Alberta empfängt einen Liebhaber

Schon das erste Aufeinandertreffen von Alberta und Nadan in den siebziger Jahren verläuft nicht unbedingt so, wie es einer frisch erblühenden Liebe förderlich ist. Die beiden haben offenbar sehr verschiedene Wahrnehmungen, denn die Nacht, in der sie sich zum ersten Male begegnen, wird von Alberta als mondhell empfunden, von Nadan jedoch später als stockdunkel beschrieben. Leider kommt es auch nicht zum Austausch glühender Küsse, denn die jungen Leute sind unerfahren und wissen nicht so recht, wie sie miteinander umgehen sollen und so wird aus der frühen Liebe erst einmal nichts.

Nadan erfindet für Alberta eine ungewöhnliche Bezeichnung: „Mizzebill“, das ist sein Ausdruck für eine Frau, die einen fertig macht, mit der man nicht leben kann, obwohl man sie liebt – mindestens so schlimm wie eine Heuschreckenplage!

Später in den achtziger Jahren treffen Alberta und Nadan erneut aufeinander. Sie stellen fest, dass sie einander immer geliebt haben und beschließen, gemeinsam durchzubrennen. Noch immer nennt Nadan Alberta eine „Mizzebill“ und folgerichtig scheitert auch der zweite Versuch der beiden, zueinander zu finden. Zu groß sind die Unterschiede, die sie trennen. Während Alberta lieber nach Paris durchbrennen möchte, zieht es ihren Freund eher nach Amsterdam. Schließlich landen sie in einer öden Pension in der Nähe von Mannheim und Alberta stört sich an der geschmacklosen Krawatte, den Zahnputzgeräuschen und anderen ganz normalen Lebensäußerungen Nadans, während dieser den Zigarettenkonsum Albertas verabscheut.

Die Wege der beiden trennen sich. Während Alberta nach Südfrankreich zieht, sich dort beruflich entwickelt und eine kleine Familie gründet, geht Nadan zunächst nach Arizona und kehrt später nach Deutschland zurück. Erst ihr Ehemann bringt Alberta darauf, dass die Geschichte zwischen ihr und Nadan noch nicht zu Ende ist und so treffen sich die beiden schließlich zum dritten Male.

Aufgeregt bereitet Alberta ein feudales Abendessen vor und erwartet voller Spannung ihren Liebhaber. Doch wieder wird nichts aus der erträumten Liebesnacht, statt dessen erzählt Nadan schon gleich zu Beginn von seiner schwangeren Frau und seinen Kindern. Doch jetzt endlich kann Alberta für sich das Ende der Affäre, die es eigentlich nie so richtig gab, akzeptieren, die Geschichte schriftlich verarbeiten und zurück finden zu Jean-Philippe, ihrem Mann.

Der Roman ist knapp und dicht geschrieben. Rückblenden und gewollte Wechsel zwischen dem Erzählen in der Ich-Form und in der dritten Person lockern den Text auf. Die Sprache ist locker und unverkrampft, so dass der Roman auch für jüngere Leser amüsant sein dürfte.

Gegen den Erzählstil der Autorin ist relativ wenig einzuwenden, aber insgesamt hat mich das Buch nicht so zu fesseln vermocht, wie ich es mir gewünscht hätte. Woran das liegt? Vielleicht an den etwas infantil wirkenden Charakteren oder an der Handlung, die mir banal erscheint, obwohl doch Probleme erörtert werden, die so manchem von uns das Leben und die Liebe erschweren.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Alberta empfängt einen Liebhaber
Autor: Birgit Vanderbeke
Verlag: Fischer
Seiten: 117
ISBN: 3596141982