Auf nach Taka-Tuka-Land! ARD und Börsenverein feiern 100 Jahre Astrid Lindgren
Erstellt am: Oktober 23rd, 2007100 Jahre Astrid Lindgren – die ARD und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels feiern mit einer Radionacht für Kinder am 16. November 2007 ein großes Geburtstagsfest für die schwedische Autorin. “Mit der ARD-Radionacht für Kinder machen wir die großartigen Geschichten Astrid Lindgrens zum Erlebnis und zeigen, was man aus Büchern alles machen kann. Das fördert spielerisch den Umgang mit Literatur”, sagt Lothar Sand, Leiter der Leseförderung im Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Von 20.05 Uhr bis 1 Uhr räumen Bayern 2 Radio, hr2 kultur, MDR Figaro, NDR Info, nordwest radio, radio Berlin, SR 2, SWR 2 und WDR 5 die Sendeplätze und strahlen in dieser Zeit ausschließlich Lesungen, Hörspiele, Reportagen, ein Quiz und Comedy rund um Astrid Lindgrens Kinderbuch-Helden aus. Kinder können mit ihren eigenen Aktionen dabei sein und allein, mit Freunden oder der Schulklasse ihre Astrid-Lindgren-Nacht gestalten. Bisher haben sich bereits rund 4.500 Schulen angemeldet. Auch Buchhandlungen in ganz Deutschland schließen sich der Aktion an und kreieren Veranstaltungen rund um das Jubiläum.
Leseförderung gehört zu den zentralen Aufgaben des Börsenvereins: Seit 1959 führt der Verband unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten den Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels durch, die größte Leseförderungsinitiative Deutschlands. Durch den bundesweiten Wettbewerb “Ohr liest mit” fördert der Börsenverein die Lese- und Hörkompetenz von Kindern und Jugendlichen und schult den kreativen Umgang mit Literatur. Für die ARD-Radionacht hat das Referat Leseförderung alle Grundschulen Deutschlands zur Teilnahme eingeladen.
Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß
Erstellt am: Oktober 23rd, 2007Die meisten Leser kennen Umberto Eco vor allem als Autor des Romans “Der Name der Rose” und wussten lange Zeit nicht, dass Eco im Hauptberuf Professor für Semiotik an der Universität von Bologna ist. Aber nicht nur das. Seit 1985 schreibt er regelmäßig für das römische Nachrichtenmagazin “L’Espresso” die Kolumne “La Bustina di Minerva”. Der Titel wie auch die deutsche Übersetzung “Streichholzbriefe” spielt auf jene kleinen Streichholzbriefe an, auf die man Adressen, Telefonnummern und alle möglichen Einfälle notieren kann. Einige dieser Texte, mit denen Eco, nach eigenem Bekunden, in heiterer Form auf das reagierte, was ihn ärgerte, liegen jetzt in deutscher Übersetzung in einem schmucken Bändchen vor.
Unter der Frage: “Gibt es einen gerechten Krieg?” erinnert der Schriftsteller an den Kalten Krieg in den fünfziger Jahren und stellt fest, dass sich seit dem Punischen Krieg einiges geändert habe. Er äußert sich über den Golf- und Kosovokrieg, über Rushdie und die Auswirkungen der zunehmenden Migration, überlegt, angesichts des Endes des kommunistischen Ostblocks, was wohl der Zusammenbruch eines Imperiums kosten mag? Dann wieder schlägt er vor, die Vollstreckung der Todesstrafe live im Fernsehen, am besten während des Abendessens, zu übertragen, insbesondere für jene, die immer noch für die Todesstrafe plädieren.
In einem Beitrag zeigt er, wohin es führen kann, wenn man sich streng nach den Regeln der Political Correctness richtet. Es folgen italienische Binnenansichten, zum Beispiel über Andreottis Mafiaprozess und über geschmacklose Fernsehsendungen, von der wir in der Bundesrepublik ebenfalls ein Lied singen können. Fred Astaire und Ginger Rogers, meint Eco an anderer Stelle, hätten die italienische Politik erfunden, weil sich mit ihnen jenes Modell des Lebens als Schau(oder Show) und der Schau als Leben durchgesetzt habe, das heute unsere Gesellschaft beherrscht.
Ferner nimmt der Autor Verhaltens- und Redeweisen, Manien und Moden ironisch unter die Lupe. Sogar die Derrick-Serie wird von seinem Spott nicht verschont. Wie bei uns erfreute sie sich in Italien großer Beliebtheit, obwohl es dafür, laut Eco, keinen triftigen Grund gibt, denn hier sei, bei Licht betrachtet, doch alles recht mittelmäßig: der Held, der Plot und Derricks Gehilfe Harry, “der offensichtlich ohne vorgängigen Intelligenztest in die bayerische Polizei übernommen worden ist.”
Eco erläutert, warum Fußball eine sexuelle Perversion ist. Leider sei er, Eco, in seiner Kindheit und Jugend als “Meister des Eigentores” zu wichtigen Spielen nie zugelassen worden, bedauert er heute. Er unterscheidet zwischen Büchern zum Nachschlagen und Büchern zum Lesen und stimmt ein Loblied auf die Klassiker an, weil diese moderner waren als wir es heute sind. Er beschreibt den “Heiligen Krieg zwischen Macintosh und Dos”(übrigens wussten Sie schon, dass Macintosh katholisch und Dos protestantisch ist?), liefert die Chronik einer sündigen Nacht und erklärt, wie man sich heiter auf den Tod vorbereitet. Bei alledem erweist sich der Schriftsteller als exzellenter Spurenleser und glänzender Parodist. Intelligent, scharfzüngig und dabei stets unterhaltsam versteht er es, in seinen Glossen, Polemiken, Satiren und Beobachtungen durch unerwartete Wendungen jedem Thema neue Aspekte abzugewinnen. (Einige von Ecos Kurzgeschichten gibt es mittlerweile schon als eBook.) (UH)
Titel: Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß
Autor: Umberto Eco
Verlag: Hanser Verlag
Seiten: 186
ISBN: 3446199063
Der kirschrote Schuh
Erstellt am: Oktober 23rd, 2007‘Juanéis empfand plötzlich eine warme Zuneigung für seinen Freund. Er wußte allerdings nicht so recht, wieso: ob es an der Müdigkeit lag, am Marihuana, an der Kälte, an der gemeinsamen Mutlosigkeit. Er hätte ihm gern den Arm um die Schultern gelegt wie früher, als sie zusammen zur Schule gegangen und enge Freunde gewesen waren.’
Juan und Sergio sind trotz offensichtlichster Gegensätzlichkeiten Freunde – bis sie eines Abends zu Rivalen werden, weil jeder von ihnen denkt, nur er allein wäre mit der geheimnisvollen Sara in einer Madrider Bar verabredet. Reichlich alkoholisiert und unter Drogen landen die drei im Retiro-Park und ergattern ein Ruderboot. Als die beiden Männer Sara für einen Moment aus den Augen lassen, passiert etwas Unfassbares: das Boot dümpelt plötzlich leer – bis auf Saras kirschroten Schuh – auf dem See. Trotz der Befürchtung, dass Sara ertrunken sein müsse, machen sich Juan und Sergio im nächtlichen Madrid auf die verzweifelte Suche nach der Frau, die sie ebenso entzweit wie vereint.
In den Mittelpunkt seines rasanten und ebenso kurzweiligen wie tiefgründigen Romans “Der kirschrote Schuh” stellt Ignacio García-Valino das alte Thema einer Dreieicksbeziehung, der er allerdings völlig neue Aspekte und Nuancen verleiht. Mehr noch beeindruckt er jedoch mit der ausgefeilten, in ein stilistisches Wechselbad getauchten Beschreibung der Charaktere seiner Protagonisten.
Ignacio García-Valino wurde 1968 in Zaragoza geboren und ist als Psychologe tätig. Er machte als Drehbuchautor für Kinofilme auf sich aufmerksam und verfasste seitdem nebst einem Erzählband drei Romane, von denen “La Caricia del Escorpión” 1998 in die Shortlist des renommierten Premio Nadal aufgenommen wurde. “Der kirschrote Schuh” ist der erste Roman des Autors, der ins Deutsche übersetzt wurde. (Ensa Maurer)
Titel: Der kirschrote Schuh
Autor: Ignacio García-Valino
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Seiten: 352
ISBN: 3630870856
Griff in den Staub
Erstellt am: Oktober 23rd, 2007Der Nobelpreisträger William Faulkner(1897-1962)ist einer der bedeutendsten amerikanischen Romanciers des 20.Jahrhunderts. “Vor die Wahl gestellt, zwischen dem Leid und dem Nichts, wähle ich das Leid,” sagte er einmal. Sein Engagement galt den Leidenden, den Benachteiligten auf dieser Welt. Das zeigt sich auch in dem 1948 in Amerika und 1951 in deutscher Übersetzung veröffentlichten Roman “Griff in den Staub”. Er spielt im Süden der Vereinigten Staaten, in dem längst zum Mythos und zur Legende gewordenen Landstrich beidseits des Mississippi, den der Autor Yoknapatawpha nannte und in dem auch er zu Hause war.
Der Farbige Lucas Beauchamp – in den Südstaaten sprach man von Neger oder schlimmer noch von Nigger – war ins Gefängnis eingeliefert worden, weil er am Abend zuvor einen Weißen umgebracht haben soll. Keiner im Landkreis dachte daran, ihm, dem schwarzen Mörder, zu helfen. Aber dann fand sich doch jemand: der sechzehnjährige Charles Mallison junior, der zusammen mit seinem Freund Aleck Sander und Miss Habersham das Unmögliche möglich machte. Er bewerkstelligt die Exhumierung des Ermordeten, wobei sich herausstellt, dass der Mord nicht mit Lucas’ altem einundvierziger Colt verübt worden war, sondern mit einer deutschen Luger-Pistole. Auch Charles’ Onkel, von Beruf Rechtsanwalt, der zunächst gesagt hatte, er verteidige keine Mörder, “die Leute hinterrücks erschießen”, ist plötzlich mit von der Partie. Selbst Sheriff Hampton lässt sich am Ende von Lucas’ Unschuld überzeugen.
Obgleich Faulkner sich hier der Mittel der Detektivgeschichte bedient, ging es ihm um mehr als um einen simplen Krimi, ihm ging es vor allem darum, das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß in den Südstaaten und das dort herrschende Rassenproblem zur Sprache zu bringen. Drückte doch schon die Feststellung “er ist ein Neger” in dieser Gegend in früheren Zeiten ein negatives Urteil aus, hinter dem sich eine Welt voll Verachtung verbarg.
Allerdings ist der Roman wegen seiner inneren Monologe und weitschweifigen Reflexionen und seiner nicht enden wollenden Sätze nicht einfach zu lesen. Zumindest braucht man etwas Zeit und Geduld, um sich einzulesen und um die Feinheiten des Textes zu erkennen: seine subtile Architektonik und ausgefeilte Erzähltechnik. Doch sobald man sich damit vertraut gemacht hat, gewinnt die etwas umständlich entfaltete Geschichte an Spannung und Dramatik.
Zudem verrät sie die enge Beziehung des Autors zur Landschaft beidseits des Mississippi und eine intime Kenntnis ihrer Bewohner, ihrer Traditionen und Legenden. Faulkner lässt seine Gedanken über die Stellung der Südstaaten und die Politik der Nordstaaten miteinfließen und seinen Protagonisten Charles über die Geschichte seines Landes reflektieren und sich in Visionen ergehen. “Eines Tages wird Lucas Beauchamp”, glaubt und träumt Charles, “einen Weißen hinterrücks niederschießen können, ohne sich der Bestrafung durch Lynchstrick oder Benzin mehr auszusetzen als ein Weißer; bald wird er ein Wahlrecht ausüben, wann und wo immer das ein Weißer tun kann” und dergleichen mehr.
Wie gesagt, eine nicht ganz leichte, aber auch heute noch lohnende Lektüre. (Ursula Homann)
Titel: Griff in den Staub
Autor: William Faulkner
Verlag: Diogenes Verlag
Seiten: 222
ISBN: 3257201516
Figurentheater
Erstellt am: Oktober 23rd, 2007Das „Figurentheater“ von Raymond Dittrich handelt von Gauklern und Gedichten. „Figurentheater“ ist ein Gedichtband, gegriffen aus dem Leben, handelt vom Alltag.
Dittrich arbeitet als Musikbibliothekar in Regensburg. Er veröffentlichte musikwissenschaftliche Beiträge und Gedicht in Anthologien. „Figurentheater“ fängt das Leben ein. All seine Gedichte, wie z. B. „Stechuhr“, „Hafenkneipe“ oder „Werbewelten“ sprechen Situationen an, die wir kennen, selbst erlebt haben.
„Figurentheater“ beginnt mit den Zeilen „Gaukler stehen vor unseren Toren.“ Doch was haben Gaukler mit Gedichten zu tun? Für den Autor ist dies recht einfach, Gaukler und Gedichte ähneln einander. Beide fangen das Leben ein, sowohl in Bild als auch mit Worten.
Auf 60 Seiten gibt Dittrich Gedichte über das tägliche Leben zum Besten. (Patrick Fiekers)
Titel: Figurentheater
Autor: Raymond Dittrich
Verlag: Wiesenburg Verlag
Seiten: 60
ISBN: 3932497422
In den Morgen hinein ballt sich die Wahrheit zusammen
Erstellt am: Oktober 23rd, 2007In Eigenproduktion ist der Gedichtband „In den Morgen hinein ballt sich die Wahrheit zusammen“ von Rank Reinhard erschienen. Reinhard hat seine Gedichte im Books On Demand – Verfahren veröffentlicht.
„Neue Gedichte“ lautet der Untertitel des Buches. Seine Gedichte sprechen mit jeder Silbe etwas anderes an. Er bedient sich dabei verschiedenen Sprachtypen. Zum Teil bedient er sich der Alltagssprache, spricht von alltäglichen Dingen. Die Titel seiner Gedichte lauten „Pflanzentod“, „Christi Höllenfahrt“ oder „Löwenzahntraum“. Auf knapp 100 Seiten hat der Autor zahlreiche Gedichte zusammengetragen.
Er schreibt über alltägliche Dinge, über Last und Leid. Fünf Bereiche in dem Buch sind mit verschiedenen Gedichten bestückt:
- Und wenn Ihre Dunkelheit in Dich hineinströmte, wurde Sie Blut
- Aber in Deinen Gedanken stößt Du Sie an, das kannst Du.
- Eine Idee sei doch zumindest erlaubt
- Nur ein zuckender Punkt unterm wandernden Himmel
- Meine Mutter hat sich im See der Toten gewaschen (Patrick Fiekers)
Titel: In den Morgen hinein ballt sich die Wahrheit zusammen
Autor: Frank Reinhard
Verlag: Books On Demand
Seiten: 102
ISBN: 3898112004
Oben lag der Apennin, unten legte ich mich hin
Erstellt am: Oktober 23rd, 2007Warum denn immer nur Romane besprechen, warum nicht auch einmal einen Gedichtband?
Vor allem, wenn es sich dabei um so ein durch und durch heiteres und erheiterndes Büchlein handelt, wie dieses?
Carola Rönneburg veröffentlicht als Herausgeberin eine Sammlung witziger Verse, die im Laufe der Zeit in einer Rubrik der “taz” erschienen. Die Gedichte stammen von verschiedenen Autoren und sind pfiffig, humorvoll, oft mit überraschenden Pointen und verblüffenden Endreimen. Es geht in den flotten Versen meist um ganz banale Alltagsdinge – ums frühe Aufstehen, um Zahnschmerzen, Tierfilme, den Berliner Spätwinter, die S-Bahn, um Wahlwerbung, um gutes Essen und ebenso guten Wein oder um ein schwedisches Möbelhaus, doch erfreut uns das Buch auch mit herrlich blühendem Unsinn, wie stolzen Beutelwölfen, lateinischen Postkartengrüßen und fröhlichen Nilkrokodilen.
Die Gedichte heben sich wohltuend ab von der seufzend tränenschweren Poesie, die leider immer noch allzu häufig in den Feuilletons der “seriösen” Tageszeitungen zu finden sind; aber sie sind handwerklich perfekt gemacht – keine holprigen Knüttelverse, kein “Reim’ dich oder ich freß’ dich”. Die Gedichte sind genau richtig, um einen nach einem frustrierenden Arbeitstag wieder aufzuheitern, um in ein verregnetes Wochenende doch noch ein paar Sonnenstrahlen zu bringen.
Der Band ist auch bestens zum Verschenken geeignet; für eine liebe Freundin zum Geburtstag, als Mitbringsel ans Krankenbett, als kleine Weihnachtsgabe für Leute die schon fast alles haben und, und, und ….
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”
Titel: Oben lag der Apennin, unten legte ich mich hin
Autor: Carola Rönneburg
Verlag: Edition Nautilus
Seiten: 112
ISBN: 3894012919
Buddhas kleiner Finger
Erstellt am: Oktober 22nd, 2007Pjotr ist Insasse einer psychiatrischen Klinik weil glaubt, seine wahre Identität wäre die des Adjutanten von Tschapajew, eines in Russland legendären Feldkommandanten der Roten Armee während des Bürgerkrieges. Dieser geheimnisvolle Tschapajew rettet ihn aus einer prekären Situation und nimmt ihn als Politkommissar zu sich. Dabei lernt Pjotr auch die schöne Maschinengewehrschützin Anna kennen, der er oft aber vergeblich näher zu kommen versucht.
Zwischendurch “träumt” er immer wieder von der Nervenklinik und den etwas eigenartigen Heilungsverfahren eines Professors. Auch die Geschichten seiner drei Zimmerkollegen erlebt er auf diese Weise sehr realitätsnah mit.
Von ausgiebigen Alkohol- und Drogenkonsum begleitet, bringt ihm Tschapajew die buddhistische Lehre näher und die ganze Sache wird dadurch zunehmend irreal.
Das Buch ist bei den meisten Literaturkritikern in den höchsten Tönen gelobt worden. Mir selbst hat es sich nicht ganz erschlossen, was vermutlich an mir liegt. Mein Eindruck war der eines durch Drogen und Alkohol ziemlich umnebelten und, dadurch angeregt, mit Begeisterung ziemlich abgedrehten philosophischen Gesprächen frönenden Siddhathra im heutigen Russland.
Die Handlung selbst ist schon in hohem Maß skurril, aber diese ausgiebigen Dialoge um die Nichtexistenz allen Seins machen den Roman zu einen nicht einfach zu lesenden Lektüre. Man sollte das Nachwort vor der Geschichte selbst lesen, wenn man sich das Verstehen leichter machen will. Ein vielschichtiges, nicht so zum zwischendurchlesen geeignetes Buch.
Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Buddhas kleiner Finger
Autor: Viktor Pelewin
Verlag: Volk & Welt
Seiten: 422
ISBN: 3353011404
Roman eines Schicksallosen
Erstellt am: Oktober 22nd, 2007Imre Kertész war selber von 1944-1945 im Alter von fünfzehn Jahren in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Buchenwald. In seinem Roman eines Schicksalslosen beschreibt er aus der Perspektive des fünfzehnjährigen Jungen seine eigene Geschichte. Mit tiefer Beklemmung geht man seinen Weg mit : naiv und unvoreingenommen beginnt er seine Reise ,ja, es fällt ins Auge , dass seine Berichte fast durchweg von den Attributen“ verständlicherweise“ und “natürlich“ komplettiert werden. Es scheint ihm in der Tat vieles logisch und schlüssig, so wie er seine Erfahrungen macht. Nach und nach sieht man sich den unmenschlichen Transporten in die Lager, dem Hunger, dem Durst, der Kargheit der Unterkünfte, schließlich Krankheit , Entmenschlichung und dem Tod gegenüber. Am Ende beschreibt er seine Erfahrungen als eine, in der die “ Zeit“ eine gewichtige Rolle spielt. Ohne die Zeit , die langsam vergeht, und die immer weiter geht, wie er selbst, die langsam zu den unmenschlichen Orten und Zuständen führt “könnte man das nicht ertragen haben “. Wie ein Somnambuler erscheint einem der Erzähler im Laufe des Berichtens. Dass das Erlebte eigentlich nicht beschreibbar ist,– so wird es dem Leser am Ende bedeutet. Nur im Miterleben durch die Augen des Jungen bekommt man eine Ahnung des Grauens. Und dass sogar an diesen Orten so etwas wie Glück möglich war , dass diese Erfahrung des Gefühls von Glück wichtig war, als Ausdruck dessen , was den Menschen ausmacht. Daß er sein nicht fortsetzbares Dasein fortsetzen werde,– weil das Leben zu leben am Ende alles andere übertönen wird. Wer eine Vorstellung vom Grauen in den Konzentrationslagern erlangen will, der sollte das Buch unbedingt lesen. Es ist sensibel und still geschrieben und berührt den Leser sehr. (Claudine Borries)
Titel: Roman eines Schicksallosen
Autor: Imre Kertész
Verlag: Büchergilde Gutenberg ,Rowohlt Verlag
Seiten: 487
ISBN: 3763246770
Die Unwissenheit
Erstellt am: Oktober 22nd, 2007In diesem mit Leichtigkeit geschriebenen Roman hat Kundera die “Unwissenheit” zu seinem Thema gemacht.
Die Protagonisten der Erzählung , Irena und Josef, haben anfänglich nichts miteinander zu tun.
Nach der russischen Besetzung 1969 ist Irena mit ihrem Mann von Prag nach Paris emigriert, und Josef hat es nach Skandinavien verschlagen.1989 kommen beide unabhängig voneinander zurück, um sich auf Spurensuche zu begeben. Irena muss erleben, dass niemand von denen, die zu Hause geblieben sind, sich wirklich für ihr Leben in den vergangenen zwanzig Jahren interessiert. Man hört dem, der fortgezogen ist , nicht zu. Nur durch Zuhören könnten die Zurückgebliebenen etwas vom Leben in der Fremde erfahren. Keiner will es wissen. So bleibt ihr vergangenes Leben für die Freunde in der Heimat durch Unwissenheit verhüllt. Verpackt in die Lebensgeschichte von Irena und Josef ersteht vor dem Auge des Lesers eine philosophische Weltbetrachtung, die voller Erkenntnisse und Lebensweisheiten ist. Aus den Erfahrungen der beiden Hauptfiguren ersinnt der Autor Spielregeln des Lebens , die der Leser in seinem eigenen Leben wiederfinden könnte. Die Unwissenheit ist es ,mit der wir im Leben manches tun, erfahren und erleben . Ob in der Liebe, in den Beziehungen von Kindheit an, ob im Beruf , auf der Flucht oder in der Heimat ,– es ist die Unwissenheit, die uns für vieles blind und unempfindlich macht.
Da es um Emigration und Heimkehr geht, wird Odysseus als Symbolfigur für die beiden extremen Lebenssituationen angeführt. Seine Reisen ins Abenteuer als Ausdruck der Suche nach dem Unbekannten, und seine Heimkehr ” als Versöhnung mit der Endlichkeit des Lebens” werden in einer schönen und poetischen Sprache beschrieben.
Irene hat nichts von dem Glück des Odysseus erlebt. Sie musste sich schwer durchkämpfen. Männer als Helfer in der Not, –so hat sie die Liebe erfahren.Als Retter vor der erdrückenden Mutter half die Heirat mit dem ersten Mann; aus wirtschaftlicher Not nach dem Tod des ersten bedurfte sie des zweiten Mannes. Die Liebe hat sie nicht gefunden.
Josef findet bei der Heimkehr das gleiche brüchige Verhältnis zum Bruder und zur Schwägerin wieder, wie er es in Erinnerung hatte. Im Gegensatz zu Irena hat er sein Glück mit einer geliebten Frau in Dänemark gefunden, die jedoch verstorben ist. Das Glück mit ihr ist ihm allgegenwärtig durch das Haus, das ihm Heimat geworden ist, und in dem er seine Frau weiter bei sich wähnt.
Zufälle führten Irena und Josef einst zusammen. Sie erinnerte sich seiner bei einer neuerlichen Begegnung sehr genau, er aber hatte sie vergessen.Es kommt zu einer kurzen Affäre. Er erkennt sie nicht, während sie Erwartungen hat, die sich nicht erfüllen werden.
In melancholischen , flüchtigen Szenen erfahren wir in diesem Buch, wie unterschiedlich Glück und Leid verteilt sind. Es bleibt der Eindruck , dass hier ein weises und lebensreifes Werk entstanden ist. Ich empfehle das Buch sehr! (Claudine Borries)
Titel: Die Unwissenheit
Autor: Milan Kundera
Verlag: Hanser Verlag
Seiten: 179
ISBN: 3446199772
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