Niemalsland

Richard Mayhew ist nach London gezogen und hat einen guten Job und eine, zugegebenermaßen manchmal etwas strapaziöse Freundin. Doch eines Tages stolpert er über ein verletztes junges Mädchen namens Door und bringt sie auf ihr Bitten und gegen den Willen seiner Zukünftigen in seiner Wohnung in Sicherheit.

Damit beginnen die wunderlichen Ereignisse. Zuerst tauchen die beiden unheimlichen Männer Mr. Croup und Mr. Vandemar auf um nach dem Mädchen zu fragen. Dann schickt sie eine Taube um einen gewissen Marquis de Carabas um Hilfe zu bitten. Mit ihm zusammen machen sie sich auf den Weg zu ihrem zu Hause im rätselhaften „Unter-London“.

Als Richard nach einigen ungewöhnlichen Erlebnissen in sein gewohntes Leben zurückkehren will, muss er feststellen, dass es ihm kaum mehr gelingt bemerkt zu werden. Nur wenn er jemand direkt anspricht wird er kurzzeitig bemerkt, aber gleich wieder vergessen. Als er so plötzlich ohne Job dasteht und wildfremde Leute gerade dabei sind, trotz seiner Anwesenheit in seine Wohnung einzuziehen, beschließt er, noch mal nach „Unter-London“ zurückzukehren um der Sache auf den Grund zu gehen. Doch damit wird er in eine höchst gefährliche Geschichte hineingezogen.

Das Buch beruht auf der BBC Serie gleichen Namens. Bekannt wurde Gaiman als Texter für Comics wie „Sandman“ oder „Die schwarze Orchidee“ und der zusammen mit Terry Pratchett geschriebenen Parodie auf „Das Omen“ mit dem Titel „Ein gutes Omen“. Er benutzt einen typisch britischen Humor in dem Buch, trocken und lakonisch, und setzt in deutlich sparsamer ein als Pratchett oder Douglas Adams und seine Geschichte ist auch lange nicht so „abgedreht“ wie die Bücher der Beiden.

Neben einer spannenden und voller origineller Ideen steckenden Fantasy-Story steckt in dem Roman auch eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik. „Unter-London“ ist von den Menschen bewohnt, die durch das Netz gefallen sind und von der „normalen“ Gesellschaft nicht mehr bemerkt werden. Eine Art „Sandler“-Allegorie (für die Leser aus Deutschland – „Sandler“ = wienerisch für „Berber“).

Die Übersetzerin hat sich bei der Eindeutschung von Namen erfreulicherweise sehr zurückgehalten.

Leseprobe:

Das Mädchen, dem es, wie er feststellte, bereits gelungen war, den Großteil des Obstes aufzuessen, das Richard mitgenommen hatte, sah ihn verlegen an. Dann lächelte es ein wenig schief und sagte etwas, das so ähnlich klang wie Anaesthesia. „Ich hatte Hunger“, sagte sie.

„Tja, ich auch“, erwiderte er.
Sie warf einen Blick auf die Feuerchen an der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Dann sah sie wieder Richard an.
„Magst du Katze?“, fragte sie.
„Ja“, sagte Richard. „Katzen mag ich ganz gern.“
Anaesthesia wirkte erleichtert. „Bein?“ fragte sie. „Oder Brust?“

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Niemalsland
Autor: Neil Gaiman
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 365
ISBN: 3453137574