Visual Culture Revisited.
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Ralf Adelmann / Andreas Fahr / Ines Katenhusen / Nic Leonhardt / Dimitri Liebsch / Stefanie Schneider (Hrsg.)
Visual Culture Revisited.
German and American Perspectives on Visual Culture(s)
2007, 314 S., 75 Abb., 3 Tab., Broschur, 213 x 142 mm
ISBN 978-3-931606-30-5
Gibt es eine visuelle Kultur oder nur visuelle Kulturen? Auf der einen Seite ist es unzweifelhaft, dass Bilder keine isolierte Existenz besitzen und daher auch nicht allein aus sich heraus verstanden werden können. Sie sind vielmehr Bestandteil von Praktiken und eingebettet in Institutionen; und dies ist die Gemeinsamkeit, die es nahelegt, von einer visuellen Kultur im Singular zu reden. Auf der anderen Seite ist ebenso offensichtlich, dass die visuelle Kultur kein monolithischer Block ist. Es gibt eine Vielzahl von Typen bildlicher Darstellung: von der Sitcom zur Illustration im Kinderbuch, vom Cartoon zum Satellitenfoto, in der hohen Kunst oder im Alltagsleben. Außerdem ist das Feld des Visuellen ein Feld des Konflikts und der Auseinandersetzung zwischen Selbst und Anderem, Mainstream und Gegenkultur.
Der Band versammelt englischsprachige Texte, die sich über eine Reihe von theoretischen Reflexionen und Fallstudien mit dieser Dialektik der visuellen Kultur(en) auseinandersetzen. Im Zentrum finden sich dabei vor allem Beispiele aus dem US-amerikanischen Kontext – angefangen von der Fokussierung der amerikanischen Ureinwohner als ‚vanishing race’ in der Fotografie des 19. Jahrhunderts bis hin zur medialen Bewältigung des Columbia-Unglücks im Februar 2003. Infolgedessen ist das Buch nicht allein für ein interdisziplinär ausgerichtetes Publikum äußerst empfehlenswert, das sich für die Analyse des Visuellen interessiert, sondern auch für Wissenschaftler und Studenten in der Amerikanistik.
Audiovisuelle Emotionen im Herbert von Halem Verlag
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Anne Bartsch / Jens Eder / Kathrin Fahlenbrach (Hrsg.)
Audiovisuelle Emotionen.
Emotionsdarstellung und Emotionsvermittlung durch audiovisuelle Medienangebote
2007, 456 S., 31 Abb., 4 Tab., Broschur, 213 x 142 mm
ISBN 978-3-938258-30-9
Filme, Fernsehsendungen und andere audiovisuelle Medienangebote lösen bei Millionen Zuschauern die vielfältigsten Emotionen aus und prägen die Emotionskultur moderner Gesellschaften in zweifacher Hinsicht: Zum einen sind sie privilegierte Mittel der Darstellung von Emotionen, zum anderen beeinflussen sie das emotionale Erleben ihrer Zuschauer nachhaltig.
Seit einiger Zeit wird diese Doppelrolle der Medien systematisch erforscht. Die ausführlichste Auseinandersetzung findet dabei in den Film- und Medienwissenschaften sowie in der Medienpsychologie und Rezeptionsforschung statt. Zwischen diesen beiden Richtungen – der geistes- und der sozialwissenschaftlichen Forschung – hat bisher noch kaum ein Austausch stattgefunden. Deshalb besteht ein Ziel dieses Sammelbandes darin, zentrale Positionen und Vertreter beider Richtungen vorzustellen und einen interdisziplinären und internationalen Dialog über audiovisuelle Emotionen anzuregen.
Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Disziplinen beschäftigen sich mit vier übergreifenden Themenschwerpunkten: mit den biologischen Grundlagen audiovisueller Emotionen, mit ihrer Kultur und Geschichte, mit ihrer rezeptionspsychologischen Modellierung und mit den ästhetischen und narrativen Verfahren ihrer Darstellung, Auslösung und Lenkung. Diese Themen werden anhand zahlreicher Beispiele aus dem Film- und Fernsehbereich anschaulich erläutert.
Nachwuchs bei Reclam: Das Taschenbuch
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Die Reclam Markenfamilie hat Zuwachs bekommen: das Reclam Taschenbuch. Die neue Reihe tritt im klassischen Taschenbuchformat und leserfreundlichen Layout auf – wie immer bei Reclam zum günstigen Preis. Geboten wird eine abwechslungsreiche Mischung aus Sachbuch, Klassikern und zeitgenössischen Autoren. Die ersten 16 Titel stellen wir hier vor.
Unter den zeitgenössischen Texten findet sich auch Komisches und Polemisches – wie beispielsweise die berühmt-berüchtigten Kolumnen Wiglaf Drostes. Anlässlich seines Auftritts im Reclam Taschenbuch haben wir Herrn Droste einige Fragen gestellt. Und wie zu erwarten war: die spitze Zunge des Polemikers verschont auch diesmal nichts und niemanden.
Die Himmelsleiter
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Wie es sich für einen zünftigen Krimi gehört, beginnt die Geschichte gleich mit einem Toten – mit einem Toten in der Badewanne.
Doktor Moulin, therapeutischer Leiter eines kleinen Sanatoriums, in dem der Tote mit Namen Thomas Heilant zuletzt untergebracht war – wegen einer bestimmten Art von Schizophrenie -, erledigt alle Formalitäten und erhält aus dem Nachlass des Toten einen braunen Umschlag, der einen Stoß Aufzeichnungen und Disketten in sich birgt. Mit diesen Aufzeichnungen, in die sich der Arzt alsbald vertieft, beginnt nun die eigentliche Erzählung. Auch sie präsentiert sofort einen Toten, genauer: Heilant, seines Zeichens Journalist und im Nebenberuf “Retter des Universums”, schildert gleich auf der ersten Seite, wie er die Nachricht vom Tode seines früheren Freundes Massimo Altomonte erhielt. Während er selbst sich darum bemüht, zusammen mit Kommissär Montaigne, die näheren Umstände des allem Anschein nach mysteriösen Todes seines Freundes zu klären – immerhin handelt es sich bei dem Toten um einen mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Physiker -, erinnert sich Thomas an einzelne Stationen seiner Freundschaft mit dem Physiker: an turbulente Studienjahre in Heidelberg, als die 68er-Bewegung die Straßen in der Bundesrepublik unsicher machte, und beide, Altomonte und Thomas, dasselbe Mädchen liebten. Doch dann trennten sich ihre Wege, Thomas entwickelte sich zu einem engagierten Umweltschützer, Altomonte hatte sich dagegen in irgendwelche fragwürdigen Experimente vertieft, die für den Erdball nicht ganz ungefährlich waren. Eines seiner Steckenpferde war neben der Hydrodynamik die Chaostheorie, die in dem Roman nicht nur im physikalischen Sinne Pate gestanden hat. Denn die Geschichte wird schließlich noch recht verwirrend, zumal sich am Ende herausstellt, dass Leichen vertauscht wurden und Altomonte gar nicht richtig tot ist, sondern Böses im Schilde führt. Thomas versucht zwar, zu retten, was zu retten ist, doch nicht ihm gelingt das Wunderwerk, sondern Chloé, der gemeinsamen Tochter von Altomonte und Alessandra, die Thomas zum Schluss noch schnell zu seiner Geliebten gemacht hat, damit, wie es sich für einen ordentlichen Krimi ziemt, der Sex nicht zu kurz kommt.
Physikalische Theorien, Entwicklungen, Entwürfe, Visionen werden kurz angerissen und vorgestellt. Bundesrepublikanische Verhältnisse spielen mit hinein, die RAF, der Terrorismus, die Wende und vieles andere. Aber lesen Sie selbst, die Geschichte des 1954 in Italien geborenen und seit 1962 in Deutschland lebenden Marco Lalli gibt viele Rätsel auf und ist so übel nicht. (Ursula Homann)
Titel: Die Himmelsleiter
Autor: Marco Lalli
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 224
ISBN: 3502517436
Das Orakel
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Ein Archäologe stößt Ende 1973 bei einer Grabung unter mysteriösen Umständen auf eine antike goldene Vase mit einer Darstellung des Odysseus nach der bekannten Reise und Heimkehr aus der Zeit seiner späteren, kaum bekannten Erlebnisse. Der Archäologen kann sich nach einem Zusammenbruch nur mühsam aus der Fundhöhle schleppen und er bittet seinen Assistenten ihn zu einer bestimmten Adresse in Athen zu bringen, obwohl er dringend in ein Krankenhaus sollte. Bald darauf stirbt er und der Assistent trifft bei der angegebenen Adresse nur einen mysteriösen Fremden, der ihn anweist, die Vase zu verstecken.
Zur gleichen Zeit steuern einige junge Studenten auf ihr dramatisches Schicksal zu. Das frisch und innig verliebte Paar Heleni, eine Griechin und der Italiener Claudio und ihre beiden Freunde, der Franzose Michel und der Brite Norman. Als griechische Studenten die Universität besetzen und gegen die Militärdiktatur protestieren, befindet sich Heleni unter ihnen. Die Militärs lassen die Universität stürmen und gehen mit äußerster Brutalität gegen die Studenten vor. Heleni wird schwer verwundet und kann mit Hilfe ihrer Freunde fliehen. Doch Michel wird festgenommen und verrät unter der Folter und wird danach des Landes verwiesen. Jetzt werden auch Claudio und Heleni festgenommen und Heleni stirbt vor Claudios Augen während einer Vergewaltigung durch einen Folterknecht. Claudio wird von dem geheimnisvollen Fremden, der schon bei der Sache mit der Vase eine Rolle spielte, gerettet. Der Polizei und der Öffentlichkeit täuscht er dessen Tod vor.
Zehn Jahre später werden Norman und Michel mit Hilfe rätselhafter Botschaften wieder nach Griechenland gelockt. Dort werden zu dieser Zeit gerade hintereinander zwei der am Mord an Heleni beteiligen Polizisten ermordet. Claudio begann mit tatkräftiger Unterstützung durch den geheimnisvollen Fremden einen späten, aber überaus wirkungsvollen Rachefeldzug. Norman und der von Gewissensbissen geplagte Michel begeben sich auf die Suche nach ihm während ihn gleichzeitig der ehemalige Hauptverantwortliche für Helenis Tod auf den Fersen ist. Doch dem unheimlichen Fremden gelingt es immer wieder, ihm das Entkommen zu ermöglichen. Aber es scheint, als ob er seine eigenen, undurchsichtigen Pläne dabei verfolgen würde.
Manfredi ist mit seinem Thriller mit einer kräftigen Prise Mystik ein spannungsgeladener Roman gelungen. Man will das Buch kaum aus den Händen legen, bevor man nicht auf den letzten Seiten das letzte Geheimnis und den Hintergrund für die ganze Geschichte gelesen hat.
Der Autor ist selbst Archäologe und kennt Griechenland offensichtlich sehr gut. Dadurch kann er seiner fiktiver Geschichte durch Fakten einen zusätzlichen Reiz geben. Das Buch hat nichts mit Literatur zu tun, aber die Kunst des Geschichtenerzählens beherrscht der Autor in perfekter Weise.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Das Orakel
Autor: Valerio M. Manfredi
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 429
ISBN: 3453136624
Wie der Tod so spielt
Erstellt am: Oktober 9th, 2007‘Mord’, so Irmis Überzeugung, ‘ist eine optimale Waffe im Kampf der Geschlechter’. Selbst wenn Herb, der Gatte ihrer Freundin Ira, das nicht mehr dementieren kann, so bestätigt er doch zumindest die Effizienz dieser kühnen These: Als Verlierer der Fehde – in Einzelteile zersägt und der heimischen Tiefkühltruhe deponiert. Hätte er sich beim Gespräch über die Scheidung finanziell kooperativer gezeigt, wäre ihm das vermutlich nicht passiert. Und hätte Irmi sich bei einer Nacht in der Ausnüchterungszelle nicht – getreu dem Motto “Tu’ Gutes und rede darüber” – ausgerechnet Charlie anvertraut, wäre Herb wohl ein Einzelfall geblieben. Doch Charlie lässt prompt ihren Freund Pete, der offiziell als Privatdetektiv agiert, inoffiziell aber als Profi-Killer aktiv ist, an ihrem Wissen teilhaben. Und der wiederum nutzt eben das, um Irmi, Ira und Hannah zu erpressen: Allerdings fordert er kein Geld als Garantie für sein Schweigen, sondern die Mitarbeit der drei Freundinnen. Deren Skrupel, sich fortan professionell um die Entsorgung lästiger aber vermögender Ehemänner zu kümmern, währen nur kurz und lösen sich schließlich in Wohlgefallen auf, als ihnen ein stattlicher Vorschuss für den ersten Auftrag, die Ermordung eines Medienanwalts, übergeben wird. Der wird verjubelt, der Anwalt erledigt und bald darauf kreuzt das nächste Opfer die Schusslinie des mordenden Trios. Schließlich wollen Designer-Klamotten, Lifestyle und prosecco-selige, kulinarische Exzesse beim Lieblings-Italiener “Pasalino” finanziert sein.
Angelika Buschas Erstlingswerk “Wie der Tod so spielt” ist ein Roman, trotz etlicher Toter aber wahrlich kein Kriminalroman. Zu vorhersehbar, überzogen und konstruiert ist das, was passiert, zu detailliert und wiederholt werden unwichtige Nebensächlichkeiten ausgewalzt – einerseits. Andererseits aber lässt die Autorin ihre Leser, an für den Plot entscheidenden Stellen, mit Fragen zurück. Ihr schnoddriger Stil macht Spaß, doch zu einer rundum vergnüglichen Lektüre wird das Buch aufgrund inhaltlicher Nachlässigkeiten nicht. (Ensa Maurer)
Titel: Wie der Tod so spielt
Autor: Angelika Buscha
Verlag: List
Seiten: 429
ISBN: 3612650092
Denn am Sabbat sollst du ruhen
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Batya Gur wurde für diesen Roman mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann , einem Psychoanalytiker, und ihren drei Kindern in Jerusalem.
Der vorliegende Roman spielt im Psychoanalytikermilieu.
Man merkt , dass sich Batya Gur bestens auskennt in diesen Kreisen.
Ein Mord an einer Psychoanalytikerin in einem psychoanalytischen Institut in Jerusalem ist Ausgangspunkt für den Kriminalfall.
Hervorragend sind Batya Gurs Detailkenntnisse über das , was in psychoanalytischen Instituten und was in psychoanalytischen Therapien geschieht. Sie weiß, dass Psychoanalytiker meist unter sich bleiben, auch in ihrem geselligen Umgang. Psychoanalytische Gesellschaften sind elitäre Zirkel , zu denen kein Uneingeweihter Zugang bekommt.
Die Eifersucht, der Neid, der elitäre Anspruch, die Konkurrenz , aber auch die Einsamkeit von Menschen, die die diesen Beruf ausüben, wird sehr gut dargestellt.
Die besonderen äußeren Umstände machen die Aufklärung dieses Falles für Inspektor M.Ochajon delikat und außerordentlich schwierig. Dass es am Ende zur Aufklärung kommt ,versteht sich.
Das Buch ist spannend geschrieben und überaus interessant für alle jene, die etwas über das besondere Gebiet der Psychoanalyse erfahren wollen.
Ich beginne zunehmend, Kriminalromane als literarische Gattung zu betrachten, die unter gewissen Bedingungen anspruchsvolle Leser durchaus anzusprechen vermögen. Wenn sie ,wie im vorliegenden Band, sprachlich differenziert geschrieben, psychologisch ausgefeilt und gesellschaftliche Zustände beschreibend sind ,dazu womöglich nicht mal gar so entfernt vom wirklichen Leben , können sie einen ausgezeichneten Lesegenuss gewährleisten.
Hier liegt ein solches Buch vor, das man wirklich empfehlen kann. (Claudine Borries)
Titel: Denn am Sabbat sollst du ruhen
Autor: Batya Gur
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 384
ISBN: 3442425972
Der magische Zirkel
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Amerika, 1989:
Ariel Behn stammt aus einer sonderbaren Familie und übt einen brisanten Job aus, sie arbeitet für die atomare Wirtschaft. Da erhält sie plötzlich die Nachricht, dass ihr Cousin Sam bei einem Attentat ums Leben kam. Und sein Vermächtnis an sie scheinen ein paar uralte Manuskripte zu sein. Plötzlich konzentriert sich das allgemeine Interesse auf Ariel und diese Manuskripte und sie muss um ihr Leben kämpfen.
Ariel findet heraus, dass selbst ihre Familie verzweifelt in den Besitz der Dokumente zu kommen versucht. Da lernt sie Wolfgang Hauser kennen, einen charismatischen Österreicher, der allerdings schwer zu durchschauen ist. Zusammen mit ihm macht sie sich beruflich auf den Weg nach Russland, und somit auch auf den Weg die Wahrheit herauszufinden.
Ariel erfährt ungeheuerliches. Diese Dokumente sind nicht nur historisch gesehen äußerst wertvoll, sondern werden schon seit Generationen in ihrer Familie weitergegeben. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Und Vertrauen kann sie auch niemandem. Jedoch die Wahrheit, die sie langsam aber sicher aufdeckt, bedroht all das, was ihr lieb und teuer ist. Was für Überraschungen hält das Schicksal noch für Ariel bereit?
Diese Buch ist fantastisch, ein Thriller für den man jedoch eine Menge Aufmerksamkeit und Geduld braucht. Denn die Familienverhältnisse der Behns sind äußerst verzwickt. Außerdem macht die Autorin in der Geschichte immer wieder Zeitsprünge in die Vergangenheit. Wer ein komplexes Lesevergnügen sucht, der wird von “Der magische Zirkel” nicht enttäuscht werden. Ich kann es kaum erwarten mehr von der Autorin zu lesen.
Kritk geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke
Titel: Der magische Zirkel
Autor: Katherine Neville
Verlag: Goldmann
Seiten: 570
ISBN: 3442438241
Die fünfte Frau
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Herbst 1994.
Eine schreckliche Mordserie hält das südschwedische Schonen in Atem. Drei Männer sind auf bestialische und äußerst schmerzvolle Weise ermordet worden. Kommissar Wallander und seine Kollegen und Kolleginnen von der Polizei in Ystad tappen lange Zeit im Dunkeln. So sehr sie auch versuchen, Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern zu finden, sie können keine entdecken . Ihre Berufe waren unterschiedlich, ihre familiären Verhältnisse und ihre Hobbys weisen keinerlei Übereinstimmungen auf. Nur die Tatsache, dass es sich bei allen drei Männern um relativ unauffällige und durchaus angesehene Mitglieder der Gesellschaft handelte und dass sie jetzt tot sind scheint sie zu verbinden. Nach langen frustrierenden und erfolglosen Ermittlungen stellt sich heraus, dass sämtliche Opfer gelegentlich zur Brutalität neigten und ihre Partnerinnen misshandelten und quälten. Zwei der Toten geraten gar in Verdacht, vor Jahren selber gemordet zu haben.
Nachdem die Polizei zunächst einen männlichen Täter vermutet, kristallisiert sich im Laufe der Zeit heraus, dass die Männer vermutlich von einer Frau, einem selbsternannten Racheengel, ins Jenseits befördert wurden. Langsam wird ein Muster, nach dem die Täterin vorgeht erkennbar und so kommt man ihr schließlich auf die Spur.
Dieser Krimi wurde von den verschiedensten Kritikern und Feuilletonisten in den höchsten Tönen gelobt. Ich kann jedoch diese Preisungen nicht so ganz nachvollziehen. OK, das Buch ist durchweg spannend und die Idee, einmal altbewährte Klischees zu durchbrechen und eine Frau statt als Opfer, als Täterin zu präsentieren, hat ohne Frage einen gewissen Reiz. Meiner Meinung nach hat es Mankell jedoch mit seiner Gesellschaftskritik etwas zu gut gemeint und reichlich dick aufgetragen.
Dass beispielsweise der Mann, der von einer Bürgerwehr als Dieb abgestempelt und halbtot geprügelt wird, ein völlig unbescholtener Bürger ist, der sich nur verirrt hat, mag ja noch angehen; aber muss dieser Mensch nun auch noch Mitglied bei Amnesty-International sein???
Dass Bürger über die Untätigkeit, oder auch – je nach politischer Einstellung – über die Brutalität der Polizei meckern, ist nichts Neues, aber dass die Tochter eines Beamten auf dem Schulhof misshandelt wird, nur weil ältere Mitschüler ihrem Unmut über die Polizei Luft machen wollen, ist bei aller Brutalität, die heutzutage auf Schulhöfen herrscht, doch wohl etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Inhaltlich erscheint mir der Roman gelegentlich reichlich wirr und unlogisch. An einigen Stellen kommt es mir so vor, als habe sich der Autor in seinem eigenen Netz verstrickt und finde nur noch unter Mühen wieder hinaus. Hanebüchene Zufälle werden konstruiert, Cousinen in Entbindungskliniken erschaffen, mehrere Jahre alte Fahrpläne mit kryptischen Anmerkungen in Geheimfächern entdeckt.
Auch was das Stilistische angeht, habe ich etwas zu mäkeln : Zu viele Handlungsstränge bleiben in der Luft hängen und enden im Nichts. Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass Polizeiarbeit häufig tatsächlich ähnlich aussieht – Irrwege werden eingeschlagen, falsche Spuren werden aufgegriffen und später verworfen oder einfach nicht mehr weiter verfolgt. Doch muss man jede noch so aberwitzige Nebenhandlung in aller Länge und Breite auswalzen? Und was sollen die ständig wiederkehrenden Hinweise auf intuitive Empfindungen des Kommissars? – Er hatte ein unbestimmtes Gefühl, wusste aber nicht wieso – die Situation erinnerte ihn an etwas, doch er kam nicht mehr darauf woran – etwas erschien ihm wichtig, aber er hatte keine Ahnung, was es war – usw.
Trotz aller Kritik habe ich bei der Lektüre des Romans jedoch durchaus gelegentlich Vergnügen empfunden. Er ist unterhaltsam und liest sich flott. Ein passabler Krimi. Nicht weniger, aber für meine Begriffe eben auch nicht mehr!
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die fünfte Frau
Autor: Henning Mankell
Verlag: dtv
ISBN: 3423203668
Schwefelhochzeit
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Jenny, die eigentlich Genevieve heißt, arbeitet als Pflegerin in einem englischen Altersheim. Zu Stella, einer ihrer Patientinnen, fühlt sich die junge Frau besonders hingezogen. Die an Lungenkrebs erkrankte alte Dame, die trotz ihres Leidens geistig noch vollkommen klar ist und die stets betont adrett und gepflegt auftritt, trägt seit mehr als fünfundzwanzig Jahren die Erinnerung an ein schreckliches Erlebnis mit sich herum. Nie hat Stella mit jemanden darüber gesprochen, doch jetzt, wo sie den Tod nahen fühlt, drückt sie das Gewissen mehr denn je. Und so macht die alte Dame Jenny gegenüber gelegentlich geheimnisvolle Andeutungen und bittet die junge Frau, sich um ihr, seit vielen Jahren leerstehendes Haus zu kümmern, das irgendetwas mit dem damaligen Ereignis zu tun hat.
Jenny kommt diese Bitte höchst gelegen, verschafft ihr doch der Zugang zu Stellas Haus die Möglichkeit, sich unbemerkt mit ihrem Geliebten zu treffen.
Von Kapitel zu Kapitel erfährt der Leser mehr über jenen Tag in den siebziger Jahren, an dem sich für Stella so vieles veränderte. Doch erst ganz am Ende des Buches (Stella ist mittlerweile verstorben) enthüllt sich das ganze Geheimnis der Frau.
Welcher Liebhaber anspruchsvoller Kriminalromane weiß nicht, wer sich hinter dem Pseudonym “Barbara Vine” verbirgt? – Es ist niemand anderes als Ruth Rendell, die bekannte englische Krimiautorin.
Dass die Dame schreiben kann, steht wohl außer Zweifel. Vor allem als “Barbara Vine” hat sie einige sehr lesenswerte Romane veröffentlicht (z.B. “König Salomons Teppich” oder “keine Nacht dir zu lang”) doch dieses Buch halte ich, obwohl es von der ersten bis zur letzten Zeile spannend war, nicht für ihr stärkstes Werk. Zu viele unglaubwürdige Stellen und häufige Ungereimtheiten schmälern den Lesegenus. Die Erklärung, warum Stellas Geliebter Alan trotz aller Widrigkeiten über Jahre bei seiner Frau Gilda bleibt (angeblich nur wegen des Geldes), ist mir zum Beispiel schlicht zu mager. Und niemand kann mir erzählen, dass das Verbrennen einer Leiche, welches in offenem Gelände stattfindet und sich über viele Stunden hinzieht, von niemandem bemerkt wird.
Ruth Rendell ist eine überaus produktive Autorin. Mindestens zweimal pro Jahr erscheint ein aus ihrer Feder stammender Krimi.
Kein Wunder, dass dabei gelegentlich auch weniger gelungene Werke dabei sind. Ich würde mich freuen, wenn die Autorin weniger veröffentlichen würde aber dafür den hohen Standard, für den ich sie eigentlich schätzen gelernt habe, weiterhin beibehält.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Schwefelhochzeit
Autor: Barbara Vine
Verlag: Diogenes
ISBN: 3257231024
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