Projekt Schlaraffenland



Michael Koniezko starb an einem Freitag. Sechs Jahre lang war er Tester bei der DFS, der “Degustation fett/sauer”, inoffiziell “Schlaraffenland” genannt. Michael hatte sich mit einer Überdosis Heroin vom Zwang befreit, weiterhin auf Öl, Essig, Rauschgift oder andere Essenzen angewiesen zu sein. Obgleich es “nur” ein Selbstmord war, so konnte sich doch die Firma einen Toten im Labor nicht leisten, erst recht keinen Drogentoten, dessen Mangeninhalt die Pathologen womöglich hin und her wenden würden. Also verpackte man die Leiche kurzerhand in Plastiktüten und verstaute sie in der Kühlkammer, im Beisein von Katharina Quast, der Juniorpsychologin. Bisher hatte Katharina im Betrieb alle unangenehmen Arbeiten verrichten müssen. Nun war der Zeitpunkt für sie gekommen, die Opferrolle abzulegen. Sie musste nur den Mund halten und durfte niemandem verraten, was mit Michaels Leiche geschehen war. So begann Katharinas Aufstieg. Was sie allerdings nicht ahnte, war, dass sie fortan von einem Privatdetektiv überwacht werden würde, der heimlich in ihrer Wohnung ein und aus ging, wenn sie nicht zuhause war, und der alle ihre Telefonate abhörte, die allerdings zunächst für den neugierigen Überwacher und seinen Auftraggeber nicht viel hergaben. Im “Zentrum der Geschmacksvielfalt” mussten die übrigen Tester weiterhin schlürfen, schmecken, spucken und nippen.

Denn man war damit beschäftigt, Glück auf Knopfdruck herzustellen, wie Katharina einmal scharfsinnig bemerkte, und zwar durch die Verarbeitung von Glücksfett in Keksen, die die Esser fröhlich und friedlich und, in höherer Dosierung, unbequeme Zeitgenossen lammfromm machen sollten.

Aber da gab es noch die ESSkalation, eine Gesellschaft, die Skandale an die Öffentlichkeit brachte, mit einem Mitarbeiter namens Max Gross, bei dem sich eines Tages ein Mann meldete, der seinen Freund vermisste, und dieser Freund war natürlich niemand anders als Michael Koniezko.

So kommt die Sache ins Rollen, mit vielen Zwischenfällen und Verwicklungen. Eines Tages ist auch Max Gross verschwunden, aber er taucht wieder auf- in Katharinas Firma. Katharina dämmert es allmählich, dass die Firma nicht nur eine Leiche verschwinden ließ, sondern noch viel mehr Dreck am Stecken hat. Sie kommt zwar bei ihren Aufdeckungsversuchen glimpflich aus der Sache heraus, ohne jedoch die eigentlichen Übeltäter endgültig zur Strecke bringen zu können. Denn ihr Chef Mark Sweenie ist wie die meisten Bösewichter dieser Welt mit allen Wassern gewaschen.

Haben wir es hier mit dem fantastischen, überspannten Roman einer Autorin zu tun, die bisher als Wissenschaftsredakteurin in Hamburg gearbeitet hat? Vielleicht. Aber in vielen Momenten ist die Geschichte näher an der Wirklichkeit als wir alle ahnen oder wahrhaben wollen.

Titel: Projekt Schlaraffenland
Autor: Hanne Tügel
Verlag: Knaur
Seiten: 352
ISBN: 3426618885

Abgelegt unter Romane

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