Sturmzeit



Felicia Degnelly ist achtzehn Jahre, als der erste Weltkrieg ausbricht.
Die meisten Wochen des Jahres verbringt sie bei ihrer Familie in Berlin, doch in den Sommermonaten weilt sie, wie die meisten ihrer Verwandten, auf dem ostpreußischen Familiensitz Lulinn.

Dort verliebt sie sich in Maksim, einen jungen Mann deutsch-russischer Abstammung. Doch Maksim hat keine Augen für das schöne junge Mädchen, er hat nur Marx, Lenin und die Revolution im Kopf.

Frustriert stürzt sich Felicia in eine hastig geschlossene Ehe mit einem anderen Mann, dem zynischen Draufgänger Alex.

Doch diese Beziehung steht von Anfang an unter keinem guten Stern – Streit und Verständnislosigkeit auf beiden Seiten entzweien das Paar.

Während der ersten Kriegsjahre lebt Felicia im großbürgerlichen Haushalt ihres reichen Ehemannes, doch dann wird sie von den Wirren des Krieges an die verschiedensten Orte verschlagen. Zunächst geht sie als Krankenschwester in ein Lazarett an der Ostfront, wird gefangen genommen und in ein Lager gebracht, von dort aus kommt sie nach Sankt Petersburg, das zu jener Zeit Petrograd hieß, sie kommt nach Riga, dann wieder nach Lulinn, wo sie ihre alte Liebe Maksim wieder trifft, und gelangt am Ende wieder nach Berlin und München.

Inzwischen hat der Krieg auch die Familie Degnelly dezimiert. Felicias Großvater, ihr Vater, ein Onkel, eine Tante und vor allem der geliebte jüngere Bruder Christian fallen ihm zum Opfer.

So wenig Glück Felicia im Umgang mit Männern hat, so viel Geschick beweist sie, wenn es um Geld geht. Mit Cleverness und einer gehörigen Portion Skrupellosigkeit gelingt es ihr, sowohl das Familiengut Lulinn, als auch die Firma des inzwischen von ihr geschiedenen Alex unbeschadet durch Krieg, Inflation und Währungsreform zu bringen. Doch dann kommt der schwarze Freitag…

Auf 530 Seiten entwirft die Autorin ein buntes Bild des Lebens in Deutschland während der ersten Jahre des gerade zu Ende gegangenen Jahrhunderts. Es gelingt ihr, die scheinbar heile Welt Ostpreußens auf der einen Seite, und das Grauen des Krieges auf der anderen für den Leser erfahrbar zu machen und die beiden so unterschiedlichen Szenarien ohne größere Brüche einander gegenüber zu stellen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Die handelnden Personen sind nicht einfach gut oder böse, dumm oder klug, sondern vielschichtig, zwiespältig und schillernd, wie halt die Menschen im richtigen Leben auch.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgebering von Evas Leseland

Titel: Sturmzeit
Autor: Charlotte Link
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 530
ISBN: 3442410665

Abgelegt unter Liebe und Leidenschaft

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