Die Luftgängerin
Im Jahre 1969 begegnet der etwas weltfremde Ambros Bauermeister während einer Eisenbahnfahrt der jungen, gutaussehenden Amrei Latuhr. Sofort erkennt er, dass es sich bei der Frau um die Person handelt, die für ihn geschaffen ist, auf die er sein ganzes Leben lang gewartet hat. Er gibt ihr spontan einen Kuss und wird schließlich ihr Geliebter.
1970 heiraten die beiden und kurz darauf kommt die Tochter Maudi zur Welt. Geliebt und behütet von Mutter, Großmutter und teilweise auch von ihrem Vater wächst das Kind heran.
Später verlässt der Vater das Haus, weil die Ehe zwischen ihm und Amrei trotz der Liebe, die die beiden ursprünglich füreinander empfunden haben, nicht glücklich wird.
Maudi ist ein merkwürdiges Mädchen. Schon als kleines Kind verhält sie sich oft anders als andere Kinder, wie zum Beispiel ihre gleichaltrige Freundin Esther, von der sich später herausstellt, dass sie in Wirklichkeit Maudis Halbschwester ist. Maudi empfindet für alle Menschen Liebe und Zuneigung; selbst für den Mann, der sie, als sie fünfzehn Jahre alt ist, beinahe umbringt.
Wer oder was ist Maudi Latuhr? Ist sie ein Mensch oder ein Engel – Mann oder Frau? Sie hat alle sichtbaren körperlichen Merkmale einer Frau, doch sie wird nie Kinder bekommen können, da sie genetisch eigentlich ein Mann ist. Sie ist kein Hermaphrodit und erst recht keine Transsexuelle sondern eine Frau mit einem männlichen Chromosomensatz.
Als junge Erwachsene bietet Maudi nahezu jedem ihren Körper dar; nicht gegen Geld oder um etwas für sich dadurch zu erreichen sondern ausschließlich um andere glücklich zu machen und ihnen den Weg zu sich selber zu zeigen.
Der Autor erzählt in seinem Roman nicht nur die Geschichte der jungen Maudi sondern auch die ihrer Eltern und Großeltern, ihrer Freundin (bzw. Halbschwester) Esther und vielen vielen anderen Personen, die die kleine Stadt Jakobsroth im Rheintal zwischen Österreich und der Schweiz bevölkern.
Obwohl Schneider sehr poetisch, mit zum Teil verblüffenden, wunderschönen Bildern und Metaphern erzählt, reißt mich der Roman insgesamt nicht vom Hocker. Die Geschichte ist schlichtweg langweilig. Am sprachlichen Stil des Romans gibt es nichts auszusetzen – doch der Plot ist einfach zu dünn.
Schade – ich hatte von dem Buch mehr erwartet. Jemand wie Robert Schneider, der einen Roman wie “Schlafes Bruder” geschrieben hat, dem so unglaubliche, schier überwältigende Textpassagen gelungen sind, wie die Beschreibung des Orgelkonzertes des Elias Alder, der ist ein Meister seiner Sprache und er sollte Bedeutenderes vollbringen als diese leider etwas dünne Geschichte.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die Luftgängerin
Autor: Robert Schneider
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 350
ISBN: 344272578X
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