Der Schmetterlingseffekt

Erstellt am: Oktober 9th, 2007

Im winterlichen Oslo versucht die nicht gerade übermäßig erfolgreiche Psychologin Igi mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters fertig zu werden, der von einem unbekannten Mann mit dem Auto überfahren wurde.

Im Arbeitszimmer des Verstorbenen, der als Privatdetektiv arbeitete, findet sie eine Schmetterlingsbrosche, die offensichtlich der letzten Klientin ihres Vaters, Siv Underland gehört.

Als Igi der jungen Frau das Schmuckstück zurückbringen will, trifft sie diese nicht an, doch vieles deutet darauf hin, dass sie vor etlichen Tagen ihre Wohnung überstürzt verlassen haben muss.

Auf der Rückfahrt von dort kommt Igi an einer brennenden Kirche vorbei und findet dort eine Frauenleiche. Es ist nicht Siv – diese wird erst einen Tag später mit zwei Einschusslöchern tot im tiefen Schnee entdeckt.

Doch es muss eine Verbindung zwischen den beiden toten Frauen geben, denn bei der Leiche aus der Kirche handelt es sich um eine seit Jahren verschwundene frühere Nachbarin Sivs, mit der sich diese als Kind stark verbunden fühlte.

Igi vermutet, dass auch der Unfall ihres Vaters mit den Verbrechen an den beiden Frauen zusammenhängt und beschließt, die rätselhaften Todesfälle auf eigene Faust aufzuklären.

Sie gerät dabei an undurchschaubare Gestalten – einen düsteren Mann, der sich der schwarzen Magie verschreiben hat, eine seltsame Heilerin, korrupte Grundstücksspekulanten, skrupellose Psychiater und andere merkwürdige Leute.

Sie begibt sich in höchste Gefahr und muss nicht nur einmal um ihr Leben fürchten, ehe es ihr gelingt, das scheinbar unentwirrbare Knäuel aufzurollen und den komplizierten Kriminalfall zu klären.

Obwohl die Handlung des Romans teilweise ein wenig abstrus erscheint, ist die Geschichte von der ersten bis zur letzten Zeile spannend und humorvoll geschrieben, so dass mir die Lektüre Spaß gemacht hat.

Sicher, das Thema sexueller Missbrauch, das der Geschichte zu Grunde liegt, ist vielleicht mittlerweile etwas abgenützt, einiges an dem Plot erscheint ziemlich konstruiert und Kommissar Zufall wird zu häufig bemüht; aber die Stärke des Romans ist die durch und durch sympathische Heldin.

Igi ist alles andere als perfekt, hat mit Ordnung nichts am Hut, ist im Beruf nicht gerade ein As, qualmt wie ein Schlot und lebt in einer turbulenten Ehe mit Benny, der sich eigentlich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, gerne Frauenkleider trägt und Igis Schminkutensilien benutzt.

Das Buch gehört gewiss nicht zur Gattung “anspruchsvolle Literatur”, aber es ist unterhaltsam und witzig – eine entspannende Ferienlektüre.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Der Schmetterlingseffekt
Autor: Pernylle Rigg
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 3442724864

Das Rubinhalsband

Erstellt am: Oktober 9th, 2007

Kann man sich etwas Unwirtlicheres vorstellen, als Schottland zur Jahreswende? Regen, Schnee, Sturm, Nebel und Kälte führen nicht gerade zu herzerwärmender Gemütlichkeit. Trotz des zu erwartenden scheußlichen Wetters ist der niederländische Polizeiinspektor Piet Hieronymus hocherfreut, als ihm sein Vorgesetzter den Auftrag erteilt, den mysteriösen Tod mehrerer Niederländer zu untersuchen, die bei einer Tauchaktion im Loch Ness ums Leben kamen. Hieronymus beabsichtigt, einen Abstecher zu Christine zu machen, einer jungen Schottin, in die er sich vor einigen Jahren Hals über Kopf verliebte und die bis heute eine magische Anziehungskraft auf ihn ausübt. Noch immer besitzt er ein kostbar wirkendes Rubinhalsband, das ihm Christine damals, mit dem Auftrag es reparieren zu lassen, anvertraute. Nun möchte er es der Frau zurück bringen und vielleicht doch noch ihre Liebe gewinnen.

Schon während der Schiffspassage nach Schottland fühlt sich der Inspektor von zwielichtigen Gestalten beobachtet. Nachdem er mit seiner Traumfrau Kontakt aufgenommen hat, wird für ihn die Situation immer bedrohlicher. Gemeinsam mit Christine und ihrem Freund Frank reist er unter abenteuerlichen Umständen gen Norden zur Insel Rousay, wo Frank ein kleines Haus besitzt und wo man Silvester feiern möchte. Doch egal, wo das Trio hinkommt, überall lauern Gefahren – unerklärliche Ereignisse, Überfälle und Mordanschläge häufen sich. Am Ende, nach dem blutigen und gewalttätigen Höhepunkt des Romans, wird Piet Hieronymus mit der Lösung des Falles und mehreren für ihn überraschenden Erkenntnissen konfrontiert.

Die Romanhandlung ist, um es milde zu formulieren, etwas eigentümlich. Es wimmelt von merkwürdigen Wesen und Gestalten. Fomóri (Meeresgeister) haben in der Geschichte ebenso selbstverständlich ihren Platz wie Nessie oder die längst verblichene Maria Stuart, es gibt seltsame Begegnungen, vorherbestimmte Schicksale, düstere Prophezeiungen, geheimnisvolle Orte und kultische Gegenstände. Doch trotz all dieser Unwahrscheinlichkeiten liegt dem Roman eine ganz normaler Kriminalfall zu Grunde, den es für Piet Hieronymus aufzuklären gilt.

Boëtius gelingt es, die Spannung nicht abreißen zu lassen und ganz nebenbei den Leser für den rauen Reiz der schottischen Landschaft zu interessieren. Er macht uns vertraut mit den in großer Zahl vorhandenen Sagen und Mythen dieses Landes und erweckt Sympathie für seine oft abweisenden, manchmal kauzigen, meist jedoch liebenswerten Bewohner. Der Text ist eine Mischung aus Krimi, Liebesroman und Märchen.

Auch wenn mir die Handlung insgesamt ein wenig zu sehr konstruiert war, so hat mich die Geschichte doch stark in ihren Bann gezogen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Das Rubinhalsband
Autor: Henning Boetius
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 286
ISBN: 3442726395

Geheimcode Deep Purple

Erstellt am: Oktober 9th, 2007

Als sich der sowjetische Überläufer Igor Jakunin bei den Briten meldet und hochbrisante Informationen über einen Maulwurf im MI6 ankündigt, wird Eddi Hoggard zu seiner Vernehmung eingeteilt. Mißtrauen auf beiden Seiten behindert das Vorwärtskommen und Hoggart hat sich auch mit seiner problematischen Scheidung auseinander zusetzen.

Bald darauf taucht ein weiter Überläufer auf und behauptet, Jakunin sei ein Hochstapler und die von ihm stammenden Informationen großteils wertlos. Hoggart glaubt eher an Jakunins Version, kann aber keine Fakten zur Unterstützung seiner Intuition finden.

Der Autor Allbeury war während des 2.Weltkrieges selbst Mitglied des britischen Geheimdienstes und begann Anfang der siebziger Jahre mit dem Schreiben von Romanen. Er landet zwar immer wieder in den Bestsellerlisten, erreichte aber nicht den Bekanntheitsgrad von Carré oder Forsyth.

“Geheimcode Deep Purple”, der Titel hat übrigens nicht direkt mit der gleichnamigen Rockgruppe zu tun, ist eine klassischer Geheimdienstthriller mit KGB, MI6, Maulwurf und was sonst noch dazugehört. Ist der Anfang durch die vielen Handlungsstränge und Personen noch etwas holprig, bekommt das Buch bald einen zügigen Spannungsbogen und fesselt den Leser bis zur letzen Seite. Es kann sich durchaus mit den meisten bekannten Spionagethrillern messen, nur an die absoluten Meisterwerke des Genres reicht es nicht heran. Action sucht man allerdings meist vergeblich, der Plot und die Art ähnelt sehr “Dame, König, As, Spion” von Carré.

Titel: Geheimcode Deep Purple
Autor: Ted Allbeury
Verlag: Ullstein
Seiten: 286
ISBN: 3548243754


Zwinger, Semperoper, Brühlsche Terrasse, Kreuz- und als wiedererstandene Krönung die Frauenkirche: Dresden ist trotz all der Zerstörungen, die es erfahren musste, eine Stadt, die zu den herausragenden in Deutschland zählt. Im Hinstorff Verlag ist jetzt ein Bildband erschienen, der Dresdens Faszination aus einer weiteren Perspektive zeigt. Fotograf Jochen Knobloch ging mit seinem Motorsegler in die Luft und fotografierte die sächsische Hauptstadt aus etwa 660 Metern Höhe.

Nur selten hat ein Ort eine derart starke Ausstrahlung gewinnen können wie Dresden. Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass viele, die hier einmal gelebt haben, immer wieder zurückkehren. So auch Jochen Knobloch, der hier geboren wurde und seine ersten Lebensjahre verbrachte. Nachdem er sich in den vergangenen Jahren eher dem Norden des Landes widmete, hat er sich nun – unterstützt von Matthias Gretzschel – seine Heimat¬stadt zum Thema genommen. Dabei kam es ihm darauf an, nicht nur das Zentrum zu fotografieren, sondern auch die besonders stimmungsvollen Stadtviertel wie Blasewitz, Loschwitz und Laubegast, die Elbschlösser, das Blaue Wunder, den Großen Garten oder Pillnitz.

Und er schaut über die Stadtgrenzen hinaus, ist es doch gerade die abwechslungsreiche Umgebung, die Dresden zu einer besonders lebenswerten Stadt macht: Elbsandsteingebirge und Radebeul, Moritzburg, Meißen und jene Weinberge, die viel zum teilweise mediterranen Flair an der Elbe beitragen.

Bibliografische Angaben:
Jochen Knobloch (Fotos) / Matthias Gretzschel (Text)
Im Flug über Dresden und Umgebung
deutsch/englisch, Übersetzung: Margaret Will
Hinstorff Verlag, 128 Seiten, 90 Farbfotos
34,90 Euro
ISBN 978-3-356-01178-4

Der Fotograf:
Jochen Knobloch, geboren 1941 in Dresden, ist seit 1966 als freier Fotograf tätig. Seine Aufnahmen wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und u. a. in Magazinen wie dem »Stern« und »Mare« veröffentlicht.

Der Autor:
Matthias Gretzschel, 1957 in Ortrand bei Dresden geboren, arbeitet seit 1990 als Feuilletonredakteur beim Hamburger Abendblatt. Er hat zahlreiche Bücher zu kulturgeschichtlichen Themen verfasst, besonders über Dresden und über Hamburg.

Verlag:
Mit mehr als 300 lieferbaren Titeln und jährlich rund 40 Novitäten bietet der traditionsreiche Hinstorff Verlag in Rostock ein anspruchsvolles Programm in den Bereichen Bildband, Sachbuch, Maritimes, Belletristik, Kochbuch, Kinder- und Hörbuch sowie Niederdeutsch. Im Jahr 2006 feierte Hinstorff sein 175-jähriges Jubiläum.

Alexandra Kauka stellt neue PRIMO Buchreihe

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stellt Alexandra Kauka, CEO Kauka Promedia und Ehefrau des verstorbenen Comic-Pioniers Rolf Kauka am Mittwoch, den 10. Oktober 2007 um 11.00 Uhr im Comic-Zentrum (Podium) der Halle 3.0 die neue Comic-Buchreihe PRIMO-Comics vor. Im ersten Band erlebt ANDRAX seine langerwartete Neuveröffentlichung.

PRIMO war bis 1975 ein Comic Magazin des Kauka Verlages, in dem hauptsächlich realistisch gezeichnete Comic Serien veröffentlicht wurden. Als Hardcover-Buchreihe wird PRIMO nun unter dem Namen PRIMO Comics fortgesetzt. ANDRAX wurde im Auftrag von Rolf Kauka vom damaligen Redaktionsdirektor Peter Wiechmann und dem katalanischen Zeichner Jordi Bernet initialisiert und umgesetzt. Michael Rush, ein überragender Zehnkämpfer, soll nach einem Experiment des wahnsinnigen Genies Professor Magor 2.000 Jahre in der Zukunft in einer vermeintlich perfekten Welt aufwachen. Doch die Menschheit ist in eine barbarische Gesellschaftsform zurückgefallen. Andrax, wie er nun genannt wird, sieht sich ganz neuen und unbekannten Gefahren ausgesetzt und sogar Dinosaurier ähnlichen Wesen gegenüber. Aber auch wenn ANDRAX in der Zukunft spielt, ist diese Serie doch keine reine Science-Fiction. Mittelalterliche Szenarien wechseln sich mit futuristischen Kulissen ab, und Andrax muss sich in epischen Kämpfen gegen Monster und Maschinen seiner Haut erwehren. Dabei ist Andrax immer auf der Suche nach den Ursachen für die Veränderung auf der Erde.

Kauka’s Partner für diese hochwertige Buchreihe ist der renommierte Cross Cult Verlag, der bereits Frank Millers “Sin City” und “300” veröffentlichte. Im Anschluss an diese Präsentation signiert Alexandra Kauka erste Bücher und steht für Fragen und Fotos zur Verfügung. Unterstützt wird Alexandra Kauka von Andreas Mergenthaler, Geschäftsführer von Cross Cult und Michael Semrad, Managing Director der Kauka Promedia.

Ocean’s Eleven

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

„Das Bildnis hing an einem Ort, den man einen Widerspruch in sich hätte nennen können – an einem höchst unwahrscheinlichen Ort: einer Kunstausstellung in einem Kasino. Terry Benedict nannte es lieber die Bellagio-Hotel-Galerie. In der Welthauptstadt des Neons, des Kitsches und des schlechten Geschmacks, wo die gesellschaftlichen und ästhetischen Wert der westlichen Gesellschaft auf den Kopf gestellt werden, sofern man sie nicht gleich sterben ließ, hatte ein Kunstobjekt von großer Schönheit und großem Wert seinen Platz gefunden.“

Zwar haben es die smarten Gentleman-Gangster in „Ocean’s Eleven“ nicht auf Kunstwerke abgesehen, sondern eher auf schnöden Mammon, aber dieser kurze Auszug aus dem vorliegenden Buch zeigt sehr deutlich, in welcher glitzernden Atmosphäre sich die Story entfaltet. Im Mittelpunkt steht der Ex-Sträfling Daniel Ocean, der einen raffinierten Plan ausgeheckt hat: 150 Millionen Dollar Beute warten auf das Verbrecher-Team, dem es gelingt, gleich drei Casinos in Las Vegas auszurauben. Auf dem Weg dorthin stehen ihm allerdings drei Probleme im Weg: Er muss sein Team aus alten Tagen reanimieren, den Raubzug durchführen und mit der Tatsache klarkommen, dass seine Exfrau Tess mittlerweile mit einem der Casino-Besitzer liiert ist…

Bereits 1967 wurde „Ocean’s Eleven“ schon einmal verfilmt, damals unter dem Namen „Frankie und seine Spießgesellen“ und mit Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. prominent besetzt. Doch die Besetzung des Remake setzt noch einen oben drauf: Darsteller wie George Clooney, Brad Pitt und Julia Roberts lesen sich wie ein Who is Who der Hollywood-Stars und auch Regisseur Steven Sonderbergh ist kein unbeschriebenes Blatt. Für ihn dürfte „Ocean’s Eleven“ allerdings nur wenig mehr als eine Gelegenheit, seine Fähigkeiten darzustellen, gewesen sein. Und so ist ein äußerst unterhaltsamer Film dabei herausgekommen, der allerdings nicht sehr lang im Gedächtnis nachhallt. Und was auf den Film zutrifft, trifft auch auf das vorliegende Buch zum Film zu: Amüsant, kurzweilig und schnell wieder vergessen.

Fazit: „Ocean’s Eleven“ ist ein kurzweiliges geschriebenes Buch zu einem der Blockbuster dieser Saison, doch genauso wie der Film wird auch das Buch nach dem Genuß schnell in Vergessenheit geraten. (Tino Hahn)

Titel: Ocean’s Eleven
Autor: Dewey Gram
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 224
ISBN: 3453209419

Der Schatten des Herrn

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Der in die hinterste Provinz versetzte Pater Azetti erfährt bei einer Beichte ein schier unglaubliches Geheimnis und fährt nach Rom um dem Vatikan darüber zu berichten. Durch eine undichte Stelle erfährt auch der radikal konservative Laienorden “Umbra Domini” davon.

In Amerika wird eine junge Frau und ihr Sohn ermordet und der Täter schwer verletzt gefasst. Ihr Bruder Joe Carpenter ist Inhaber eines großen Detektivbüros und er beginnt Nachforschungen über den Grund des Mordes anzustellen. Der Mörder, ein Italiener entkommt und Joe reist selbst nach Italien und verfolgt eine Spur in der Vergangenheit.

Dort stößt er erstmals auf den “Umbra Domini” und eine Klinik, wo seine Schwester sich einst künstlich befruchten ließ. Bald geraten er und einige seiner Mitarbeiter in ernsthafte Gefahr und Joe entdeckt weitere Mordopfer, die einst Patienten dieser Klinik waren.

Einer der zahlreichen zur Zeit erscheinenden Thriller im katholischen Umfeld. Indem Case nicht verrät, was der Inhalt dieser Ominösen Beichte am Beginn der Geschichte ist, bringt er zusätzliche Spannung in die auch so schon mitreißende Handlung ein. Aber auch ohne diesen einfachen, aber wirkungsvollen Trick hat der Autor aus der originellen Idee einen hervorragenden Roman gemacht.

Die Geschichte selbst hält sich im großen und Ganzen mit der gegenseitigen Verfolgung von Jägern und Gejagten, einer Verschwörung und Ähnlichem an die üblichen Klischees bei Thrillern. Aber das Alles ist gekonnt geschrieben und bietet alles was man von einem solchen Buch erwarten kann und hält den Leser bis zum Schluss bei der Stange.

Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Der Schatten des Herrn
Autor: John F. Case
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 588
ISBN: 3404128753

Der Affe und der Tiger

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

DER MORGEN DES AFFEN

Als eines Morgens Richter Di auf seiner Veranda die im angrenzenden Wald vorbeiziehenden Gibbons beobachtet, bemerkt er, dass einer davon einen Ring mit sich herumträgt. Richter Di gelingt es, den Affen so abzulenken, dass er das Interesse an dem Ring verliert und ihn fallen lässt. Neben seinen üblichen Verpflichtungen versucht er die Herkunft des Ringes herauszufinden. Als er von einer einsam gelegenen Behausung in dem Wald erfährt, begibt er sich mit einigen seiner Untergebenen dorthin und findet den ermordeten Eigentümer des Ringes dort. Sogleich macht er sich mit Hilfe seines gewitzten Gehilfen Tao Gan an die Aufklärung des Falles.

DIE NACHT DES TIGERS

Richter Di ist auf einen hohen Staatsposten befördert worden und befindet sich auf der Reise in die Hauptstadt um diesen anzutreten. Zu dieser Zeit gibt es überall durch heftige Regenfälle verursacht Überschwemmungen. Als er seiner Begleitung weit vorausreitend eine Brücke über einen über die Ufer getretenen Fluß hinüber reitet, bricht diese knapp hinter ihm zusammen. Gezwungenermaßen reitet er allein weiter. Einen ihn bedrohenden Wegelagerer kann er mühelos in die Flucht schlagen und bald trifft er auf ein einsam gelegenes, gut befestigtes Landhaus. Dort erfährt er, dass die Gegend vom Hochwasser komplett abgeschnitten wurde und das Landgut mit seinen Bewohnern und zahlreichen Flüchtlingen von einer großen, sich „Fliegende Tiger“ nennenden Räuberbande bedroht wird.

Zu allem Übel ist auch noch am vorhergehende Tag die Tochter des schwer kranken Besitzers gestorben und Richter Di bekommt ihr ehemaliges Zimmer zur Übernachtung zur Verfügung gestellt. Als er sich dort umsieht, kommen ihm die Umstände ihres Todes seltsam vor und er beschließt in dieser Sache Nachforschungen anzustellen.

Der Autor der Richter Di-Romane ist der mit sämtlichen mittelalterlichen Lebensumständen in China vertraute Sinologe Robert van Gulik. Als er 1949 einige der klassischen Kriminalberichte der historisch realen Figur des Richters Di übersetzt, beschließt er, selbst fiktive Krimis mit dieser Figur zu schreiben. Dadurch entstanden die mittlerweile zu den Klassikern des Genres der Historischen Krimis gehörenden Romane um den legendären Richter Di die er allerdings in der Ming-Ära (1368-1644) spielen lässt. Der historische Richter Di lebte in der Tang-Epoche Chinas (618-905). Dieser kleine Kunstgriff schadet der Authentizität der geschilderten Lebensumstände der Ming-Ära aber in keiner Weise.

Die beiden kurzen Geschichten in „Der Affe und der Tiger“ sind gediegene, unaufdringliche Krimis mit jeweils einer klassischen Mördersuche. Der Autor versucht nirgends dem Leser sein ausführliches Wissen um diese Zeit aufzudrängen sondern konzentriert sich ausschließlich auf das Erzählen der Geschichte. So bleiben zwei kurze, gute Mörderjagdgeschichten, bei denen man sich aber darauf verlassen kann, dass die Kulisse dem Kenntnisstand der Forschung weitgehend entspricht. Diese Spannende Unterhaltung mit einem denkbar unaufdringlichen Geschichtsunterricht entspricht wohl den Idealvorstellungen für einen historischen Krimi.

Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Der Affe und der Tiger
Autor: Robert van Gulik
Verlag: Diogenes
Seiten: 152
ISBN: 3257216246

Im Zeichen der Sechs

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Arthur Conan Doyle, der erfolgreiche Autor der Sherlock Holmes Bücher wird im September 1894 von seinem amerikanischen Verleger zu einer Reise in die USA eingeladen. Zehn Jahre nach seinem Abenteuer mit Jack Sparks und der teuflischen Bruderschaft der Sieben wird Doyle bei der Überfahrt erneut in seltsame Ereignisse hineingezogen. Eine Gruppe geheimnisvoller Mörder versucht dem Juden Lionel Stern ein altes, einzigartiges religiöses Buch zu stehlen.

Etwa zur gleichen Zeit werden der japanische Shinto-Priester Kanazuchi, der Rabbi Jakob Stern und die Indianerin “Die Allein Geht” von seltsamen Träumen zu einer Reise zu einem dunklen Turm in einer Wüste gedrängt. In Amerika angekommen trifft Doyle auf einen alten Bekannten und den ursprünglich aus Indien stammenden Rechtsanwalt und Zauberkünstler “Presto” Peregrine Raipur die ebenfalls von diesen Traum heimgesucht werden. Wie sich herausstellt, sind auch andere heilige Bücher gestohlen worden und die Mörder sind noch immer hinter Lionels Buch her.

Inzwischen läßt Reverend A.Glorios Day die Stadt “The New City” und eine gewaltige schwarze Kirche von seinen Gläubigen in der Wüste Arizonas aufbauen …

Der Nachfolgeroman von “Sieben” hat mir noch deutlich besser gefallen als Frost Erstlingswerk. Die Geschichte ist spannender und zielstrebiger erzählt.

Aber vor allem gelingt es Frost den verschiedenen Protagonisten und den Teilen des Romans, wo sie jeweils die Hauptrolle spielen durch die Verwendung eines jeweils eigenen, typischen Schreibstils einen besonderen Reiz zu geben. Obwohl ich das englische Original nicht kenne, und so den Unterschied nicht beurteilen kann, hat das für mich auch der Übersetzer Rainer Schmidt in hervorragender Weise in der deutschen Ausgabe geschafft.

Der unaufdringliche Humor und eine oft ironische Schilderung der Ereignisse locken dem Leser immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht. Vor allem den typisch britischen Humor und den die unverkennbare jüdische Selbstironie hat der Autor zielsicher getroffen.

Mark Frost hat sich mit “Im Zeichen der Sechs” gesteigert und in die erste Liga der Autoren von Horror- und Mysterygeschichten hineingeschrieben.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Im Zeichen der Sechs
Autor: Mark Frost
Verlag: Heyne
Seiten: 540
ISBN: 3453131029

Kurt Ostbahn, Blutrausch

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Kurt Ostbahn, ein Rockmusiker, wird im Cafe Rallye Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Freunden Rudi und Wickerl. Auf dem Nachhauseweg findet er den übel zugerichteten Wickerl ermordet auf, meldet aber nichts bei der Polizei. Die sucht ihm am nächsten Tag auf und konfrontiert ihn mit einer bei dem Toten gefundenen, gefälschten, auf ihn ausgestellten Rechnung über eine Unmenge Musik-CDs und Videos.

Er erzählt seinen Freunden “Trainer” und “Doc Trash” davon, und sie beginnen der Sache nachzuforschen. Wobei er selbst kurz darauf in dieser Tätigkeit durch das Kennen lernen einer atemberaubenden Schönheit erheblich gestört wird. Die Spuren führen zu dubiosen Geschäftemachern in der Musikbranche bis zu Teufelskulten mit einer Vorliebe für Sado-Maso-Spielchen.

Die Hauptfigur Kurt Ostbahn, mit bürgerlichen Namen Willi Resetarits, dürfte auch in Deutschland einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen.

Der Roman ist in einer lockeren, temporeichen Sprache geschrieben, durchsetzt von typisch wienerischen Ausdrücken und Schmäh. Mit diesen Ausdrücken mag mancher Leser aus der “Piefkei” (Zitat) möglicherweise Probleme haben, wobei auch das 1 ½ seitige Wörterbuch am Ende des Buches nichts Entscheidendes ändern wird können. Es bietet eher zusätzlichen Unterhaltungsstoff für den Kenner beider “Sprachen”. Wer den Wiener Schmäh mag, bekommt einen unterhaltsamen und witzigen Krimiroman mit interessanten bis kuriosen und meist trinkfesten Protagonisten geliefert, der auch eine durchaus ansprechende Handlung und einen nicht oft zu findenden Unterhaltungswert zu bieten hat.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Kurt Ostbahn, Blutrausch
Autor: Günter Brödel
Verlag: Heyne
Seiten: 223
ISBN: 3453123921

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