Die Bildhauerin

Seit sechs Jahren sitzt Olive Martin im Zuchthaus. Sie hat gestanden damals ihre Mutter und ihre Schwester auf grausame Art umgebracht zu haben.

Roz, eine Journalistin, die eigentlich Rosalind Leigh heißt, und sich nach einer privaten Katastrophe mitten in einer schweren Depression befindet, wird von ihrer Verlegerin aufgefordert, ein Buch über die Gefangene zu schreiben.

Widerstrebend macht sich Roz an die Arbeit. Entgegen ihren Erwartungen ist ihr die unattraktive, extrem übergewichtige Olive sympathisch und bald beginnt die Journalistin an der Schuld der Gefangenen zu zweifeln, denn bei ihrer Recherche stößt sie auf Widersprüche, offene Fragen und viele Merkwürdigkeiten.

Mit Hilfe von Hal Hawksley, dem Polizisten, der seinerzeit den Fall bearbeitete, inzwischen jedoch nicht mehr im Dienst ist, nimmt sie die Suche nach den wirklichen Hintergründen der Tat und nach dem tatsächlichen Mörder der beiden Frauen auf.

Sie hat dabei viele Widerstände zu überwinden – die früheren Nachbarn von Olives Familie hüllen sich in Schweigen oder machen falsche Angaben, Rechtsanwälte und Behörden haben offenbar keinerlei Interesse an einer Wiederaufnahme des Falles und Olive selber beharrt auf ihrer Version des Tatherganges und bastelt kleine Voodoo – Figuren, um mit deren Hilfe ihren tatsächlichen und vermeintlichen Feinden zu schaden.

Die Geschichte liest sich flüssig und enthält gelegentlich durchaus spannende Sequenzen. Doch ähnlich wie Fastfood sättigt der Roman nur kurz, ist jedoch weder appetitanregend noch nahrhaft – zu vorhersehbar ist das Ende, zu banal die Handlung, zu flach sind die Charaktere.

Er enthält sogar Passagen, die mich regelrecht ärgern!

So zum Beispiel ganz zum Schluss: Da droht Hal seinem Widersacher mit einem Anschlag auf sein Kind, falls dieser Roz irgendeinen Schaden zufügt.

Natürlich müssen in einem Krimi die Personen – auch die Helden – nicht unentwegt brav und politisch korrekt handeln, und natürlich ist die Schilderung von Gewissenskonflikten oder falschen Entscheidungen der Protagonisten eine unentbehrliche Zutat für einem guten Kriminalroman. Doch Minette Walters lässt keinerlei Distanz erkennen, ihre stillschweigende Billigung von Hals Verhalten ist offensichtlich.

So etwas ist schlicht unmoralisch! Zudem stört mich ihre sehr vereinfachte, manchmal geradezu dümmliche Sichtweise der gesellschaftlichen Ordnung. Ihre Beurteilung von Gesamtschulen und Sozialhilfeempfängern orientiert sich unverkennbar an Stammtischweisheiten.

Die Geschichte ist zumindest spannend und weist keine größeren logischen Fehler auf.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Die Bildhauerin
Autor: Minette Walters
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 408
ISBN: 3442052726