Wer nicht hören will, muß fühlen



‘Das hier war jedenfalls ein Mensch.’, stellt Rosa entschieden fest, als sie beim Ausheben einer Grube für ein Pfirsichbäumchen im Garten von Luise Pauly auf Knochen trifft. Von der alten Dame sind freilich, wie sie prompt erfahren muss, keinerlei Details zur Identität des Toten zu erwarten. Sie beschränkt sich auf ein lapidares ‘Ich hab’s vergessen.’ und fordert ihre Gärtnerin auf, die Gebeine wieder in der Gruft verschwinden zu lassen.

Doch Rosa denkt gar nicht daran, sondern nimmt die menschlichen Überreste an sich und beginnt – vom Ehrgeiz angestachelt, Antworten auf Fragen über ihren mysteriösen Fund zu bekommen – auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei stößt sie, die noch inmitten des Mobiliars und der Hinterlassenschaften ihrer Mutter wohnt, die sich im Alter von 35 Jahren aus dem Familienleben schlich, auf immer beklemmendere Einzelheiten ihrer eigenen Geschichte. Davon überzeugt, dass die Wahrheit weitaus weniger zerstörerisch sein wird, als bohrende Zweifel es wären, macht sie sich daran, das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammen zu setzen.

Die Geschichte, die Susanne Mischke in ihrem Buch “Wer nicht hören will, muß fühlen” um ihre Protagonistin Rosa Ganni erzählt, ist eine, bei der das Mitdenken unverzichtbar ist, will man im Flechtwerk der Handlungsstränge nicht den Überblick verlieren. Den zu behalten, lohnt sich wahrlich, denn Mischke eröffnet den Lesern gleichermaßen amüsant wie packend den Blick in menschliche Abgründe, springt mit ihnen von der Jetzt-Zeit Rosas in die Retrospektive ihrer Mutter Hemma und konfrontiert sie mit überraschenden verwandtschaftlichen Verknüpfungen, die vor keiner ihrer Figuren Halt machen. Inspiriert vom Stil englischer Ladies of Crime, ohne jedoch ihren eigenen zu verlieren, führt sie ihre Figuren in “Wer nicht hören will, muß fühlen” furios durch ein Labyrinth von Beschaulichkeit und Bestürzung.

Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren, lebte einige Jahre in Berlin und wohnt heute in der Nähe von Darmstadt nahe eines Friedhofs. Bevor die Schriftstellerin und Journalistin zum Schreiben kam, ging sie den unterschiedlichsten Tätigkeiten nach und agierte als Schauspielerin, Kellnerin oder auch als Versuchsobjekt von Psychostudien. 1994 debütierte sie mit dem Roman “Stadtluft” und schaffte bereits 1996 mit dem Krimi “Mordskind” den Sprung in die Bestseller-Listen. (Ensa Maurer)

Titel: Wer nicht hören will, muß fühlen
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 312
ISBN: 3492042414

Abgelegt unter Romane

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