nacht” greift die Autorin ein wahrlich brisantes Thema auf: die Anonymität der Chat-Räume im Internet und damit verbundene Möglichkeiten und Sicherheitsrisiken. Im Mittelpunkt des Romans stehen jedoch die so verschieden wie kongenialen Ermittler Vincent Romero und Antonie Bennigsen. Sie werden den Lesern so facettenreich, lebendig und sympathisch nahe gebracht werden, dass die drohende Pensionierung des passionierten Golf- und Schachspielers und begnadeten Hobby-Kochs wie ein Damoklesschwert über der Handlung kreist, die gnadenlos hinter die burgeoise Fassade des Täters guckt, Stück für Stück dessen grausame Mission, aber erst beim spektakulären Showdown seine Identität entlarvt. Wie schon bei früheren Krimis gelingt es Susanne Mischke in “Schwarz ist die Nacht” einen raffinierten, spannenden Plot zu konstruieren und eine Rahmenhandlung zu entwerfen, die gleichberechtigt daneben steht.

Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren, lebte einige Jahre in Berlin und wohnt heute in der Nähe von Darmstadt. 1994 debütierte die Journalistin mit ihrem Roman “Stadtluft”, 1995 folgte “Freeway” und 1996 legte sie ihren ersten Krimi “Mordskind” vor. Darüber hinaus erschienen im Piper Verlag ihre Werke “Die Eisheilige”, “Der Mondscheinliebhaber” und “Wer nicht hören will, muß fühlen”. (Ensa Maurer)

Titel: Schwarz ist die Nacht
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 221
ISBN: 3492270301

Abgelegt unter Krimi

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