Unter der Blutbuche
Während der vierziger und fünfziger Jahre bereiten das Lehrerehepaar Kelly und die Hilfslehrerin Maddy Ross in der Schule des kleinen irischen Ortes Shancarrig die Dorfkinder auf ihren Weg ins Leben vor. Bei der Schulentlassung ritzen alle Kinder ihren Namen in den Stamm der riesigen Blutbuche, die den Schulhof ziert.
Da ist die gutmütige Maura Brennan, Tochter eines Trunkenboldes, die mit ihren Eltern und den zahlreichen Geschwistern, sofern diese noch nicht nach England ausgewandert sind, in einer der ärmlichen Katen am Fluss lebt. Mit Fleiß und Sparsamkeit hofft, sie ihrem elenden Leben in den Slums entfliehen und sich irgendwann ein kleines eigenes Häuschen kaufen zu können. Doch dann bekommt sie einen mongoloiden Sohn und gleich darauf verläßt sie der leichtlebige Ehemann…
Da ist Foxy Dunne, der in seiner Jugend ebenfalls nicht auf Rosen gebettet ist. Auch er möchte durch Fleiß, Gewitztheit und sein angeborenes kaufmännisches Geschick seinem Leben eine Wendung zum Besseren hin geben. Ausgerechnet auf Leo Murphy, die Tochter des wohlhabenden Majors, die im größten Haus des Ortes lebt, hat er seit seiner frühesten Jugend ein Auge geworfen. Leo selbst scheint mit ihrem Reichtum nicht so recht glücklich zu sein, denn hinter den Mauern des herrschaftlichen Anwesens verbirgt sich ein finsteres Geheimnis…
Da ist der sanfte Eddie Barton, der seine ganze Freizeit der Botanik und vor allem dem Briefeschreiben widmet. Auf diese Weise lernt er das schottische Mädchen Christine Taylor kennen und lieben.
Nessa Ryan, die Tochter der Hotelierfamilie, heiratet ihren Klassenkameraden Niall Hayes, den Sohn des Rechtsanwaltes, obwohl sie doch eigentlich für dessen gutaussehenden Cousin Richard schwärmte.
Da ist Richard Hayes selbst, der sämtlichen Mädchen des Ortes den Kopf verdreht, aber die Frau, die er liebt, ist mit einem anderen verheiratet und für ihn nicht zu haben…
Auch das Leben der beiden Lehrerinnen wird beleuchtet. Maddy Ross, die Hilfslehrerin, die in glühender Liebe zu einem jungen Kaplan entbrennt und die unfruchtbare Nora Kelly, die auf schicksalhafte Weise doch noch zu einer Tochter kommt.
Schließlich ist da noch Jims Blake, der Arzt des Ortes, dessen Frau bei der Geburt des Sohnes Declan, ihres dritten Kindes stirbt. Ein sehr problematischen Vater- Sohn- Verhältnis ist die Folge.
Jede dieser Personen hat ihr eigenes Schicksal und doch sind alle ihre Geschichten miteinander verknüpft, kreuzen sich die Lebenswege der Menschen immer wieder.
Maeve Binchy versteht es, mehrere kleine Geschichten zu einem in sich geschlossenen Roman zu verknüpfen. Und jede Person hat etwas Besonderes, ein kleines (oder großes) Geheimnis, oder ihr Schicksal nimmt eine Wendung, mit der man nicht gerechnet hätte.
Obwohl die Autorin Armut und soziale Ungerechtigkeit durchaus sieht und beschreibt, ist der Roman doch durchweg freundlich und irgendwie lieb. Anders als in Frank Mc Courts wundervollem Roman “die Asche meiner Mutter” ist das Leben der Iren nicht ganz so hart, ist die Armut nicht ganz so kraß, ist die Ungerechtigkeit nicht ganz so schreiend. Die meisten der Geschichten haben einen positiven oder zumindest versöhnlichen Ausgang. Mir fällt jedoch auf, dass es gerade die leidenschaftlichen Liebesbeziehungen sind, die weniger glücklich enden.
Ein angenehmes Buch, leicht zu lesen und gelegentlich komisch, gewiss keine große Weltliteratur, aber durchweg unterhaltend.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Unter der Blutbuche
Autor: Maeve Binchy
Verlag: Droemer
ISBN: 3426614448
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