Der Sommer der lachenden Kühe



‘Man fühlt sich ziemlich verlassen, wenn man nicht weiß, wer man ist, wo man herkommt und wo man hinwill. So erging es Taavetti Rytkönen, achtundsechzig Jahre alt. Er war unterwegs, konnte jedoch nicht sagen, zu welchem Ziel, und auch nicht, wo sein Ausgangspunkt gewesen war.
Er hatte gerade das Tapiolaer Kontor der Nationalbank verlassen. Dort hatte er seine Brieftasche mit den Ausweispapieren liegen lassen, doch das Geld, das er am Schalter in Empfang genommen hatte, hatte er immerhin eingesteckt. Die Summe war durchaus nicht gering, es handelte sich um Tausendmarkschein in einem Bündel, anderthalb Zentimeter dick und von einem Gummiband zusammengehalten. Zu welchem Zweck er eine so große Summe abgehoben hatte, wusste er nicht mehr und auch nicht, dass er soeben sein Konto abgeräumt hatte.’

In einem derart desolaten Zustand trifft Rytkönen auf den Taxifahrer Seppo Sorjonen, der just einen Passagier von Helsinki nach Otaniemi gebracht hatte und nun – via Tapiola – den Rückweg antreten wollte. Ehe er sich versieht, sitzt der pensionierte Landvermessungsrat in seinem Wagen und befiehlt ihm, einfach nur zu fahren – ziellos. Dass Sorjonens Chef die spontane Fahrt ins Blaue trotz der Zahlungswilligkeit des Kunden mit einer Kündigung honoriert, beschäftigt den nun Arbeitslosen nur kurz. Verständlich, denn der an Demenz erkrankte Kriegsveteran hält ihn gehörig auf Trab. Übernachtet in einem Panzer, badet nackt in einem öffentlichen Brunnen, trägt nicht ganz unwesentlich zur großflächigen Brandrodung eines Gehöfts bei und entdeckt schließlich sogar sein Herz für Kühe.

Was die Brüder Kaurismäki für die Film-Szene sind, ist Arto Paasilinna für das Literatur-Genre. Mit “Der Sommer der lachenden Kühe” liefert er einen Roman im Stile eines Road-Movies, dessen Fülle grotesker Absurditäten beim Leser keine Wünsche offen lässt. Akribisch und gnadenlos lakonisch beschreibt der Autor Situationen und Gedanken seiner kongenialen Protagonisten. Dabei erfährt man mehr über Finnland als in einem Reiseführerr. Dass es sich nicht selten um Belanglosigkeiten handelt, die für den Fortgang der Geschichte unerheblich sind, macht den eigentlichen Reiz des Romans aus und verdeutlicht zugleich das Können Paasilinnas. Prädikat: völlig abgefahren!

Arto Paasilinna wurde 1942 in Kittilä/Lappland geboren und gilt als populärster Schriftsteller Finnlands. Alle seiner rund 40 erschienenen Romane wurden in andere Sprachen übersetzt und somit ebenfalls im Ausland zu Erfolgen. Paasilinna erhielt für etliche Romane, von denen viele auch verfilmt wurden, zahlreiche nationale und internationale Literaturpreise. Im Ehrenwirth-Verlag sind u.a. erschienen: “Die Giftköchin” und “Im Wald der gehenkten Füchse”. (Ensa Maurer)

Titel: Der Sommer der lachenden Kühe
Autor: Arto Paasilinna
Verlag: Ehrenwirth Verlag
Seiten: 223
ISBN: 3431036147

Abgelegt unter Romane

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