Picknick auf dem Eis
Viktor gehört nicht zu denen, die für sich die Sonnenseite des Lebens gepachtet haben: Er schreibt Romane, die unvollendet in der Schublade landen, hat folglich nur wenig Geld und auch eine Freundin, mit der er neben Freud’ und Leid auch die Wohnung teilen kann, ist nicht in Sicht. Trotzdem lebt er nicht allein mitten in Kiew, sondern zusammen mit Mischa, einem tischhohen, herzkranken, tendenziell depressiven Königspinguin, den er vom städtischen Zoo adoptiert hat.
Eines Tages jedoch nimmt Viktors Leben eine unerwartete Wende, als ihm der Chefredakteur der Kiewer “Hauptstadtnachrichten” eine gutdotierte Stelle anbietet: Viktor soll unter der Pseudonym “Der engste Freundeskreis” gefühlvolle Nachrufe auf noch quicklebendige VIPs schreiben. Zwar ist er damit seiner Vision, den eigenen Namen gedruckt zu sehen, kein Stück näher gerückt, doch er nimmt den Posten an. Nekrologe, die er “Kreuzchen” nennt, prägen fortan seinen Tagesablauf. Zwar ereignen sich schon sehr bald äußerst ominöse Vorfälle, doch Viktor braucht einige Zeit, um zu erkennen, welche Rolle seine Texte spielen und welche ihm dabei zugedacht ist.
Der Roman “Picknick auf dem Eis” ist ein ebenso eigenwilliges wie lesenswertes Werk von Andrej Kurkow. Poetisch und leicht, melancholisch und witzig erzählt er die Geschichte des zunächst erfolglosen Autors Viktor, dem er den Königspinguin Mischa an die Seite stellt. Diese Konstellation hätte ein zweifellos großes Potenzial, ins Abstruse abzugleiten. Doch Kurkow schafft es, Mischa so intelligent in die Handlung zu integrieren, dass es letztlich quasi normal erscheint, mit einem Pinguin zu leben, Spaziergänge zu unternehmen und auf den Rücksitzbänken von Luxuskarossen zu Beerdigungen hochkarätiger Persönlichkeiten zu fahren.
Von dem 38-jährigen Andrej Kurkow ist außerdem der Roman “Petrowitsch” im Diogenes-Verlag erschienen. (Ensa Maurer)
Titel: Picknick auf dem Eis
Autor: Andrej Kurkow
Verlag: Diogenes
Seiten: 287
ISBN: 3257232551
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