Unter der Stadt
‘Er hatte geglaubt, sich im Gefängnis über die wichtigsten Dinge klarzuwerden. Vier Jahre Zeit, um das eigene Leben im Kopf zu ordnen. Aber als er kurz vor der Entlassung stand, merkte er, dass die Zeit einfach vergangen war, ohne Fortschritt, ohne Entwicklung oder Ergebnis.’: Mit diesem eher tristen Bündel von Erkenntnissen wird Paul Holbig Ende der neunziger Jahre aus der Haft und in die Realität des boomenden Molochs Berlin entlassen.
Vieles hat sich in der Zwischenzeit verändert, manches hingegen gar nicht: Der Stadt wurden stetig neue Gesichtszüge übergestülpt während der 31-Jährige hinter Gefängnismauern den Tod seines besten Freundes Hans sühnte – die Frage, ob er wirklich schuldig war, war jedoch geblieben. Völlig neue Perspektiven tun sich für den ehemaligen Studenten allerdings finanziell auf: Der Saldo seines lange Zeit verwaisten Girokontos präsentiert ihm überraschend ein sechsstelliges Guthaben und in einem Schließfach erwartet ihn neben einem Willkommensgruß die Mitteilung, dass er für jedes Jahr Haft mit 200.000 Mark an ein Wertpapierdepot entschädigt wurde – anonym.
Paul beginnt, das Mosaik aus Erinnerungsstücken an den Streit mit Hans, die Tat, derer er sich schnell schuldig fühlte, und seine Haftzeit zusammen zu setzen und nimmt die Spur der geheimnisvollen Mäzene auf.
Der Roman “Unter der Stadt” ist ein in vielerlei Hinsicht beachtliches Erstlingswerk, dessen thematischer Facettenreichtum Stoff für mehrere Bücher geboten hätte. Autor Christian Försch jedoch arrangiert alle Aspekte äußerst raffiniert zu einer Geschichte. Distanziert beobachtet und pointiert beschreibt er die Entwicklung seines Protagonisten Paul Holbig sowie die der deutschen Hauptstadt, bevor er die Leser in den Sog einer packenden Krimi-Handlung zieht, die mit etlichen Überraschungen aufwartet.
Der 1968 in Bad Kissingen geborene Christian Försch lebt seit 1998 als freier Autor in Berlin und verfasste etliche Erzählungen, Features und Hörspiele für den Rundfunk. Er studierte Germanistik, Philosophie, Musikwissenschaften und Italienisch. Zwischen 1996 und 1998 arbeitete er als Dolmetscher, Autor und Übersetzer u.a. in Ferrara/Italien. (Ensa Maurer)
Am 28. März 2001 liest Christian Försch im Rahmen der Debütanten-Runde ab 20 Uhr im “LCB – Literarisches Colloquium Berlin” (Am Sandwerder 5; Telefon: 030-8169960) aus seinem Roman “Unter der Stadt”.
Titel: Unter der Stadt
Autor: Christian Försch
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 304
ISBN: 3351029101
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