So helle Augen

Erstellt am: November 30th, 2007

‚Und dann platzte die Bombe. Der Mörder, der mit einem offenherzigen Geständnis versuchte, seine Haut zu retten, begann in der gerichtlichen Untersuchung detailliert und methodisch alle seine Verbrechen, die er begangen und derer man andere Menschen beschuldigt hatte, zu schildern. Gurko legte Tatjana schweigend eine Mappe mit Kopien von Irischkas Materialien vor. Einige Zeitlang wurde es völlig still im Büro, nur die Seiten raschelten beim Umblättern. Schließlich schob Tatjana die Mappe beiseite. „Und warum denkst du“, fragte sie nachdenklich, „daß er schon ähnliche Verbrechen begangen hat? Vielleicht ist es das erste?“

Als der pensionierte Moskauer Polizist Pjotr Gurko eines Tages im Treppenflur seines Wohnhauses seinem Ex-Kollegen Nikolaj Schanin begegnet und überdies die Wohnungstür seiner Nachbarin Irischka offen steht, schwant ihm Schlimmes. Zu Recht, denn das Appartment der jungen Frau, die er als beispiellos anständig kennen gelernt hatte, befand sich in einem verheerenden Zustand und sie selbst wurde bestialisch ermordet. Grund genug für Gurko, fortan die Hege und Pflege seines exotischen Privatzoos ein wenig zu vernachlässigen, um auf eigene Faust im Mordfall Irischka zu recherchieren. Dabei stößt er rasch auf erstaunliche Parallelen zu früheren Taten.

Die Psychoanalytikerin Xenia Pawlowna hat ihren Alltag, zu dem auch ein Ehemann und eine pubertierende Tochter gehören, präzise durchorganisiert. Alles im Leben der kühlen, durch und durch verkopften, permanent wachsamen Frau hat seine Ordnung. Die jedoch wird jäh gestört, als Xenia von einem Mann verfolgt wird, der lediglich eine Bitte hat: mit ihr als Psychoanalytikerin sprechen zu dürfen. Xenia lehnt dieses Ansinnen vehement ab. Als sie wenig später bei einer Silvesterparty von ihrer Freundin Lena Huhn gebeten wird, trotz aller Arbeit einen neuen Patienten aufzunehmen, willigt Xenia widerstrebend ein – noch nicht ahnend, dass es sich dabei um ihren Verfolger handelt.

Der Psychothriller „So helle Augen“ ist der erste Teil eines Roman-Zyklus über ein Freundinnen-Trio, bei dem jeweils eine andere von der Autorin in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt wird. Doch das Debütwerk von Anna Dankowtsewa beinhaltet bei genauem Hinsehen nicht nur eine, sondern zwei Geschichten: die des Ermittlers Pjotr Gurko und die der Psychoanalytikerin Xenia Pawlowna. Beide laufen in völlig gleichberechtigten Handlungssträngen nebeneinander her – bis sie schließlich aufeinander treffen – und unterscheiden sich nicht nur durch die komplett differenten Charaktere ihrer Protagonisten, sondern auch durch den Erzählstil. Herrscht in den Passagen um Gurko ein liebevoll, warmer Tenor, so spiegelt sich die Rationalität der Xenia auch im Ton der sie beschreibenden Kapitel wider. Mit besonderer Raffinesse sind jedoch die Nebenfiguren angelegt: Erwecken sie anfangs den Anschein von Statisten, so nehmen sie im Verlauf des Plots zunehmend wichtigere Rollen ein.

Anna Dankowtsewa wurde 1961 in Tambow/Zentralrussland geboren und verbrachte ihre Kindheit in Weimar. Sie studierte Informatik, absolvierte eine Theaterschule und assistierte von 1987 bis 1995 dem Direktor des Moskauer Eremitage-Theater. Als Autorin trat sie 1995 erstmals mit Abenteuerromanen und Kinderbüchern in Erscheinung. In den folgenden Jahren arbeitete sie als Kinderbuch-Lektorin sowie als freie Mitarbeiterin für verschiedene Magazine. Seit 1998 ist Anna Dankowtsewa, die derzeit an ihrem dritten Roman schreibt, als Redakteurin bei Radio Liberty in Moskau tätig. (Ensa Maurer)

Titel: So helle Augen
Autor: Anna Dankowtsewa
Verlag: Diogenes
Seiten: 224
ISBN: 3257062842

Sternenfeuer

Erstellt am: November 30th, 2007

Die Menschheit geht daran, den Mond zu besiedeln und die Firma „Corporation Fireball“ unter ihrem Chef Anson Guthrie spielt dabei eine führende Rolle. Dagny Ebbesen arbeitet in ihrem Auftrag erfolgreich auf dem Mond und lernt dort ihren Mann, den Geologen Edmond Beynac kennen.

Als sie schwanger ist, stellt sich heraus, dass es für Menschen nicht möglich ist Kinder auf dem Mond auszutragen und zu gebären. Die Gentechnik bietet jedoch Möglichkeiten, dieses Problem zu umgehen und das Paar bekommt Kinder und begründet damit die neue menschliche Art der Lunarier. Obwohl diese den Erdenmenschen sehr ähnlich sind, unterscheiden sie sich doch vor allem in ihren Charakterzügen deutlich von ihnen und die beiden Arten können sich auch nicht miteinander fortpflanzen. Als die Lunarier bald den größeren Bevölkerungsanteil und wegen ihrer bedeutend besseren Anpassung an die Umweltbedingungen auf dem Mond auch immer mehr Macht, Einfluss und Vermögen haben, streben sie eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit von der Erde an.

Jahrhunderte später herrschen intelligente Maschinen zusammen mit den Menschen auf der Erde und dem Mond. Die Menschen hatten die Erde fast in ein ökologisches Desaster geführt und hatten die Katastrophe schließlich nur mit Hilfe dieser künstlichen Intelligenzen mit eigenem Bewusstsein vor dem Untergang retten können.

Die Lunarier auf dem Mond betreiben jedoch wieder ihre Unabhängigkeitsbestrebungen. Die einflussreiche Lunarerin Lilisaire betreibt ihre Intrigen im Rücken der allmächtigen künstlichen Intelligenzen und heuert den Raumschiffkapitän Ian Kenmuir für einen Auftrag auf der Erde an. Dort bemüht sich Aleka Kame um ihr Volk, Menschen die mit einst künstlich intelligent gemachten Seehunden in einer neuartigen Kultur zusammenleben, beim Finden eines ausreichenden Lebensraumes zu unterstützen. Lilisaire kann auch sie mit einem entsprechenden Versprechen zur Mitarbeit bewegen und machen sich sie und Kenmuir auf die Suche nach einem von der Maschinenintelligenz sorgsam gehüteten Geheimnis aus der Vergangenheit.

Nach „Sternengeist“ ist dies der zweite Roman in dieser von Anderson erdachten Zukunft. Obwohl es vollständig für sich selbst steht, ist es vor allem Anfangs wahrscheinlich nicht von Nachteil, wenn man „Sternengeist“ vorher gelesen hat.

Diese Zukunft ist hochkomplex und durchdacht und es braucht eine Weile, bis man sich in dieses Universum beim Lesen zurechtfindet. Die Geschichte selbst geht anfangs recht zäh von der Stelle und gewinnt und erst in der Mitte des Buches langsam an Dynamik um dann gegen den Schluss immer schneller voranzuschreiten. Diese beiden Umstände bewirken, dass man sich in der ersten Hälfte des Buches manchmal etwas mühsam durch alle möglichen, die Handlung kaum weiterbewegenden Geschehnisse und Dialoge vorwärts kämpft. Dann dürfte dem Autor irgendwann aufgefallen sein, dass er bei diesem Tempo ein eindeutig zu umfangreiches Buch produzieren wird und er legt immer mehr an Tempo zu.

Die Protagonisten im Roman hängen einem mir oft für Amerika typisch erscheinenden Misstrauen gegenüber Regierungen und einer Verherrlichung des feien Unternehmertums an, aber das ist sicher Ansichtssache. Aber sowohl die Personen als auch die Gesellschaftsformen sind niemals vereinfacht geradlinig und wie oft in diesem Genre in Gut und Böse einzuordnen.

Somit ragt das Buch durchaus aus der Masse der einfach gestrickten SF-Romane heraus, was bei diesem ja in dem Bereich nicht unbekannten Autor aber auch zu erwarten ist.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Sternenfeuer
Autor: Poul Anderson
Verlag: Bastei-Lübbe
ISBN: 3404242246

Waylander

Erstellt am: November 30th, 2007

Waylander ist ein Auftragsmörder, der Beste in seinem Fach. Doch dann befreit er einen Mönch aus einer misslichen Lage und er wird immer mehr in das Schicksal anderer Menschen und des ganzen Drenai-Reiches hineingezogen.

Gemmels Geschichten um das Reich der Drenai mit oft dunklen Helden und der für gute Fantasy nötigen Portion Melodramatik sind für Liebhaber solcher Bücher meiner Meinung uneingeschränkt empfehlenswert. Obwohl er bei seiner Themenwahl nicht besonders variantenreich ist. Entführte Frauen und Belagerungen sind eindeutig seine Lieblingsplots.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Waylander
Autor: David Gemmell
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3404203321

Trugwelt

Erstellt am: November 30th, 2007

Als er einen ehemaligen Schüler mit seiner Verlobten zu Besuch hat, gleitet er während er etwas unaufmerksam zuhört, plötzlich in eine surreale Welt hinüber. Der Großteil der Landschaft und Menschen ist eigenartig konturlos, nur bei wenigen Dingen ist es anders. Diese sind aber fast übernatürlich perfekt. Verwirrt streift er umher, bis er auf eine riesige junge Frau trifft…

Die Geschichte bringt die unheimliche Situation hervorragend zu Geltung. Der Autor versteht es, beim Leser langsam den richtigen Verdacht keinem zu lassen. Er bietet genau das, was eine gute Kurzgeschichte ausmacht.

Auf deutsch in „Scheibenwahn“ (Heyne, ISBN: 3-453-15602-1) erschienen.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Trugwelt
Autor: C.S.Lewis
Verlag: Heyne
Seiten: ?
ISBN: 3453156021

Luthiens Wagnis

Erstellt am: November 30th, 2007

Der Aufstand geführt von Luthien, der wegen seines magischen Umhangs „Roter Schatten“ genannt wird, gewinnt in der Stadt Montfort langsam aber sicher die Oberhand.

Der Hexenkönig Grünspatz unterschätzt die Rebellen zwar noch immer, aber sendet trotzdem eine mächtige Armee unter dem grausamen und gewitzten Zyklopengeneral Belsen’Krieg gegen sie. Luthien kommt dadurch in arge Zeitnot und bittet den Zauberer Brind’Amour um Hilfe.

Wie der erste Teil „Das Joch der Zyklopen“ ist auch „Luthiens Wagnis“ eher Fantasy-Dutzendware. Die Protagonisten sind meist ziemlich eindimensional gut, geistreich und edel oder böse, hinterhältig und schlecht.

In langatmig erzählten Kampfszenen metzeln die Guten heldenhaft und akrobatisch reihenweise ihre Feinde nieder.

Das Buch ist halbwegs unterhaltsam geschrieben aber in kaum einer Weise bemerkenswert.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at.

Titel: Luthiens Wagnis
Autor: R.A.Salvatore
Verlag: Heyne
Seiten: 349
ISBN: 3453133498

Psycho und Nympho (Scheibenwahn)

Erstellt am: November 30th, 2007

Eine schöne, junge Frau kommt zu einem Psychiater und klagt über einen sie jede Nacht heimsuchenden Dämon, der es die ganze Nacht mit ihr treibt. Zuerst glaubt er an Träume und Einbildung. Doch nach einigen Ereignissen glaubt er ihr und versucht ihr zu helfen. Doch als es ihm gelingt, den Dämon loszuwerden, ist die Sache noch nicht ausgestanden…

Eine pikante und sehr witzige Kurzgeschichte mit nicht allzu überraschenden aber unterhaltsamen Wendungen.

Auf deutsch in „Scheibenwahn“ (Heyne, ISBN: 3-453-15602-1) erschienen.

Kritik wurde geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Psycho und Nympho (Scheibenwahn)
Autor: Robert Bloch, Terra Pratchett
Verlag: Heyne
ISBN: 3453156021

Die Stadt der Götter

Erstellt am: November 30th, 2007

Rap und Inos reisen sich mit ihren jeweiligen Reisegefährten nach Hub, der Hauptstadt des mächtigen Impire. Dort treffen sie auf ihre Gegner und die vier berüchtigten Hexenmeister zu einem furiosen Finale.

„Die Stadt der Götter“ ist der vierte und letzte Teil der Pandemia Saga. Insgesamt ist es solide und auch spannend geschriebene Unterhaltung.

Die Hintergrundwelt Pandemia bietet zwar wenig überraschendes und ist zum Teil aus der irdischen Geschichte abgekupfert und mit für Fantasy-Romane typische Namen versehen und zum Teil genau so wie Elben, Zwerge usw. auch in anderen Büchern des Genres beschrieben werden. Dafür sind die Personen gut und oft als vielschichtige Charaktere beschrieben. Der richtige Lesestoff um zwischendurch verschlungen zu werden.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Stadt der Götter
Autor: Dave Duncan
Verlag: Bechtermünz Verlag
Seiten: 542
ISBN: 3404202880

Die Gedankenbotschaft

Erstellt am: November 29th, 2007

Hochintelligente, telepathisch veranlagte Außerirdische entdecken, dass die Sonne in drei Tagen explodieren wird und senden eine Gedankenbotschaft. Doch sie und die Menschheit haben kein Glück bei dem Empfänger dieser Botschaft…

Eine Kurzgeschichte mit einem herrlich schwarzen Humor von einem der bekanntesten Science Fiction Autoren.

Auf deutsch in „Scheibenwahn“ (Heyne, ISBN: 3-453-15602-1) erschienen.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Gedankenbotschaft
Autor: Arthur C. Clarke
Verlag: Heyne
ISBN: 3453156021

Drachentränen

Erstellt am: November 29th, 2007

Police Detective Harry Lyon und seine Partnerin werden bei ihrer Arbeit mit einem unheimlichen Mörder konfrontiert. Ein verwahrloster, riesiger Obdachloser mit übernatürlichen Fähigkeiten tötet scheinbar wahllos Menschen aus der untersten Gesellschaftsschicht. Schließlich wendet er sich aber auch gegen Harry Lyon und seinen persönlichen Umkreis und es kommt zu einer Auseinandersetzung mit einem unbesiegbar erscheinenden Gegner.

Drachentränen ist ein guter Horrorthriller aber nicht herausragend. Er wird beim Lesen nie langatmig und hält die Spannung das ganze Buch aufrecht. Ein gelungenes Stück Unterhaltung.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Drachentränen
Autor: Dean Koontz
Verlag: Heyne
Seiten: 430
ISBN: 3453124316

Von Gustibekes Planeten

Erstellt am: November 29th, 2007

Die Menschen entdecken einen mit intelligenten Lebewesen bewohnten Planeten und nehmen Kontakt auf. Die übergroßen Enten ähnlichen Außerirdischen waren an einem friedlichen Zusammenleben interessiert und besuchten in großer Zahl die Erde. Bald wurden sie für ihren unersättlichen Appetit und ihre üblen Tischmanieren berüchtigt. Ein Unfall dreht den Spieß aber dann gewissermaßen um…

Klassische, durchschnittliche satirische Science Fiction.

Auf deutsch in „Scheibenwahn“ (Heyne, ISBN: 3-453-15602-1) erschienen.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Von Gustibekes Planeten
Autor: Cordwainer Smith
Verlag: Heyne
ISBN: 3453156021

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