Klopf nicht an diese Wand



“Es gibt nichts mehr, was ich für dich tun könnte oder womit ich dir Freude machen könnte. Ich liege mit einem anderen, aber dich liebe ich. Ich bin geflohen und lasse dir die Weiten der Freiheit. Tu alles, was du willst, aber klopf nicht an diese Wand, das macht Lärm, wir werden uns zuwinken, das wird das Zeichen zwischen uns sein.” Diese Worte, die vor vielen hundert Jahren eine Frau an ihren Geliebten schrieb und die über dem Eingang zu einer im heutigen Israel gelegenen Grabhöhle aus dem dritten Jahrhundert stehen, richtete auch Alma schriftlich an Amnon, einen Buchhändler in Jerusalem, den sie liebte, obwohl sie längst mit Elischa Malkin verheiratet war. Als die Erzählung einsetzt, ist Alma schon elf Jahre tot – sie starb bei der Geburt der Tochter Heda – und jedes Jahr bittet der Vorbeter der Chewra kaddischa, sie möge in Frieden ruhen, ohne zu ahnen, dass zwei Menschen ihre Ruhe stören. Elischa, von dem man sagt, seine Liebe sei so stark wie der Tod, und die fünfundzwanzigjährige Ich-Erzählerin Jiska Simon, genannt Ossi. Sie liebt Elischa und möchte ihn aus dem Bann seiner toten Frau befreien. Sie sucht die Menschen auf, die Alma gekannt haben, so die Hebamme und den Arzt Dr.Schejnfeld in Jerusalem, die beide bei Hedas Geburt und Almas Tod zugegen waren. Dr. Schejnfeld wird bald darauf Ossis Geliebter.

Beheimatet sind Elischa, Ossi und viele andere Personen, die in dieser Geschichte vorkommen, in der streng religiösen landwirtschaftlichen Siedlung Moschaw im Norden Israels, wo man nach strengen Regeln lebt. Ossis Ehelosigkeit ist ein großer Stachel für ihre Eltern, da es dem Ruf der Familie schadet, wenn religiöse Mädchen aus guten Familien lange unverheiratet bleiben. Ossis ehemalige Schulfreundinnen sind schon alle verheiratet und bringen, wie alle Frauen in dieser frommen Siedlung, Jahr für Jahr ein Kind auf die Welt. Ossi aber will Karriere machen “auf dem Gebiet der Freiheit”, wie sie sagt. Ihr fehlt viel Luft im Heimatdorf, und so macht sie sich immer wieder auf den Weg nach Jerusalem.

Doch da ist noch Heda, der man alle vier Wochen sämtliche Haare abschneidet, weil ihre Mutter geglaubt hatte, ihre eigenen langen Haare seien schuld an ihrem traurigen Schicksal. Aber je älter Heda wird, desto mehr leidet sie darunter. Schließlich begehrt sie auf.

Wie beide, Ossi und Heda, ihren eigenen individuellen Weg finden, erzählt Mira Magén in einer bilderreichen Sprache, spannend, facettenreich, mit einer großen Meisterschaft. Den Namen der Autorin wird man sich nicht nur in Israel merken müssen. (Ursula Homann)

Titel: Klopf nicht an diese Wand
Autor: Mira Magén
Verlag: dtv
Seiten: 331
ISBN: 342324250

Abgelegt unter Romane

Einen Kommentar schreiben

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.



DigitalVD.de News-Reader zum kostenlosen Download DigitalVD.de News-Reader

Der DigitalVD.de News-Reader ist eine kostenlose Software mit der Neuheiten aus der DVD- und Heimkino-Szene automatisch auf dem eigenen PC gelesen werden können. Ihr werdet kostenlos und automatisch rund um die Themen Film und Heimkino auf dem Laufenden gehalten.

[Beschreibung und Download]