Ein Freund des Verblichenen

‚Ich mußte nur noch einen erschwinglichen Killer finden, das Geld für sein Honorar auftreiben und dann würde der von mir ideal ausgedachte Mord ein weiteres ungelöstes Rätsel werden. Ein sinnloses Leben effektvoll zu beenden, reizte mich. Und bei den rätselhaften Morden gibt es noch einen bestechenden Aspekt – man schreibt häufig in Zeitungen und Büchern über sei, man erinnert sich an alle Einzelheiten und an den Namen des Opfers, so daß ich eine reale Chance hatte, wenn schon nicht für alle Ewigkeit, so doch für lange Zeit im Gedächtnis der Menschen zu bleiben.‘

So kann wahrlich nur einer wie Tolja denken – einer, der des Lebens müde ist, weil seine Frau ihn betrügt, es aber nicht schafft, dem scheinbar sinnlosen Dasein selbst ein Ende zu setzen. Da kommt es ihm wie gerufen, eines Tages seinen alten Kumpel Dima, der nicht nur einen Kiosk, sondern überdies Kontakte zu dubiosen Kreisen hat, wieder zu treffen. Vermutend, dass Tolja den Liebhaber seiner Frau umbringen lassen wolle, verspricht er, ihm zu helfen und schanzt Kostja den Auftrag zu.

Um dem Killer die Arbeit zu erleichtern, präsentiert sich Tolja ihm stundenlang in seinem Stammcafé – vergebens, denn Kostja lässt sich nicht blicken. Ebenso alkoholisiert wie frustriert macht sich der widerwillig Überlebende auf den Heimweg und trifft eine junge Prostituierte. Er verbringt einige Tage mit ihr, will kein Geld von ihm, sondern nur, dass er sie mit ihrem richtigen Namen anspricht: Lena. Die Gefühle für sie lassen Tolja die Lust aufs Sterben gründlich vergehen, doch davon erfährt der angeheuerte Killer nichts.

„Ein Freund des Verblichenen“ hat das Zeug, sich nahtlos in die Erfolgsserie vorheriger Romane von Andrej Kurkow einzureihen. Erneut entwickelt der Autor aus einer köstlich skurrilen Idee eine aberwitzige Geschichte, die keinerlei Schwächen aufweist und vom ersten bis zum letzten Wort ein Lesevergnügen par excellence ist. Doch es ist nicht nur die Story an sich, die besticht, sondern Kurkow weiß auch durch seine wunderbar lakonische, pointierte Sprache und nuanciert gezeichnete Charaktere zu überzeugen.

Andrej Kurkow wurde 1961 in St. Petersburg geboren und lebt seit seiner Kindheit in Kiew. Er studierte Sprachen, spricht derer elf, arbeitete als Redakteur, Kameramann und Gefängniswärter und hat etliche Drehbücher verfasst. Seit 1996 konzentriert er sich ganz auf die Schriftstellerei und pendelt zwischen seinen Wohnorten Kiew und London. „Ein Freund des Verblichenen“ ist nach „Petrowitsch“ und „Picknick auf dem Eis“ das dritte Werk des Autors, das bei Diogenes veröffentlicht wurde. (Ensa Maurer)

Titel: Ein Freund des Verblichenen
Autor: Andrej Kurkow
Verlag: Diogens Verlag
Seiten: 141
ISBN: 3257062397